09.06.2007 – Redakteur: Andy
Seite: 1 | Fazit
Ich sollte öfters mal über Spiele allgemein mosern: Kaum beschwere ich mich allerorts, dass mich dieses Jahr außer Bubble Bobble Double Shot nichts so recht vom Hocker riss, tauchen aus allen Ecken kleine Hits und Highlights aus ihren Löchern auf. Vor zwei Wochen kam ich von Tomb Raider Anniversary nicht los, bis gestern rätselte ich verzweifelt am äußerst brillanten Crush und dann kaufe ich mir hier am Feiertag Pac-Man Championship für Xbox Live Arcade. Dabei mag ich diese kleinen Mini-Arcade Dinger gar nicht so sehr, selbst Geometry Wars hat mich nie so recht gepackt und auch das Ur-Pac-Man konnte mich kaum fesseln. Wieso besorg ich mir dann so was überhaupt? Weil man ja alles mal ausprobieren muss und selten feststellt, dass es sogar was richtig geniales sein könnte...
Da ist also dieses Labyrinth mit diesen kleinen Punkten, den großen Pillen, den bunten Früchten, den vier Geistern und dem Pac-Man selber. Rein die Screenshots betrachtet hat sich seit 1979 nur wenig getan: Die Grafik scheint etwas bunter, der Spieler muss immer noch diese Punkte fressen, darf sich nicht von den Geistern erwischen lassen und kann diese wiederum selber futtern, wenn er zuvor eine große Pille geschluckt hat. Die Früchte? Ach ja, die sind reine Punkte-Boni... früher, jedenfalls.
Denn heute ist alles anders: Die Spielfläche ist nicht nur passend auf 16:9 Format gestreckt, sondern auch sinntechnisch in drei Teile eingeteilt. In der Mitte gibt es eigentlich ´nur´ ein Stück Labyrinth und das Haus der Geister, aus dem die Viecher herauskriechen sowie dorthin zurück flüchten, wenn ihr sie dank Pille gefressen habt. Punkte, Früchte und besagte Pillen gibt es dagegen nur auf der linken und/oder der rechten Seite des Labyrinths und im Gegensatz zum Original, wo ihr alle Punkte auffuttern musstet, um den nächsten Level zu erreichen, mutiert Pac-Man Championship zu einer Art Dauerspiel á la Tetris, welches allerdings in jedem Falle auf fünf oder zehn Spielminuten beschränkt ist. Habt ihr nämlich auf einer Seite alle Punkte gesammelt, dann taucht auf der anderen Seite eine Frucht auf. Wenn ihr wiederum diese in euren gelben Magen schiebt, wird die Seite von vorhin erneut mit Punkten bestückt, was zusammen mit einem leicht arrangierten Labyrinth neu angeordnet einen anderen Laufweg erfordert.
Gleichzeitig erhöht sich die Spielgeschwindigkeit von Durchgang zu Durchgang, weshalb die Flucht vor den Geistern dank neonbunter Farbenspielereien und technoangehauchter Pac-Man Musik zum halben Drogenrausch verkommt. Was Namco hier an Geschwindigkeit und Spielfeeling aus einem 28 Jahre alten Konzept herausholt, verdient jedenfalls eine Neuinterpretation des Wortes ´Speedrun´. Nicht nur das: Das Feeling ändert sich im Laufe einer Partie rapide vom schnöden ´gezielte Punkte/Pillen fressen´ hin zum aberwitzigen ´fange innerhalb von wenigen Sekunden so häufig wie nur möglich die sich ständig wiederbelebenden Geister und überstehe dank der gewonnenen Bonusleben die nächste Pillen-Dürreperiode´. Das letzte Pro-Argument bezieht sich auf die unfreiwillige Komik zwangsläufig auftretender Spielsituationen, wenn ihr nämlich über mehrere Ecken hinweg nur haarscharf den Geister entkommt oder diese kurz vor dem Zusammenprall ihrerseits ihre Richtung ändern. Das Gefühl danach ist vergleichbar mit einem Rennspiel, wo ihr mit 300 Sachen vier Kurven mitsamt dickem Gegenverkehr unbeschadet überstanden habt.
