Ein Blick zurück
Als im Jahr 1996 zum ersten Mal die gutbestückte Archäologin Lara Croft über meinen Monitor huschte, war dies eine Offenbarung: Indinana Jones in weiblich und zum Spielen? Und dann auch noch so spannend und komplex, das man wochenlang durch die Tombs raiden kann? 1:0 für Lara. Als dann im Herbst des gleichen Jahres auch noch ein 3dfx-Patch erschien und mein erspartes gerade so für eine Diamond Monster 3D reichte, eine der ersten brauchbaren 3D-Beschleunigerkarten überhaupt, fiel die Überlegung nicht schwer. Der optisch dramatische Wechsel zur Polygonansicht führte zu Freudentränen, verführte zum erneuten Durchspielen und läutete allgemein eine neue Ära der Grafikqualität ein. 2:0 für Lara.
Mittlerweile sind ganze neun verschiedene Teile von Tomb Raider erschienen, sowie diverser Auskopplungen, in denen die unermüdliche Grabräuberin rund um die Welt reist und Abenteuer bestreitet. Zuletzt durften wir in Lara Croft and the Guardian of Light in die Stiefel der Archäologin schlüpfen. Das die Entwickler von Crystal Dynamics nun einen kompletten Reboot wagen erscheint daher auf den ersten Blick mutig – auf den zweiten offenbart sich damit jedoch eine Strategie, mit der sie mehr als goldrichtig liegen.
Ein Blick nach vorn…führt zurück
Unsere Präsentation startet mit einer kurzen Einleitung: Es wurde großer Wert auf die Charakterentwicklung gelegt. Anfänglich begegnen wir einer ängstlichen Lara, unsicher und mit wenig Selbstvertrauen. Erst im Laufe des Spiels soll sie sich zu der Frau entfalten, die wir alle kennen: hartgesotten, schlagfertig und cool. Wer den Trailer noch nicht gesehen hat, sollte dies spätestens jetzt nachholen. Ihr seht eine junge Lara, eine unsichere Lara, auf dem Weg zu ihrer ersten Expedition, „um Abenteuer zu finden – doch stattdessen finden die Abenteuer sie“.
Nach einem donnernden Intro starten wir den ersten Abschnitt der Demo. Lara erwacht in einer Höhle, kopfüber hängend, in einem Tuch gefesselt. Sie ist schmutzig und blutet und die Angst steht ihr ins Gesicht geschrieben. Um sie herum hängen weitere Gestalten, die nicht mehr besonders lebendig aussehen. Rote Kerzen tauchen die Höhle in eine gruselig-düstere Atmosphäre. Totenschädel schmücken eine Art Schrein mit mysteriösen Wandmalereien. Doch erst mal müssen wir dieser Lage entkommen: Lara schwingt sich ächzend hin und her und stößt eine der neben ihr hängenden Leichen in die Flammen der Kerzen. Diese fängt Feuer, stößt mit unserer Heldin zusammen und überträgt das Feuer auf ihre Fesseln. Jetzt wird es brenzlig: Lara windet sich aus den qualmenden Gefängnis und fällt – direkt auf einen spitzen Gegenstand, der sich durch ihren Körper bohrt. Das erste Quick-Time-Event (QTE) beginnt und sie zieht sich dramatisch und sichtlich unter Schmerzen den Gegenstand wieder heraus.

Fräulein Crofts Gespür für Rätsel
Ihre frische Verletzung haltend, humpelt Lara zur nächsten Fackel, nimmt diese aus Wand und bahnt sich ihren Weg durch die schaurige Grotte. Sie schiebt Tücher zur Seite oder zündet diese an, um so verborgene Durchgänge zu offenbaren. Plötzlich wird sie gepackt und zu Boden gerissen. Eine Art gespenstischer Eingeborener versucht sie zu überwältigen und das zweite QTE setzt ein – welches prompt misslingt. Der Eingeborene tötet Lara und flüstert ihr noch etwas zu, während sie ihr Leben aushaucht. Der Neustart setzt nur wenige Sekunden zuvor ein und dieses Mal schüttelt sie ihren Verfolger ab. Sie flieht durch einen unterirdischen Bachlauf und spätestens jetzt fällt die spektakuläre Kamera auf, die sie aus verschiedenen Perspektiven einfängt. Solche Kinoreifen Fahrten und auch die QTEs erinnern sehr positiv an Heavy Rain.

