Wer zugibt, daß er feige ist, hat Mut.

PC-Review: Alarm für Cobra 11: Nitro

11.11.2006 – Redakteur: Sven


Seite: 1 | Fazit

Bahn (nicht) frei

Alarm für Cobra 11: NitroHalb zehn morgens auf der Autobahn: Wenn ihr im Stau steht und hinter euch ein Fahrzeug nach dem anderen explodiert, ist vielleicht das Cobra 11-Team unterwegs! Über zwanzig Missionen lang könnt ihr nun selbst Verbrecher verfolgen und haarsträubende Unfälle verursachen. Im Gegensatz zu den drei ´Alarm für Cobra 11´-Spielen zuvor stammt dieser vierte Versuch von einem technisch begabten Programmiererteam. ´Synetic´ sorgte jüngst mit ´World Racing 2´ für ein grafisch sauberes, aber spielerisch viel zu schweres Rennspiel und erreicht nun mit diesem für Mainstream-RTL-Zuschauer gedachten Nischenprodukt erstaunlicherweise eine höhere Motivationskurve.

Leider hat sich gegenüber unserer letzten Preview-Version wenig geändert, weshalb all die angesprochenen Mängel ihren Weg in die Verkaufsversion fanden. Allen voran ist es mehr als enttäuschend, dass die Präsentation nicht einen einzigen Filmclip der Serie bietet. Nicht mal ein Standbild der Protagonisten ist zu sehen, stattdessen werden die Missionen in schnöder Textform erklärt. Auf der anderen Seite stimmt die Rennatmosphäre insofern, als dass es einen Heidenspaß macht, mit über 200 Sachen unschuldige Zivilautos gleich im ganzen Dutzend zu überholen. Die nahezu perfekte Steuerung lässt euch keine Minute im Stich, weshalb das Spielgefühl trotz der hohen Geschwindigkeit stets überschaubar bleibt. Allein deshalb ist dieses ´Alarm für Cobra 11´ jedem konzeptionell ähnlich gestrickten ´Autobahnraser´ vorzuziehen.

Was wäre hätte wenn...

Alarm für Cobra 11: NitroAllerdings stellt sich die Frage, was für eine Motivationsbombe uns ins Haus geflattert wäre, wenn Synetic nicht in beinahe allen anderen Punkten geschlampt hätte. Der Abwechslungsreichtum der Strecken hält sich in Grenzen, rein optisch gesehen gibt es nur leichte Unterschiede zwischen Autobahn, Landstraße und Innenstadt. Letztere wird obendrein von mickrig anzusehenden Pappkameraden bevölkert, was jedoch aufgrund der ´World Racing 2 –Engine, welche nun mal nicht für ´Grand Theft Auto´-ähnliche Szenarien konzipiert wurde, nachvollziehbar ist. Auch beim Missionsdesign zeigt das Spiel nur ansatzweise, was mit dem schlichten Konzept alles möglich gewesen wäre. Zwar müsst ihr ab und an mal ein Auto stoppen, in dem ihr es mehrere Sekunden lang einbremst. Doch neben der alternativen (und ziemlich einfallslosen) Checkpoint Abraserei und simplen Verfolgungsrennen bleibt kaum spielerische Substanz übrig.

Schwaches Balancing, wenig Modi

Alarm für Cobra 11: NitroDer Schwierigkeitsgrad ist immer noch schwankend und stellt euch mitten in der Kampagne urplötzlich vor äußerst schwere Brocken, welche schon ein bis zwei heftigere Unfälle hart bestrafen. Gleichzeitig sei aber auch gesagt, dass nie die horrenden Anforderungen eines typischen ´World Racing 2´-Levels gestellt werden: ´Alarm für Cobra 11´ ist stellenweise knackig, aber nie nervig oder gar unfair. Da haben mich ein paar unlogische Designpatzer schon eher gestört, allen voran eine Mission, in der ihr euren Kollegen zum Halten zwingen müsst. Laut Auftragsbeschreibung sei sein Wagen kaputt und er könne nicht mehr bremsen, weshalb er um Hilfe funke. Doch irgendwie verhält er sich wie ein typischer Verbrecher, der nicht eingeholt werden möchte, d.h. er drängt euch fröhlich ab, wenn ihr an ihm vorbeizischen wollt. Dass die KI letztendlich keinen Unterschied zwischen beiden Fällen macht, merkt ihr spätestens dann, wenn ihr vor ihm fahrt und langsam an Geschwindigkeit abnehmt: Plötzlich kann der Kollege doch bremsen und gibt erst dann wieder Gas, wenn er eine Lücke an euch vorbei erspäht...

Beim Multiplayer haben die Designer wiederum enorm viel Potenzial verschenkt: Anstatt eine spannende Hatz zwischen Jäger und Gejagtem anzubieten, gibt es gerade mal schnöde ´Mann gegen Mann´-Rennen und dies auch nur im Splittscreen-Modus, der immerhin sauber programmiert ist. Abseits davon bleiben euch noch die lieblos präsentierten Einzelrennen, für deren vollen Funktionsumfang ihr die Kampagne durchspielen müsst. Der Umfang könnte übrigens auch etwas größer sein, versierte Profi-Fahrer haben ´Alarm für Cobra 11´ nach zwei Abenden durchgezockt.

Technisch einwandfrei

Alarm für Cobra 11: NitroGrafisch profitiert die Hatz von der tadellosen ´World Racing 2´-Engine, verliert jedoch Punkte aufgrund der Abwechslungsarmut. Trotzdem wäre ohne das hervorragende Geschwindigkeitsgefühl der Spielspaß beim Teufel. Auch musikalisch gesehen ist dieses Spiel gar nicht mal schlecht, genau genommen ist die eine Hälfte der sehr rockigen Tracks durchschnittlich und die andere sehr gut. Dank des Musik-Managers könnt ihr selber die Perlen herauskitzeln, wobei ich zu den leicht Techno-angehauchten und zum Teil sogar an James Bond-Filme erinnernden Themen raten würde (z.B. ´Men in Arms´ oder ´In your Faces´).


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