22.06.2009 – Redakteur: Matthias / Petra

Wenn die eh schon schwelende Diskussion rund um Computer- und Videospiele mit gewalttätigem Inhalt durch tragische Ereignisse wie dem Amoklauf in Winnenden wieder richtig aufflammt, dann werden die Rufe nach einem Verbot von sogenannten Killerspielen jedes Mal sofort sehr laut. Zu einem großen Teil kommen diese Verbotsforderungen aus der politischen Ecke, weswegen sich der Ärger der Spiele-Fans vor allem auf die Politiker konzentriert. Die Spielergemeinde fühlt sich von ihren Volksvertretern missverstanden und vertritt zum Großteil die Meinung, dass ihr Hobby zu Unrecht verunglimpft wird und eine Einmischung oder gar Bevormundung durch den Staat ein einziges Ärgernis darstellt. Oftmals wird dabei auch der Vorwurf laut, dass die Politiker doch gar nicht wüssten, wovon sie reden, da sie sicherlich noch nie ein Pad oder einen Handheld in der Hand gehabt hätten.
Um diesen Eindruck abzuändern und um die Spielekompetenz der Mitglieder des Bayerischen Landtags zu fördern, hat Eberhard Sinner, medienpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, alle Fraktionen am Abend des 17. Juni 2009 zu einem Spieleabend eingeladen. Als Partner für diese Idee konnte Herr Sinner unter anderem den Münchener Verein Videospielkultur e.V. (VSK), den Bundesverband der Entwickler von Computerspielen e.V. (G.A.M.E.) sowie den Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) gewinnen, die den Parlamentariern gemeinsam die Gelegenheit bieten wollten, zahlreiche Spiele selbst auszuprobieren und dabei mit Entwicklern und Publishern ins Gespräch zu kommen. Und da diese Einladung auch an Vertreter der Presse ausgesprochen wurde, haben wir von DemoNews.de es uns natürlich nicht nehmen lassen, ebenfalls daran teilzunehmen.
Veranstaltet wurde der parlamentarische Spieleabend direkt im Maximilianeum, dem Sitz des Bayerischen Landtags. Herr Sinner begrüßte dort seine Gäste mit einigen einleitenden Worten, die schon im Vorfeld klar machten, dass ihm das Thema Computer- und Videospiele und der Dialog zwischen Politikern und der Industrie sehr am Herzen liegen. Er verwies darauf, dass es sich bei der Games-Industrie um keine Randerscheinung mehr handele, sondern hier von einer Boombranche die Rede sei: Millionen Europäer spielten Videospiele und der weltweite Umsatz betrage inzwischen mehr als 50 Milliarden US-Dollar. Daher sei es notwendig, darüber zu diskutieren, aber auch die unendlichen Möglichkeiten hervorzuheben, denn „man sollte ein Medium nicht an seinen schlechtesten Beispielen, sondern an seinen besten Beispielen messen.“ In seinen einleitenden Worten kam Herr Sinner außerdem darauf zu sprechen, dass Spiele oft mit Gewalt und Sucht in Zusammenhang gebracht würden. Er selbst habe sich in der Vergangenheit (u.a. als ehemaliger bayer. Gesundheitsminister) bereits sehr intensiv mit dieser Thematik beschäftigt und verwies deswegen auf eine Studie des Harvard Medical School Center for Mental Health and Media aus dem Jahr 2008, die vom US-Justizministerium anerkannt wurde und das Fazit zieht, dass „Spielesucht ein Symptom, dass etwas falsch laufe, und nicht die Ursache“ sei und deswegen die Verantwortung bei den Eltern liege und sie wissen sollten, was ihre Kinder spielen. „Aus meiner Sicht sind diese Studien sehr viel weiterführend als Äußerungen eines Professors aus Niedersachsen (Spielekritiker Prof. Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen / Anm. d. Red.)“, so Sinner. Deswegen betonte er ausdrücklich, dass ein guter Jugendschutz sehr wichtig sei, es dabei aber nicht um die Manifestation von Verboten, sondern um den bewussten Umgang mit Medien gehen solle.
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