Sie gelangt in eine weitere Höhle und durchschreitet einen winzigen Wasserfall. Dahinter wird eine hängende Plattform mit mehreren Fässern sichtbar, erhellt von weiteren Fackeln an den Wänden. Der Boden ist übersät mit allerlei Gegenständen und Müll. Sie steckt in einer Sackgasse. Lara aktiviert den „Detective Mode“, wodurch sich die Sicht leicht verändert: Interaktive Gegenstände, wie entflammbare Objekte leuchten auf – zum Beispiel die Fässer voller Sprengstoff. Doch wenn sie diese anzündet und anschiebt, treiben sie unter den Wasserfall und werden wieder gelöscht. Anscheinend wartet hier unser erstes Rätsel auf Fräulein Croft. Behände schwingt sie sich auf die wackelige Plattform und Fässer rollen hinab. Sie springt auf eine Rampe, die neben dem Wasserfall entlang führt. Hier kann sie endlich ein Fass wasserfrei bis nach unten rollen, wo es explodiert. Die Dynamik der nächsten Szene erinnert stark an Uncharted 2: Die Höhle stürzt ein und Lara stolpert durch den nun freigelegten Weg in Richtung Freiheit. Doch kurz vor dem Ausgang taucht der Eingeborene wieder auf und versucht seine Beute zu stoppen. Mehrere QTEs und zwei erstaunlich grausame Sterbeszenen (einmal Lara, restart, einmal der Eingeborene) später und Lara gelangt endlich ins Freie.

Klettern, springen, balancieren
Nun folgt ein Zeitsprung und Lara schreitet, noch immer ihre Verletzung haltend, mitten in der Nacht durch strömenden Regen. Vor ihr liegt ein gespenstisches Dörfchen zwischen den Felsen. Dann zerbricht die Ruhe und Captain Konrad Roth, ein Überlebender des Schiffunglücks und bereits aus dem Trailer bekannt, wird umrundet von ein paar angriffslustigen Wölfen. Eine furchtbare Wunde klafft in seinem linken Bein, doch mit Hilfe seiner Pistole vertreibt er das Rudel. Lara eilt herbei und zieht den Verwundeten in Sicherheit. Kurz bevor dieser in Ohnmacht fällt, verrät er Lara, wo sie seine dringend benötigte Ausrüstung findet: in einer Höhle in der Felswand auf der anderen Seite des Dorfes. Die Wölfe lassen grüßen.

Nun lernt Lara ihr Element kennen: durch Wind und Wetter findet sie ihren Weg durch das Dörfchen. Kletternd, springend und balancierend gelangt sie schließlich zur Höhle, die in Sachen Gruselfaktor sogar noch die aus dem ersten Teil der Demonstration übertrifft. Knochen liegen am Boden und Scharren ist zu hören. Ein Schatten huscht an der Wand entlang und verschwindet wieder. Lara findet die Ausrüstung mit dem Medi-Pack und stürmt nach draußen. Doch ein gewaltiger Wolf springt sie an und reißt sie zu Boden. Per QTE kämpft sie sich frei und erlegt den Wolf. Doch statt kühl über den Tod des Tieres hinwegzusehen, entschuldigt sie sich fast mitleidig: „Es war du oder ich“. Den Rückweg kürzt sie unfreiwillig ab und stürzt über einen Wasserfall aus der Höhle. Zurück bei Roth verbindet Lara seine Wunden und mit einer abschließenden Cut-Scene endet unsere spannende aber leider viel zu kurze Demonstration.
Ausblick
Crystal Dynamics scheinen mit ihrer Neuauflage von Tomb Raider bisher alles richtig gemacht zu haben. Die Dynamik und die Atmosphäre erinnern mehr an einen Kinofilm, als ein Videospiel. Die Grafik ist grandios und die Bewegungen von Lara wirken so authentisch wie nie zuvor. Überhaupt ist das Artdesign eines der schaurig-schönsten der letzten Jahre. In der gesamten Präsentation wollte ich am liebsten aufhören Notizen zu machen und stattdessen Popcorn und Cola heraus holen.
Tomb Raider fängt das auf, was bei Uncharted 2 am meisten faszinierte: Die Story, die Charaktere, die Kamera, die Grafik und webt es sanft unter die Haut einer jüngeren, schöneren und vor allem glaubwürdigeren Lara Croft. Vorbei scheinen die Zeiten einer knallharten Doppel-D-Diva, denn die neue Lara überzeugt durch Menschlichkeit und weniger durch sexuelle Reize. Ihre Verletzlichkeit wird in der kurzen Demo mehrfach deutlich und während ihr der Regen Schmutz und Blut das Gesicht herab wäscht, humpelt Lara, ihre Wunden haltend, einer neuen Zukunft entgegen.
Ersteindruck: Hervorragend!