Mitte des 19. Jahrhunderts neigt sich die Zeit der Samurai dem Ende entgegen. Japans Kaiser hat die Grenzen seines Landes geöffnet und knüpft Beziehungen mit der westlichen Welt, die natürlich ihre Probleme mitbringen. Es kommt zum berüchtigten Boshin-Krieg, bei dem die japanische Shogun-Dynastie der Tokugawa gegen die kaiserlichen Truppen des Kaisers antritt. Das beginnende Industriezeitalter und die Technologie der westlichen Verbündeten haben auch die "Kunst des Krieges" verändert. Es ist der Beginn einer neuen Epoche.
"Es liegt viel Blei in der Luft"
Mit diesen Worten fasst CAs Studio Communication Manager Al Bickham die wesentlichen Änderungen in Fall of the Samurai zusammen. Und tatsächlich: Als wir ein paar Schlachten zu Land und auf dem Meer anspielen konnten, wird deutlich, dass sich Wesentliches bei dem neuesten Ableger der Reihe getan hat. Vorbei sind die Zeiten, als Schwertkämpfe eine Schlacht entschieden haben - jetzt regieren Kanonen und Gewehre. Es passiert zwar äußerst selten, aber mit Fall of the Samurai hat Total War den Innovationschub bekommen, den wir bei Shogun 2 noch vermisst haben.
Total War-Veteranen müssen sich etwas umstellen.(Bild: Sega)
Aber zunächst mal die Fakten: CA bleibt ihrer Tradition treu und liefert ein äußerst umfangreiches Addon ab. Das grundlegende Spielprinzip ist gleich geblieben: Ihr gewinnt durch "Map-Domination" und könnt entweder Civilization-like die Gefechte "auswürfeln" lassen oder selbst in die aufwendigen 3D-Schlachten ziehen. Mit knapp 100 Stunden Spielzeit kann man das Werk aber eigentlich nicht mehr als schnöde Erweiterung bezeichnen. Sechs neue Clans, 40 verschiedene Einheiten, ergänzende Waffen und endlich Seebelagerungen bilden die wesentlichen Neuerungen im Spiel. Zwar könnt ihr Handelsbeziehungen zu Westmächten wie USA, Frankreich oder England aufbauen, aber kontrollieren dürft ihr diese Fraktionen nicht.
Neue Agenten, mehr Truppen
Daneben bringen euch Eisenbahnstrecken schneller ans Ziel und drei neue Agenten intrigieren im Hintergrund. Während der politische Aktivist Ishen-Shishi und der Polizist Shinsengumi Verwirrung stiften sollen oder für Recht und Ordnung sorgen, steht der "Foreign Veteran" allen Fraktionen zur Verfügung. Wenn ihr ihn anheuert, kann er eure Truppen trainieren und deren Erfahrungsbonus steigern. Apropos Truppen: Statt 20 Einheiten auf jeder Seite, stehen euch jetzt in der Schlacht 40 Einheiten zur Auswahl. Allerdings nicht von Beginn an, sondern nur als Unterstützungseinheit, mit der ihr eure Armee aufstockt.
Gewehre und Kanonen machen den Unterschied aus. (Bild: Sega)
Wie bereits beschrieben, laufen die Schlachten jetzt eher aus der Distanz ab. Zwar setzt ihr besonders zu Beginn noch auf konventionellen Nahkampf, aber ihr solltet schnell die entsprechenden Technologien upgraden. Besonders eine Gatling-Gun oder mächtige Artillerie-Geschütze können in der Schlacht den Unterschied machen. Etwas unnötig fanden wir allerdings die neue First-Person-Perspektive, in der ihr selbst die Kontrolle über eines dieser Geschütze übernehmt. Kurz gesagt: Das ist nicht Total War. In unseren Augen ist das eher eine spaßige Beigabe, als ein nutzbringendes Spielelement.
Viel interessanter ist dagegen die Möglichkeit der Seebelagerungen. So schwächt ihr nämlich mit euren Schiffen die Verteidigungsmauern einer Küstenstadt, während eure Landtruppen angreifen. Aber Vorsicht: Städte können mit Verteidigungsanlagen verbessert werden, um solche Angriffe abzuwehren. Insgesamt gefallen die Seeschlachten jetzt besser. Durch die neuen Technologien stehen euch wahre Kampfkolosse zur Verfügung - ihr könnt sogar Torpedos einsetzen.
Ausblick: "Es wird alles gut."
Unterschätzt Fall of the Samurai nicht. Im Gegensatz zum DLC Rise of the Samurai bekommt ihr ein nahezu vollwertiges Total-War-Erlebnis zum Kampfpreis. Aber nicht nur der Umfang überzeugt, denn auch die inneren Werte garantieren ein paar Wochen Spielzeit. Neue Technologien, andere Taktiken, mehr Abwechslung - ich würde fast sagen, dass dieses Addon besser ist, als das Hauptspiel. Zugegebenermaßen war ich von Shogun 2 doch etwas enttäuscht, denn mir fehlte der Hauch Innovation, der Empire ausgezeichnet hatte. Jetzt wird aber alles gut, und wenn mich nicht alles täuscht, legt CA mit Fall of the Samurai eines der besten Total-War-Spiele aller Zeiten vor.
Weitere Details und interessante Hintergründe findet ihr in unserem Interview mit Creative Assembly.