14.06.2006 – Redakteur: Andy
Die unendliche Geschichte ist ein Dreck dagegen: ´Final Fantasy´ geht in die zwölfte Runde und selten geriet die Wartezeit so nervenzerreibend, wie bei diesem Teil. Wenn man ´Final Fantasy 11 Online´ und das höchst umstrittene ´Final Fantasy X-2´-Spinoff außen vorlässt, sind seit dem letzten, konventionellen Titel der RPG-Serie schließlich fünf Jahre vergangen. Ich habe deshalb ein ganz gewagtes Experiment gestartet und mich durch die ersten Stunden der japanischen (!) Version geackert, welche bereits im März erschienen ist. Die schlechte Nachricht zuerst: Wer nach dem Online-Krams ein klassisches ´Final Fantasy´ erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Die gute Nachricht: Hinter diesen ganzen Revolutionen und Neuerungen steckt vielleicht eines der brillantesten RPGs der Neuzeit.
Über die Story kann ich Mangels Japan-Kenntnisse und trotz zahlreicher Internet Fan-Übersetzungen wenig berichten, zudem ich nach meiner Spielzeit nur an der Oberfläche gekratzt haben dürfte. Allerdings haut der Anfang mächtig rein: Wir werden Zeuge einer epischen Hochzeit, um kurz danach den Tod des Bräutigams während einer dramatischen Schlacht, in der sowohl futuristische Flugschiffe als auch mittelalterliche Schwertkämpfer vorkommen, zu erleben. Im folgenden Tutorial steuern wir einen jungen Soldaten, der in einen Hinterhalt gerät und kurz nach einem (tödlichen?) Schwertstich den Namen seines Bruders flüstert: Vaan. Ein Zeitsprung von mehreren Jahren später fängt dann das ´richtige´ Spiel an: Vaan ist bei weitem nicht so heldenhaft und verdient seinen Lebensunterhalt lieber als Dieb. Natürlich ändert sich dies innerhalb der ersten Stunden, die Story verspricht massig, epische Kämpfe, ein wenig Politik und viel Verrat. Allerdings solltet ihr nicht die selbe Erzähldichte erwarten, wie jene der Vorgängern: Yasumi Matsuno, der hauptverantwortliche Director, gilt nicht ohne Grund als ein Designer, der mehr auf Spielinhalt, als auf Drumherum hinaus zielt.
Als letztes Jahr ´Dragon Quest 8´ zusammen mit einer spielbaren Demo von ´Final Fantasy 12´ in den USA erschien, berichteten wir vom brandneuen Kampfsystem. Wobei es gar nicht mal so neu ist, mixt es doch die wichtigsten Elemente der Vorgänger zusammen mit Biowares ´Knights of the Old Republic´. Das Ergebnis ist schon jetzt umstritten, wobei aus meiner Sicht nicht ersichtlich, warum dem so ist (außer, dass es etwas Neues und damit Anderes darstellt). Konfrontationen können jederzeit abseits von Städten stattfinden, z.B. auf freiem Felde oder in düsteren Höhlen. Zufallskämpfe sind endgültig Relikte aus der Vergangenheit, die Gegner laufen hier von vorneherein sichtbar durch die Gänge. Seid ihr Nahe genug dran, könnt ihr altbekannte Kommandos geben, wie z.B. Angriff, Zaubern oder Items benutzen. Der Rest geht mehr oder weniger von alleine, wobei ein Angriffsbefehl solange ausgeführt wird, bis entweder der anvisierte Feind tot ist oder ihr das Kommando ändert. Andersherum agieren die Gegner genauso: Die Reihenfolge, wer wann dran kommt, wird ähnlich wie in älteren ´Final Fantasy´-Spielen mittels Zeitbalken gemessen (wobei ihr natürlich nur die eurer Charaktere seht, während die der Gegner ´unsichtbar´ im Hintergrund ablaufen).
Somit ist der Mix aus ´Final Fantasy´ und ´Knights of the Old Republic´ extrem wörtlich zu nehmen: Die Befehle sind praktisch identisch mit ersterem, hingegen die Ausführung ganz klar an letzteres erinnert. Nun beschwert sich so mancher, dass es dem System an Dynamik und Spannung fehlt. Man würde einfach zum Gegner hinlaufen, auf ein Knöpfchen drücken und zuschauen. Es gibt ein paar Punkte, weshalb dies nicht ganz der Wahrheit entspricht.
Erstens solltet ihr, bevor ihr vor Langeweile umkommt, die Kampfgeschwindigkeit im Menü hochdrehen. In der voreingestellten Fassung dauert es gut fünf bis sechs Sekunden zwischen zwei Angriffen von Vaan (im niedrigen Level, wohlgemerkt), optimiert beschleunigt sich der Prozess auf vier. Zweitens verlangen stärkere Gegner (von denen auch zu Beginn erstaunlich viele durch die Gegend laufen, d.h. wenn ihr etwas größeres seht, solltet ihr auch tunlichst einen Bogen drum herum machen) etwas mehr als eine stupide ´Hau druff bis es kaputt is´-Taktik.
Du bist nicht angemeldet.
Spielt ihr Browser-Games?