05.07.2008 – Redakteur: Andreas

Die Kleinen schlagen zurück. „Audiosurf“, „Defcon“ oder jetzt „Sins of a Solar Empire“ sind so genannte „Independent Games“, Spiele kleiner unabhängiger Entwicklerstudios, die den großen Publishern zeigen, wo die Zukunft des PC-Spiels steckt. Statt Hunderte von Angestellten beschäftigen diese „Indies“ nur eine Handvoll Leute, die mit ungewöhnlichen Ideen und viel Liebe zum Detail ungewöhnliche Spiele verwirklichen. Man duzt sich und Betrug ist verpönt – alles ist eine Frage des Vertrauens.
Für Daniel Schröder war es „Liebe auf den ersten Blick“. Vor knapp zwei Jahren durchstöberte er das Internet und stieß zufällig auf die Ankündigung von „Sins of a Solar Empire“, einem Strategiespiel der Firma „Ironclad Games“ und des kleinen Publishers „Stardock“. Ohne einen großen Werbeetat war diese Entdeckung an sich schon ein kleines Wunder, aber so wie Daniel erging es vielen Spielern. Im Frühjahr stand „Sins of a Solar Empire“ wochenlang in den Top-10 der PC-Charts in den USA und verdrängte sogar die „Sims“ oder „WoW“ vom ersten Platz. Knapp 250.000 Spiele wurden laut „Ironclad“ inzwischen verkauft, ganz konservativ im Laden oder per Download. Die Fans in Deutschland übersetzten das Spiel eigenständig und Daniel Schröder ist inzwischen Webmaster eines deutschen Fan-Portals im Internet. Stephan Marcinek vom deutschen Publisher Kalypso geht deshalb davon aus, dass sich das Spiel auch in Deutschland in den Top-10 platzieren wird – dank einer starken Community.
Aber Stopp: Wer ist denn heute eigentlich unabhängig? Nicht einfach zu beantworten. Heißt unabhängig sein, auf eigenes Risiko und ohne Absicherung durch einen Publisher zu entwickeln? Oder sprechen wir hier nur davon, unabhängig neue Spielideen zu entwickeln? Ersteres ist sicherlich oft nur eine schöne Utopie, denn ohne Publisher kommt das Spiel kaum flächendeckend in den Handel und im zweiten Fall dürfte zwar niemand bezweifeln, dass Will Wright mit den „Sims“ und „Spore“ ungewöhnliche Spielkonzepte entwickelt, aber unabhängig von EA? Nicht wirklich. Wie so oft ist es eine Mischung von beiden Aspekten. Ein bisschen Will Wright und ein bisschen Kenta Cho oder anders ausgedrückt sind „Indie Games“ der „Garagen-Rock“ des Videospielzeitalters. Spielerische Rohdiamanten aus den Tiefen des Internets – ungewöhnlich, innovativ und manchmal etwas sperrig.
Dabei sah es lange Zeit gar nicht nach einem Siegeszug der Indies aus. In den letzten Jahren mussten einige unabhängige Studios ihre Tore schließen oder wurden von großen Publishern aufgekauft. Doch das groß angekündigte Ende der unabhängigen Entwickler ist nur eine Legende, denn in Wirklichkeit gibt es heute mehr „Indies“ als je zuvor. Besonders dank des Web 2.0 finden diese Entwickler neue Vertriebswege für ein innovationshungriges Publikum, das die ewig gleichen First-Person-Shooter oder Echtzeitstrategiespiele leid ist. Dabei machen viele aus der Not eine Tugend, denn natürlich kann einer allein, wie Dylan „Audiosurf“ Fitterer kein MMOG wie „World of Warcraft“ stemmen. Die Bandbreite der „Indies“ ist riesig: Es gibt mit „Dwarf Fortress“ eine Art Hardcore-„Sims“ in ASCII-Code, in „Crayon Physics“ wird puzzeln zum Zeichenspiel und in „Noitu Love“ leben alte Sidescroller wie „Metal Slug“ wieder auf. Allesamt sind es keine umfangreichen Spiele, ein bisschen casual, ein bisschen retro, aber immer grenzenlos originell.
Du bist nicht angemeldet.
Spielt ihr Browser-Games?