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Special: „Video Games Live“ oder über den Mut, etwas Neues zu erfahren

22.08.2008 – Redakteur: Andy


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Mein Geschmack bezüglich Spiele und Filme ist sehr breit gefächert. Ich versteife mich niemals auf ein Genre sondern blicke gerne über meine grundlegenden Vorlieben hinweg und erlebe dank dieser Einstellung immer wieder positive Überraschungen. Bei der Musik ist mein Interesse deutlich eingeengter, weil ich mich zu 99% auf Soundtracks oder deren Arrangements konzentriere. Trotzdem kommt dabei relativ viel Vielfalt zustande, weil alle paar Jahre ein „Full Throttle“, ein „Jet Set Radio Future“ oder ein „The Darkness“ aus dem Stereotyp des klassischen ambienten, orchestralen oder synthetischen Videospielsoundtracks heraus bricht.

Vergleicht man die symphonischen Games Convention Konzerte der letzten fünf Jahre mit dem am Mittwoch der GC 2008 abgehaltenen „Video Games Live“-Event, dann kommt man auf alle Fälle zu folgendem Urteil: Es war anders.

Das fing bereits beim Schauplatz an: Anstatt eines stilvollen, klassischen Konzertsaales wie dem Gewandhaus, präsentierte sich VGL in der Leipziger Arena, was eher einer Bühne für ein Rockfestival glich. Der hässlich zusammen gezimmerte Fußboden, die suboptimale Akustik und die klapprigen Stühle im zentralen Bereich mussten vor allem durch viele bunte Lichter kompensiert werden. Keine Frage, den Veranstaltern mangelte es nicht an Scheinwerfern.

Das Programm war lang und der Anfang erst einmal ein starker Bruch zu dem, was der Spielemusik-Kenner von den letzten Jahren her kannte. Auf einer Leinwand liefen fünf verkleidete Personen, vier davon Geister und eine Ms. Pac-Man, durch irgendwelche Straßen und kasperten herum. Erst nach dieser niedlichen, aber eher unlustigen Einlage, ging es richtig los. Und dieser Anfang hatte sogar was: Nacheinander wurden Szenen aus „Pong“, „Space Invaders“, „Dragon´s Lair“, „Ghost´n´Goblins“, „Rastan“, „Gauntlett“, usw. gezeigt, allesamt orchestral untermalt unter der Leitung des Dirigenten Jack Wall. Das war wirklich lustig - im Gegensatz zu dem blöden Video kurz zuvor.

Wie man sich in Szene setzt…

VGLDanach erwartete uns ein weiteres Show-Element, welches aber auch gar nichts mit Videospielmusik zu tun hatte. Aus den dicken Lautsprechern ertönte das „Metal Gear Solid“-Codec Jingle und zu uns sprach Solid Snake. Einmal kurz gelacht und schon trat der Schöpfer von „Video Games Live“ auf die Bühne: Tommy Tallarico. Der zeigte sich als brutaler Showmensch, der die Massen mit lauten Sprüchen und 08/15-„Videospiele sind toll und niemals brutal“-Parolen zu begeistern versuchte. Ihr kennt diese Motivationstrainer, die für viel Geld gescheiterten Persönlichkeiten Lebensfreude im Stile von „Tschaka, du schaffst es!“ andichten wollen? Tommy wäre perfekt für diesen Beruf.

Zurück zur Musik: Nacheinander spielte das Orchester Themen aus „Metal Gear Solid“ und „God of War“. Dank der stets auf der Leinwand präsenten, zuweilen jedoch hektisch geschnittenen Spielszenen, sollte spätestens hier jedem klar gewesen sein, dass VGL den Kernaspekt nicht auf die Musik sondern auf das Bild legt. Zugegeben: Die Idee mit dem verkleideten Soldaten, der vor dem Orchester-Ensemble herumhampelte, und die hinter ihm herschleichende Kiste (!) hatte was. Sogar an das leuchtende Ausrufezeichen oberhalb des Soldaten, sobald dieser Solid Snake erahnte, hat man gedacht. Aber es lenkte gleichzeitig massiv von der Musik ab, welche einen Tacken zu hektisch arrangiert wirkte.

„God of War“ gehörte in die Kategorie „O.k., aber aus der Serie kann man bessere Stücke präsentieren“, danach folgte wieder reine Show. Tallarico motivierte zu einem kleinen Spiel, genauer gesagt sollte einer der Zuhörer zu ihm auf die Bühne kommen und auf der großen Leinwand „Space Invaders“ spielen. Dabei steuerte der Spieler das Raumschiff, indem er sich selbst seitwärts bewegte. Auch diese Idee war putzig, nur hatte sie kaum etwas mit Videospielmusik zu tun. Da änderte auch das Orchester nix dran, das das stoische „dud…dud….dud…dud“ der „Space Invaders“-Soundeffekte nach-„spielte“.


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