Krieg der Konzerne
Magnus bei der Wartung seines Babys.
Na, das sind ja prima Aussichten: Ende des 21. Jahrhunderts gibt es keine Regierungen mehr, dafür kloppen sich große Konzerne um Länder und Territorien. Die Proteus-Corporation sucht regelmäßig freischaffende Kämpfer, die für sie im Auftrag arbeiten. Magnus Tide, der Held von Yager, ist ein ganz gefuchster Söldner, der vor nicht allzu langer Zeit sein ganzes Hab und Gut bei einem Einsatz verloren hat. Deshalb wollte er eigentlich den Job an den Nagel hängen, doch sein neues Schiff, die Sagittarius, ist einfach zu gut, um sie in der Garage versauern zu lassen.
Action/Simulationen wie diese hier sind heute kaum mehr existent und waren bereits 2003 wenig beliebt. In den 90er Jahren blühte das Genre von Wing Commander über X-Wing bis Conflict: Freespace. Als der Weltall nichts Neues mehr hergab und die Leistungen von PCs wie Konsolen stärker wurden, war zumindest mehr als ein schwarzer Sternenhimmel möglich. Titel wie Terminal Velocity oder Factor 5s Rogue-Squadron-Serie ließen den Spieler in aller Regelmäßigkeit über Planetenoberflächen schweben. Genau in die gleiche Kerbe schlug Yager – und hatte sogar eine weitere Besonderheit zu bieten.
Fordernder Klassiker
Viele Flieger: eine Kampfsituation in Yager.
Die Geschichte umfasst 22 Missionen, in denen ihr auch einiges an Dialogen sowie Zwischensequenzen zu hören beziehungsweise sehen bekommt. Die Charaktere sind eher flapsig-überzogen anstatt glaubwürdig-dramatisch – was aber durchaus funktioniert, dank der gut gewählten Sprecher.
In Punkto Spieldesign ermöglicht das Genre nicht viel Abwechslung, jedoch hat sich Yager Development damals durchaus Mühe gegeben. Die meiste Zeit seid ihr freilich am Fliegen und Ballern. Die Missionen sind recht lang sowie mit Checkpoints versehen. Ihr werdet nicht nur stur von einem Punkt zum nächsten geleitet: Gerne mal wird euch auf der Übersichtskarte ein ganzer Bereich angezeigt, in dem ihr euer Ziel finden müsst – in aller Regel ein feindliches Schiff, das ihr orten sollt.
Im Training durchfliegt ihr Kreise, in den Gefechten kämpft ihr mitunter gegen dutzende Gegner gleichzeitig. Will sagen: Yager fängt harmlos an und wird schnell brutal schwer. Dank eines allumfassenden Speicherstandes habe ich mich frech in ein paar der späteren Missionen hinein-gezappt - überlebt habe ich dort keine zwei Minuten. Yager fordert Geduld sowie Übung und schont keine Nerven – auch ein Blick auf alte Testberichte zeigt, dass der Schwierigkeitsgrad 2003 ähnlich interpretiert wurde wie nun von mir.
Fliegen oder Schweben
Fröhliches Suchen im stattlichen Zielgebiet.
Die Besonderheit, richtig, da war noch was: Die Sagittarius lässt sich auf zwei Arten steuern. Im Jet-Modus flitzt ihr wie gewohnt konstant “nach vorne“, wendet dafür aber nur in großen Radien. Im Hover-Modus wiederum schwebt ihr fest über dem Boden und könnt im Stand die Blickrichtung ändern, allerdings fallen Vorwärtsbewegungen bedeutend langsamer aus. Beide Modi haben ihr Daseinsberichtigung, weil ihr in dem einen mehr Schnelligkeit und in dem anderen mehr Zielgenauigkeit besitzt.
Für den Replayed-Artikel habe ich mir sowohl die PC-Version als auch das dazugehörige Xbox-Original angeschaut, welches ein paar Monate vorher erschien. In beiden Fällen registriert mein Auge eine für die heutige Zeit angemessene Grafik, die zu ihrer Zeit granatenstark gewesen sein dürfte. Yager Development hatte ein gutes Händchen für den Einsatz von Farben, die prächtig aber nicht knallbunt rüber kommen. Technisch gibt es ebenso wenig zu beklagen, denn auch auf der alten Xbox-Konsole flutscht das Spiel wie Butter über den Bildschirm. Wenn ich was an der Präsentation nicht mag, dann die Musik: Die klimpert arg langweilig und inspirationslos daher.
Ansonsten bin ich mit der Steuerung nicht komplett glücklich. Während ihr auf der Konsole mit dem Pad auskommen müsst und dieses soweit auch prima funktioniert, bietet der Computer von der Maus über die Tastatur bis zum fetten Microsoft Sidewinder viel mehr Optionen. Und keine davon ist wirklich zufriedenstellend: Erstere ist zu schwammig, zweitere fürchterlich vorkonfiguriert und letztere nutzt nicht die Feinheiten der ausgefeilten Technologie. Wenn ich mit dem Sidewinder eine Kurve fliege, dann fühlt sich dies genauso wie mit einem Joypad an – nur dass ich beim fetten Stick viel stärker einlenken muss, bevor sich überhaupt etwas tut. Spätestens da spürt man den Konsolenursprung des Spiels.
Neun Jahre später
Das U-Boot macht auch heute noch was her.
Yager war kaum erfolgreich, was trotz der damals positiven Resonanz von Kritikern sowie Spielern nicht weiter verwundert. Sterbendes Genre, knackiger Schwierigkeitsgrad, deutsche Herkunft – ja, das darf ich nicht vergessen: Das Spiel stammt aus Good Old Germany. Die Amerikaner empfanden zwar durchaus Sympathien für den Titel, nur erschien er dort ein Jahr später. Damit war ein Pluspunkt, der Grafikbombast, bereits ein klein wenig überholt.
Aus heutiger Sicht ist Yager durchaus empfehlenswert, wenn auch mehr aufgrund der mangelnden Alternativen. Natürlich merkt man dem Spiel sein Alter an, jedoch hält sich der Zahn der Zeit in Grenzen. Gerade die Größe der einzelnen Missionen und eben der Schwierigkeitsgrad machen es zu einem Geheimtipp für all jene, die lieber mit einem Jet durch die Gegend fliegen anstatt als Infanterist auf dem Boden ballern.