Teamwork Reprise
Ob grün...
Wieder übernehmt ihr die Rollen dreier Rollenspiel-typischer Charaktere, namentlich einem Kämpfer, einer Diebin und einem Zauberer, und müsst euch in einem Mix aus Denkspiel sowie Jump’n’Run durch 13 Abschnitte grübeln. In Sachen Fähigkeiten hat sich nicht sensationell viel verändert: Der Kämpfer hat erneut einen Schild, ein Schwert sowie einen Hammer, womit er sich sehr gut gegen grüne Orks verteidigen und brüchige Steinmauern einschlagen kann. Die Diebin hüpft besonders grazil durch die Gegend, unterstützt von ihrem Enterhaken schwingt sie gar über größere Abgründe und aufgrund ihres Bogens trifft sie jedes noch so weit entfernt liegende Ziel. Bleibt noch der Zauberer, der mehr auf Köpfchen setzt und stapelweise Kisten materialisiert.
Es stehen euch nicht gleich sämtliche Fähigkeiten in ihrer vollsten Stärke zur Verfügung. Stattdessen sammelt ihr blaue Erfahrungspunkte sowie Flaschen, mit deren Energie ihr die Fähigkeitenbäume der Protagonisten füllt. Z.B. werden die Pfeile der Diebin mit Feuer getränkt, der Kämpfer erlernt eine Art Rammstoß und der Zauberer kann abseits der Kisten lange Planken herbei beschwören. Einige dieser Fähigkeiten sind in den späteren Levels essentiell notwendig, zum Glück könnt ihr jederzeit bereits frei geschaltete gegen eine verlustfreie Rückerstattung der Erfahrungspunkte eintauschen. So ist die Sackgassengefahr praktisch nicht vorhanden beziehungsweise nur dann gegeben, wenn ihr bis zu den betreffenden Levels gar keine Punkte gesammelt habt.
Satter Qualitätssprung nach oben
...rot...
Und was soll ich sagen? Im Gegensatz zum Vorgänger hat sich Frozenbyte diesmal ernsthafte Gedanken darüber gemacht, wie man den Spieler trotz all dieser Eigenschaften richtig fordern kann. Euch stehen zahlreiche Rätsel bevor, die in ihrer Art einmalig sind und bei denen ihr “nur“ auf die richtige Idee kommen müsst. Gleichzeitig ist genug Freiraum vorhanden, weshalb ihr einige Passagen auf verschiedene Arten lösen könnt. Gerade der Zauberer mit seinen Kisten und Planken ist ein echtes Multitalent, das es auszunutzen gilt. Und hier steckt dann doch noch eine kleine Schwäche im Puzzledesign: Ein paar Lösungen, die mir einfielen sowie funktionierten, fühlten sich mehr wie abenteuerliches Flickwerk anstatt cleverem Gedankengut an. So könnt ihr euch immer noch hier und da von Raum zu Raum mogeln, in dem ihr euch von einer abenteuerlich gezauberten Kistenbrücke zur anderen hangelt. Aber das Schummelpotenzial hält sich in Grenzen, speziell im Vergleich zu Trine 1.
Während der Rätselpart von mir eine 1- erhält, gibt es für die Kämpfe gerade mal eine 3+. Das Schlachten der Orks fühlt sich nett und lustig an, mehr aber auch nicht. Selbst die etwas größeren Zwischengegner agieren alle nach dem gleichen Rush’n’Attack-Schema, während ihr wie wild über deren Köpfe hüpft und sie von hinten mit dem Schwert eures Kämpfers bearbeitet. Die einzig rühmliche Ausnahme ist der finale Endboss, der es wahrlich in sich hat und gleichzeitig auch nicht zu sehr frustriert.
Etwas unsicher bin ich mir bezüglich der Steuerung, ob diese besser im Vergleich zum Vorgänger ist. Auf der einen Seite fühlt sich das Laufen und Springen immer noch etwas schwammig an, zudem der Wechsel von Charakter zu Charakter in hektischen Situationen zur Unübersichtlichkeit tendiert. Aber irgendwie hab ich mich kaum verhüpft und bin selten in eine tödliche Falle gerannt. Rein vom Gefühl her würde ich einfach behaupten, dass die Bedienung immer noch ein wenig nach Seife riecht, aber dafür mehr auf Seiten des Spielers steht. Bei einigen Hechtsprüngen war ich nämlich erstaunt, dass diese zum Erfolg führten, obwohl es so verflixt knapp aussah.
Gute Musik, fulminante Grafik
...oder blau: Trine 2 sieht fantastisch aus!
Es bleibt noch das Äußere, wobei ich nun das Lob zweiteilen muss: Einerseits hätten wir einen schönen Soundtrack von Ari Pulkkinen, der aber nicht ganz so spektakulär ausfällt wie erhofft. Der Junge hat sich hörbar von Projekt zu Projekt gesteigert, doch in diesem Falle sein diesjähriges Outland-Werk nicht toppen können. Dazu kommt eine wirklich schreckliche, englische Sprachausgabe, die gottlob nur am Rande ertönt.
Andererseits ist da eine Grafik, die einen von den Socken reißt. Was Frozenbyte hier an Detailreichtum, Farbvielfalt und Animationskünsten auf die Beine gestellt hat, ist eine mittelschwere Sensation. Trine 2 überholt in Sachen Art Direction locker 99% aller mir bekannten Computer- oder Videospiele und ist ein gewichtiger Kandidat für den entsprechenden Grafik-Award des Jahres. Man könnte ihr vielleicht mangelnde Abwechslung vorwerfen, doch wer genau hinschaut, der entdeckt immer wieder ein paar neue Details. “Genau hinschauen“ ist sowieso Pflicht, denn phasenweise wirkt die Kulisse fast schon zu überladen, weshalb ihr gerne auch mal ein Rätsel relevantes Objekt später als gewohnt entdeckt.