Das einzige Problem von Pac-Man Championship Edition ist leider ein recht gewichtiges: Es gibt ´nur´ sechs Spielmodi und die ähneln sich in meinen Augen zu sehr. Neben der Standardpartie mit einem Zeitlimit von fünf Minuten gibt es noch zwei Challenge Modi, in denen ihr doppelt so lange durchhalten müsst. Im ersten der beiden ist die Pillenverteilung obendrein mehr auf Profis abgestimmt: Zunächst bekommt ihr knapp ein halbes Dutzend spendiert, mit denen ihr massig Geister fressen solltet, um wiederum möglichst viele Extraleben zu ´erpunkten´. Dann allerdings folgt eine Durststrecke, in der ihr über mehrere Runden ohne Pillen auskommen müsst. Der andere Challenge Modus ist sogar noch gemeiner, denn dort bleibt das komplette Labyrinth schwarz und nur die Stellen um Pac-Man sowie den Geistern herum sind schwach ausgeleuchtet. Zwar erkennt ihr einen Großteil der Wege anhand der Lage der verteilten Punkte, allerdings eben nur so lange bis ihr diese auffuttert.
Dazu gesellen sich noch drei sogenannte Extra-Modi, wobei der erste mein persönlicher Liebling ist. In diesem ist das Labyrinth eher Rennstreckenartig aufgebaut und die Spielgeschwindigkeit von Beginn an auf hohem Niveau. Der zweite Extra-Modus baut Runde um Runde verschiedene Teile aus real existierenden New Yorker Stadtteilen nach und der finale Extra-Modus wiederum verspricht einen Mix aus allen anderen.
Darüber hinaus sieht es jedenfalls etwas mager mit dem Umfang aus: Es gibt keine echte Highscore-Tabelle, d.h. es wird nur die jeweils beste Punktzahl für jeden Modus gespeichert und Online mit anderen Pac-Man Championship Spielern verglichen. Auch ein knuffiger Zwei-Spieler Modus hätte sich durchaus bei diesem rasanten Konzept angeboten und in die Kategorie ´leichte Abzocke´ fällt die Tatsache, dass das alte Pac-Man nicht als Bonus beigepackt wird, sondern nach wie vor extra über Xbox Live Arcade gekauft werden muss. Ebenfalls etwas schade finde ich das Fehlen anderer Pac-Man Figuren, wie beispielsweise Ms. Pac-Man oder Jr. Pac-Man: Auch da hätte man durchaus ein, zwei neckische Elemente einbauen können, um die verschiedenen Pac-Mans spielerisch voneinander zu unterscheiden und somit mehr Varianz aus den einzelnen Modi herauszuschlagen.
Die Präsentation wiederum gefällt mir richtig gut, weil sie zwar keine technische Meisterleistung darstellt, aber perfekt das alte Arcade-Feeling mit der Neuzeit verknüpft. Das Labyrinth sieht ungefähr so aus wie früher, nur eben höher aufgelöst und in grellen Farben gehalten. Die Musik erinnert ebenfalls an das alte Pac-Man und wurde wunderschön auf Techno/Trance-Ebene arrangiert, welche die Pace gegen Ende hin hervorragend mit geht. Dazu kommen brillant eingesetzte, klassische Sound-Effekte, welche der Atmosphäre einen enormen Schub verleihen. Über die Steuerung gibt es nicht allzu viel zu berichten, außer dass das Xbox 360 Joypad leider nicht 100%-ig perfekt für ein 2D-Spiel wie Pac-Man geeignet ist. Ihr müsst euch schon ein wenig an die leichte Schwammigkeit des Digi- oder Analogpads gewöhnen, dafür hat sich Namco immerhin noch ein neckisches Feature einfallen lassen. Drückt ihr die Richtungstaste schon vor dem eigentlichen Abbiegen, so sprüht unser gelber Freund kleine Funken und flitzt eine Millisekunde früher um die Ecke. Abgerundet wird die letztendlich gute Bedienung dank einer extrem fairen Kollisionsabfrage und der Tatsache, dass Pac-Man eine Winzigkeit schneller ist als die Geister.
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