Mit dem Zug durch die Pampa
Glaubt ja nicht, euer PC ist fit für jeden Simulator. Was der Train Simulator 2012 an Rechenleistung verschlingt, ist der Wahnsinn. Bei maximalen Details in einer FullHD-Auflösung zuckelt der Titel in geschmeidigen 5 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm - auf einem Quadcore mit flotter DirectX11-Grafikkarte. Zwar könnt ihr das Spiel eurer Hardwarekonfiguration sehr flexibel anpassen, vermutlich aber dürfen nur Mitarbeiter der NASA in den flüssigen Genuss sämtlicher visueller Spielereien kommen. Aber auch mit diesen ist der Train Simulator 2012 optisch nicht auf der Höhe der Zeit, was ihr vor allem bei den Umgebungen bemerkt. Die Loks und Waggons dagegen sehen schick und detailliert aus. Aber wollen wir mal nicht zu sehr nörgeln: Das Gebotene ist mehr als nur zweckmäßig, zumal der Rest zufrieden stellt.
Von dem Namen solltet ihr euch nicht irritieren lassen. Die Entwickler konnten auf die Train Simulator-Lizenz von Microsoft zurückgreifen, letztlich aber handelt es sich um die neueste Ausgabe der Railworks-Reihe in Version 3.0. Mit dem Klassiker hat das Werk nur die Bezeichnung und das Thema gemein. Aber auch das ist hart genommen irrelevant. In mehreren Tutorial-Missionen erfahrt ihr alles Wesentliche über die Kontrolle eures Zuges. Einsteiger entscheiden sich für die sofort verständliche „einfache“ Kontrolle, Experten wählen gleich zu Beginn die geringfügig komplexere Experten-Steuerung. Der Unterschied liegt in den Möglichkeiten des Bremsens sowie dem Anpassen von Fahr-relevanten Optionen.
Auf der Strecke geblieben
Welch Überraschung: Beim Train Simulator 2012 müsst ihr mit eurem Zug von A nach B fahren. Passagiere oder Güter sollt ihr transportieren oder zu vorgegebenen Zielen bringen. Es ist euch überlassen, ob ihr eine Route mit einer favorisierten Lock bestreitet, ebenfalls gibt es einen freien Szenario-Modus und für Profis Kampagnen-Aufträge. Durch diese erhaltet ihr für gutes Fahren Punkte, die ihr mit anderen Spielern vergleicht. Dank der Steam-Pflicht ist für eine ordentliche Online-Anbindung gesorgt.
Letztlich aber ist alles irgendwie ähnlich: Ihr nehmt Platz als Lokführer in einem Zug, startet die Maschine und fahrt los. Hier mal anhalten, da mal was erledigen, dort aufpassen und gegebenenfalls auf sich ändernde Situationen reagieren. Schnell kommt Routine und manchmal sogar Langeweile auf. Schließlich kann eine Fahrt gut und gerne 30 Minuten und länger dauern. Was ihr innerhalb dieser Zeit tut? Euch vielleicht die verschiedenen Kameraperspektiven angucken? Aus dem virtuellen Zugfenster linsen? Auf Toilette gehen? Kaffee kochen? Sowas eben.
Ich muss betonen: Mögt ihr es, authentisch und realistisch durch die Gebiete zu fahren und euch an Verkehrsregeln zu halten - der Train Simulator 2012 ist ein interessanter und tiefgründiger Vertreter. In meinen Augen sind die U-Bahn-Simulatoren von TML zwar dezent spannender und vom Spielkonzept knackiger, doch Eisenbahnfreaks dürften genau die Ruhe und Konzentration auf die wesentlichen Aspekte der Lokkontrolle mögen. Dazu kommen technisch durchaus beeindruckende Aspekte: Das Fahrverhalten ist erstaunlich gut umgesetzt. Ihr habt nie das Gefühl, durch winzige Landstriche zu fahren. Ja, die Welt vom Train Simulator 2012 ist glaubwürdig, auch dank kleinerer Feinheiten wie sich ändernde Witterung, Lichteffekte und einer anspruchsvollen Fahr- und Modellphysik.
Trotzdem: Der Train Simulator 2012 ist recht trocken präsentiert und damit nicht für die Masse der Menschen ansprechend. Dazu kommt die Tatsache, dass ihr nur bei Hameln und Siegen in Deutschland unterwegs seid, sonst aber irgendwo in den Staaten oder Großbritannien. Dadurch fehlt der Wiedererkennungseffekt, keine größere Stadt in Deutschland schaffte den Weg ins Spiel. Wenigstens die ICE-Loks erhaltet ihr als Gratisdreingabe beim Kauf des Spiels. Ansonsten schreit der Train Simulator 2012 regelrecht nach AddOns - und ist darauf auch vorbereitet. Echte Fans freuen sich natürlich über zahlreich vorhandene Züge und über 70 Szenarios, unabhängig davon, ob diese aus hiesigen Breitengraden stammen.