05.11.2006 – Redakteur: Martin
Fans der ersten Stunde wird sofort ein neues Feature ins Auge springen, mit dem nach Herzenslust herumexperimentiert werden darf. Im Verlauf der Geschichte sammelt sich nämlich eine Gruppe von Helden um den Spieler, die genauso auf- und abgerüstet werden kann, wie der Spieler selbst. So kann man seine eigenen Fähigkeiten zusammenstellen, wie auch die des Begleiters „builden“. Da hat sich NCSoft etwas wirklich Großartiges einfallen lassen, denn diese individuell ausgerüsteten Kameraden agieren deutlich gewitzter und klüger als die Nicht-Spieler-Charaktere, die in den Außenposten herumlungern und auf eine Verpflichtung durch den Abenteurer warten. Spieler, die sich schon einmal mit der Dummheit einer Alyssa oder eines Claude aus „Prophecies“ konfrontiert sahen, werden wissen, was gemeint ist. Die Partner verhalten sich mittlerweile taktischer und setzen ihre Fähigkeiten effizienter gegen Monster und Feinde ein, was dem Helden den Rücken spürbar freier hält. Dabei sind die Kontrahenten nicht so schwer zu bezwingen, wie das noch in „Factions“ der Fall ist. NCSoft versucht hier offenbar, die enge Frustrationsgrenze von der vorherigen Episode zu kompensieren und stellt einen moderaten Schwierigkeitsgrad her. Nach wie vor ist es allerdings an dem Geschick des Spielers, wie er seine Fähigkeiten zusammenstellt. Manche Missionen verlangen eine Fokussierung auf Schnelligkeit des Spielers, während andere Situationen mehr Offensiv- oder Defensivanlagen erfordern.
Abstriche muss man allerdings schon machen, denn nach wie vor kann man maximal acht Fähigkeiten auswählen, mit denen man sich an eine Mission oder Quest heranwagen möchte. Auch der maximale Level ist bei 20 geblieben, danach kann man seine Fertigkeitspunkte allenfalls in neue Talente investieren. Für Warcraft-Jünger ist das freilich arg wenig, allerdings unterstreicht diese niedrige Grenze einmal mehr den taktischen Grundgedanken von „Guild Wars“. Als Trostpflaster kann man zumindest die Fertigkeitspunkte jederzeit abändern, um beispielsweise einen Krieger von Axt auf Schwert umzugewöhnen oder zu spezialisieren.
Hamsternaturen werden sich gewaltig über einige Änderungen ärgern, die sich allerdings grundsätzlich mit dem letzten Patch über alle Episoden von „Guild Wars“ erstrecken. Das so genannte „Farming“ wurde durch eine verbesserte Gegner-KI deutlich erschwert. Stark verwundete Feinde ziehen sich nun häufiger mal zurück und warten eine Regeneration ab, bevor sie zum erneuten Angriff übergehen. Auch die Verdienstmöglichkeit, schwächere Mitspieler zu begleiten, damit sie gefährlichere Orte erreichen, das „Rushing“, wurde bei „Nightfall“ eingeschränkt. Bevor man manche Gebiete erreichen kann, muss man eine bestimmte Anzahl an Beförderungspunkten verdient haben. Diese erhält man beim Abschluss von Missionen und Quests und befördern den Kämpfer in höhere Ränge, die einen berechtigen, neue Mitglieder für den Sonnenspeer-Orden zu rekrutieren. Der Verkauf von Upgrades ist nun deutlich erschwert worden. Bislang war es so, dass einige Waffen- oder Rüstungsupgrades je nach Angebot und Nachfrage einen bestimmten Preis auf dem freien Markt erzielt haben. Hatte ein Gegenstand zwei Upgrades, so entschied der Zufall, ob man das eine oder das andere erhielt. Jetzt kann der Spieler wählen, welche Aufrüstkomponente er aus dem Item extrahiert haben will. Das wird natürlich den Preis für begehrte Objekte in den Keller treiben, sehr zum Leidwesen vieler selbsternannter Hobby-Händler. Schließlich hat so mancher Spieler ein stattliches, wenn auch virtuelles Vermögen auf diese Art und Weise anhäufen können. Ästheten werden dagegen die Vorschaufunktion beim Färben schätzen lernen, mit der man Farbergebnisse betrachten kann, bevor man seine Gegenstände optisch ändert Da wurde endlich dem Wunsch nach mehr Komfort entsprochen.
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