Wer das Spiel nicht durchschaut, steckt vielleicht zu tief drin.

PC-Review: Guild Wars: Nightfall

05.11.2006 – Redakteur: Martin


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Seit dem großen Durchbruch der MMORPGs vergeht kaum ein Tag, ohne dass Meldungen über „World Of Warcraft“ durch die Leitungen gesendet werden. Momentan gibt es kein Spiel, welches an den Erfolg von Blizzards Epos heranreichen könnte. NCSoft kommt mit „Guild Wars“ allerdings schon in beachtliche Nähe des Kassenschlagers. Das verwundert auch kaum, denn die Programmierer stammen ursprünglich aus der Schmiede der „Warcraft“-Macher. Dennoch kann man keinen direkten Vergleich zu dem MMORPG-Giganten ziehen, da beide Spiele ihr Augenmerk auf verschiedene Elemente richten.

Aus der Dunkelheit ins Licht

Guild Wars: NightfallBereits zum zweiten Mal in diesem Jahr koppelt NCSoft eine Episode aus dem spielerischen Universum von „Guild Wars“ aus. Wie schon bei den Vorgängern braucht man nicht unbedingt die anderen Teile zu besitzen, um „Nightfall“ spielen zu können. Fiel „Factions“ mit seinen Massen an schweren Gegnern noch etwas negativer ins Gewicht, als die Hauptkampagne „Prophecies“, so bemühte man sich bei „Nightfall“, endlich eine Ausgewogenheit zu finden. Dazu führte man einige Neuerungen ein, die die alte „Factions“-Scharte auswetzen. Die Geschichte führt dieses Mal in die exotische Region Elona, die mit ausufernden Wüsten und antiken Bauwerken stark an das alte Ägypten und Arabien erinnert. Die Story nimmt bei „Nightfall“ einen etwas geringeren Stellenwert ein, als dies noch bei „Prophecies“ der Fall war. Elona ist in drei gleichberechtigte Provinzen unterteilt, die sich nach den großen Kriegen herausgebildet haben. Als die großen Götter die Welt der sterblichen verließen, entbrannten Kämpfe um den Thron Elonas, die Jahrhunderte andauerten. Mittlerweile werden die Streitkräfte des Kontinents durch die Feldherrin Varesh Ossa angeführt, die eine Nachfahrin des großen Helden Turai Ossas ist, der einst den Krieg beendete. Sie wird von ihren Untergebenen geachtet und geehrt, hat allerdings einen geheimnisvollen Schönheitsfehler: Sie dient einem Gott, der so undurchsichtig ist, wie ein Kübel Brackwasser. Könnte diese Gottheit zu den gefallenen falschen Göttern gehören, die einst zum Chaos in der alten Welt beitrugen und deshalb verbannt wurden?

Die Zeichen deuten darauf hin, verwandelt sich Elona doch zunehmend in ein finsteres Reich voller Dämonen, Dschinns und Düsterlingen. Währenddessen wird der Spieler zu einem Offizier des Sonnenspeer-Ordens ausgebildet, einer starken Verteidigungstruppe von Elona, die sich zum Kampf gegen aufziehendes Unheil rüstet. Als Kommandant dieses Ordens muss der Spieler eine Truppe aus Gefolgsleuten zusammenstellen, um sie in den finalen Kreuzzug zu geleiten. Dabei sind Bündnisse mit anderen Helden unerlässlich, wenn die Zukunft der Menschheit Bestand haben soll.

Zu neuen Ufern

Guild Wars: NightfallZu aller erst erschuf man erneut zwei neue Klassen, mit denen der Spieler die Welt von Elona erkunden kann. Damit wird der Appetit der Fans gestillt, die mittlerweile auch alle Kombinationen mit den neuen „Factions“-Charakteren durchgespielt haben dürften. Wieder einmal kann man ausschließlich auf menschliche Charaktere zurückgreifen. Doofe Ohren sind also auch hier Fehlanzeige. Als erste neue Klasse gibt es jetzt den Paragon zu spielen, der als eine Art beschützender Engel über Elona und seine Helden wacht. Seine große Stärke ist die Begleitung von Gruppen, in denen er motivierende Schreie ausstößt oder Fernangriffe mit seinen Stab durchführt. Sie sind reine Motivationskünstler, die mit ihren Rufen und Befehlen auch Zustände heilen können, die seine Kampfgefährten von den Feinden auferlegt bekommen haben. Außerdem inspirieren sie ihre Gruppe zu schnelleren Angriffen und höherer Widerstandskraft. Mit einem Paragon im Rücken kann ein Grüppchen also effizient gegen eine Vielzahl von Feinden antreten, ohne allzu große Verluste befürchten zu müssen.

Die zweite neue Klasse ist der Derwisch. Derwische sind heilige Krieger, die Gegnern im Nahkampf mit der Sense stark zusetzen können. Einmal in dem Sensenwirbel geraten, bleibt von einem Feind in Windeseile nicht viel mehr zurück, als eine große Portion Geschnetzeltes. Außerdem verstehen sich Derwische durch ihren guten Draht zu den Göttern sehr gut aufs Heilen und Selbstschutz, können aber auch Wind- und Erdelemente für sich einsetzen. Ein Derwisch ist also ein Allround-Charakter, der sich überall in „Guild Wars“ durchzusetzen vermag. Vorbild für die Derwische liefert übrigens der Orient selbst: Im islamisch angesiedelten Sufismus sind sie bekannt für eiserne Askese und ihre ekstatisch wirbelnden Tänze, mit denen sie Kontakt zu göttlichen Sphären aufnehmen können.

Unterstützt werden die Helden natürlich auch in „Nightfall“ durch eine sekundäre Charakterklasse, die sich in Kombination mit dem Primärattribut zu einem schlagkräftigen Kämpfer ausbauen lassen. Gerade im Player-versus-Player-Modus sind kluge Zusammenstellungen ein ungemein taktischer Vorteil. Dort kommt es nach wie vor auf ein cleveres Zusammenspiel der eigenen Fähigkeiten, wie auch auf die Mitstreiter an. Je besser die Truppe organisiert ist, desto besser ist die Chance, freie PvP-Gebiete zu halten oder sich einen Platz in der Halle der Helden zu sichern.


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