26.07.2007 – Redakteur: Jan
Seite: 1 | Fazit
Es gibt die guten und bösen Transformers, nämlich die Autobots und Decepticons. Was, diese Begriffe sagen euch absolut nichts? Nun, mir ging es genauso, bis ich das offizielle Videospiel zum Kinoblockbuster von Michael Bay spielte. Großartig erklärt werden die Feinheiten der Spielzeugroboter im Spiel zwar nicht, eine gute Einstimmung auf den kommenden Transformers-Film sollte man aber bekommen.
Wie geschrieben handelt es sich bei Transformers eigentlich um Spielzeugroboter, die man in Spielzeugläden für Kinder im Alter von 6-10 kaufen kann. Die Besonderheit der Roboter ist die Fähigkeit, dass man sie mit wenigen Handgriffen in eine andere Gestalt transformieren kann. So wird aus den Mechrobotern etwa ein Auto, ein Flugzeug oder eine mobile Kampfstation. Aus diesen Veränderungen zieht das Spielzeug seinen Reiz für Kinder. Eine clevere Marketingstrategie mit Zeichentrickfilmen im Kinderprogramm hat ihr übriges getan, dass die Transformers weltweit ein Hit wurden. Mit dem eher ernsten und halbwegs auf Realismus getrimmten Spielfilm, der Anfang August in unseren Kinos startet, dürften die Transformers auch für Menschen interessant werden, die das zehnte Lebensjahr bereits überschritten haben. Denn ein Kinderfilm ist Michael Bays Actionfeuerwerk wahrlich nicht, soweit es die Trailer andeuten. Und da das offizielle Videospiel zu großen Teilen auf dem Film basiert, hat auch die Versoftung eine Altersfreigabe ab 12 Jahren, wodurch ein Großteil der potenziellen Interessenten eigentlich ausgeschlossen werden.
Im Film wird der Bürgerkrieg zwischen den beiden verfeindeten Transformers-Rassen auf die Erde verlegt. Während die netten Autobots versuchen, die Menschheit zu beschützen, haben sich die bösen Decepticons das Ziel gesetzt, alles Leben auf dem blauen Planeten zu vernichten. Erfreulicherweise dürft ihr im Spiel beide Seiten spielen, denn gleich zum Spielstart habt ihr die Wahl zwischen zwei Kampagnen. Vor allem die Autobots-Kampagne orientiert sich recht nah am Film und wird durch viele Zwischensequenzen aufgelockert. So richtig schlau wird man aber auch bei dieser Filmversoftung aus der Geschichte nicht. Wie zuletzt schon bei Harry Potter bleibt vieles unklar, wenn man die Filmvorlage nicht kennt. Etwas eigenständiger spielt sich der Decepticons-Einsatz, der dafür aber mit weniger Cutscenes auskommen muss.
Von der Verwandlungsmöglichkeit der Transformers macht das Spiel natürlich regen Gebrauch. Auf Knopfdruck transformieren sich die Mechungetüme in schnelle Sportwagen oder gar Helikopter. Dementsprechend zweigeteilt ist auch das Gameplay. Einerseits liefert ihr euch mit anderen Transformers erbitterte Schlachten Roboter gegen Roboter. Dafür benutzt ihr entweder die fest montierten MGs und Raketenwerfer oder schlagt im Nahkampf mit der Stahlfaust zu. Leider haben viele der feindlichen Roboter ein Schutzschild, das sich eigenartigerweise nur dann kurz ausschalten lässt, wenn man ein Auto oder einen Bauzaun von der Straße aufhebt und auf den Feind schleudert. Letztlich basieren auf dieser Taktik 90% aller Kämpfe. Erschwert wird das Aufheben und Werfen von Gegenständen aufgrund der schrecklich ungenauen Steuerung. Es hat schon fast Slapstick-Niveau, wenn der riesige Mech ständig mit seinen Beinen gegen das aufzunehmende Auto stößt und dieses wieder einige Meter vorwärts geschoben wird. In den hektischen Kämpfen ist das natürlich weniger lustig, sondern einfach nur nervig.
Auch das zweite Gameplaystandbein mag nicht recht überzeugen. Zwischen den Schlachten fahrt ihr regelmäßig in der Autoform durch die Schauplätze. Die Locations können zwar durchaus frei erkundet werden, bieten aber bis auf einige zu findende Items und Nebenaufgaben nichts Interessantes. Letztlich fährt man nur auf dem schnellsten Wege zum nächsten Missionsziel. Oft muss man sich zudem mit knackigen Zeitlimits herumschlagen, erreicht man das Zielgebiet nicht in der entsprechenden Zeit, darf man den kompletten Einsatz neu beginnen. In der Regel scheitert man aber nicht an seinem eigenen Können, sondern vielmehr an der schwammigen Fahrsteuerung der Autos. Ständig kracht man in Häuserwände oder bleibt unverschuldet an kleinen Straßenschildern hängen. Es ist jedenfalls ein Graus, eine derart schlechte Fahrphysik hat man lange nicht mehr erleben müssen. Über die mangelnde Kollisionsabfrage ärgert man sich auch in der Mechform, selbst dann bleiben die riesigen Roboter an kleinen Bäumen oder Vorsprüngen hängen oder verlieren zumindest so viel Tempo, dass man das Zeitlimit kaum noch schaffen kann.
Abwechslungsreich sind die Missionen auch nicht gerade. Mal muss man hier eine Tankstelle zerstören, dann vor der Polizei davonfahren oder auf dem Schrottplatz einen feindlichen Transformer angreifen. Schon nach zwei bis drei Einsätzen stellt sich Routine ein. Etwas interessanter sind die Missionen auf Seiten der Decepticons. Hier darf man wirklich alles zerstören, wodurch man zumindest kurzzeitig etwas unterhalten wird. Auch das Fliegen mit einem Helikopter ist mangels Häuserecken etwas nervenschonender als das Fahren mit den Autos. Allerdings sind die Zerstörungsorgien noch nicht einmal technisch besonders spektakulär in Szene gesetzt. Besonders auf den NextGen-Konsolen muss man sich mit viel zu dunklen und undetaillierten Umgebungen herumschlagen, lediglich die Transformers selbst sehen ansprechend aus. Etwas besser ist immerhin der Sound mit ordentlichen Synchronstimmen und lauten Effekten. Auf einen Mehrspielermodus haben die Entwickler komplett verzichtet, so dass eine Langzeitmotivation praktisch nicht gegeben ist. Selbst die gut 8 Stunden, die man zusammen für beide Kampagnen benötigt, werden wohl nur beinharte Fans der Roboter durchhalten.
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