15.08.2007 – Redakteur: Matthias
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Na so was! Eigentlich dachte ich, dass sich US-Marine „Private Paula“ in dem Vietnamkriegsfilm Full Metal Jacket selbst erschossen hätte, doch stattdessen ist er nun unter dem Namen Robert Goren als erfolgreicher Mordermittler tätig. Halt! Stopp! Es handelt sich natürlich nur um den Schauspieler Vincent D´Onofrio, der diesen grandiosen Karrieresprung vom Kino-Darsteller zum TV-Ermittler geschafft hat. Wer sich daran ein Beispiel nehmen möchte und auch schon immer die schlimmsten Gewaltverbrecher New Yorks einbuchten wollte, hat nun dank dem Adventure Criminal Intent die Gelegenheit dazu.
Krimi-Fans dürfte der Titel des Games ein Begriff sein, schließlich läuft die gleichnamige Serie hierzulande bei dem Fernsehsender Vox. D´Onofrio alias Goren ist darin für das „Major Case Squad“ tätig, welches sich ausschließlich um die brutalsten Morde in Big Apple kümmert. Goren ist dafür besonders geeignet, da er am Tatort stets den richtigen Blick für jedes noch so unscheinbare Detail beweist und gegenüber Zeugen und Verdächtigen instinktiv den passenden Ton anschlägt, um ihnen die erwünschten Informationen zu entlocken. Daher hat er auch das vollste Vertrauen von Captain Deakins, der seinem Detective in dem Adventure gleich drei Mordfälle auf einmal auf den Schreibtisch legt. Mit welchem Goren beginnt, bleibt ihm – und somit dem Spieler – selbst überlassen. Hat er seine Fähigkeiten in diesen drei Fällen bewiesen und den jeweiligen Täter gestellt, kommt noch eine vierte Aufgabe hinzu.
Die Ermittlungen beginnen natürlich stets am Tatort. In klassischer Point&Click-Manier untersucht man die Umgebung und wird durch die (leider etwas unauffällig geratene) Veränderung des Mausanzeigers auf wichtige Details aufmerksam. Diese kann man näher begutachten oder auch gleich einsammeln bzw. zur Analyse ins Kriminallabor schicken. Gibt es Augenzeugen, sollte man sich diese natürlich zur Brust nehmen und ausquetschen, wozu sich die Macher des Games von Gorens sprachlichem Geschick inspirieren ließen. Ganz wie beim TV-Vorbild könnt Ihr die Stimmungen und Gefühle Eures Gegenübers manipulieren. Dazu öffnet sich ein Menu mit allen wichtigen Fragen, die Ihr in verschiedenen Gemütslagen von Euch gebt. Manch ein Zeuge oder auch Verdächtiger wird durch die Streitlust in der Stimme des Ermittlers eingeschüchtert, während andere sich durch Mitleid, Schmeicheleien, trügerische Vermutungen oder direktes Befragen an vergessene Details erinnern. Allerdings wird diese gute Idee dadurch abgeschwächt, dass Ihr letztendlich einfach alle Möglichkeiten durchklicken müsst und irgendwann schon den richtigen Tonfall trefft. Eine Strafe für die falsche Wahl ist zwar vorgesehen – doch im schlimmsten Fall muss man das Gespräch einfach beenden und später nochmals von vorne beginnen.
Auch wenn sich der gute Goren hauptsächlich auf seine Intuition und seine psychologische Ausbildung verlässt, ist er zum Glück den Errungenschaften der modernen Technik gegenüber durchaus aufgeschlossen. Stets trägt er sein PDA bei sich, welches ihm in fast allen Situationen weiterhilft. Klickt man beispielsweise auf den Stadtplan von New York, werden alle Orte angezeigt, die für den derzeitigen Fall von Relevanz sind bzw. durch neu gewonnene Erkenntnisse hinzugekommen sind. Per Klick auf einen der Orte wechselt man mit dem aus der Serie markanten Geräusch (Dum-Dum) und der Einblendung von Ort und Datum dorthin. Dazu speichert das PDA alle Beweise, Dokumente und Personen inklusive aller Hintergrund-Informationen und es funktioniert als Mailbox für Nachrichten. Und da auch der beste Cop der Welt eine Auszeit braucht, kann mit dem PDA sogar an jeder beliebigen Stelle im Game gespeichert werden.
Spätestens wenn man irgendwann alle relevanten Orte untersucht und jede in den Fall verwickelte Person befragt hatte, sollte man sich mal im Revier, im Labor oder bei der Pathologie blicken lassen. Denn was nützen die Spuren auf der Leiche, das Erbrochene in der Ecke oder Fingerabdrücke auf einem Foto, wenn sie keiner analysiert und auswertet? Dazu haben wir die Möglichkeit, die Überwachungseinheit mit der Observierung eines „Subjekts“ unserer Wahl zu beauftragen und auf unserem Schreibtisch im Revier steht unser Laptop herum, auf dem uns ein Programm beim Erstellen eines Täterprofils hilft.
Leider sind die Beweise nicht immer ganz eindeutig, weswegen uns Criminal Intent ab und an vor kleine Rätsel stellt: Buchstaben müssen zu einem Passwort zusammengestellt, zerrissene Papierfetzen angeordnet oder etwa auch die Einzelteile eines blutverkrusteten Baseball-Schläger zusammengefügt werden – erst dann bekommen wir weitere Hinweise. Und oftmals ist es nötig, mehrmals an demselben Ort vorbeizuschauen, denn neue Erkenntnisse eröffnen beispielsweise neue Fragen an unsere „Kundschaft“. Erhärten sich die Beweise gegen eine Person, können wir außerdem beim Captain vorbeischauen und von ihm einen Durchsuchungsbeschluss anfordern, um die vermeintliche Mörderhöhle auf den Kopf zu stellen.
Leider bietet Criminal Intent nicht so viele Freiheiten, wie der Text bisher vielleicht vermittelt. Die Ermittlungsarbeiten verlaufen sehr linear, was zugegebenermaßen auch kaum anders möglich ist, da die Hinweise aufeinander aufbauen. Trotzdem kommt man ab und an in die Situation, dass man nicht so genau weiß, was man tun soll und etwas planlos nochmals alle Orte absucht. Dies liegt daran, dass nicht jeder Schritt unbedingt logisch ist und dazu manche Beweise schon sehr klein ausfallen und leicht übersehen werden können. Der Sache ebenfalls nicht zuträglich ist da die Tatsache, dass das Adventure nur eine einzige Bildschirm-Auflösung bietet, die bei veralteten 800x600 Bildpunkten liegt. Dies hat zur Folge, dass die Charaktermodelle nicht sehr detailliert ausfallen und dadurch eher einem Phantombild der echten Darsteller gleichen. Die Animationen sind ebenfalls etwas hakelig, der Sound weiß dagegen zu überzeugen. Die bekannten Serien-Charaktere haben die deutsche Synchronstimme spendiert bekommen und auch alle anderen Figuren wurden gut lokalisiert. Nervig wird es nur, wenn einen die Mitarbeiter immer mit demselben Gruß anreden und stets die gleichen Texte auf die Mailbox sprechen. Die Hintergrundmusik entspricht ebenfalls dem TV-Original und verbreitet die passende düstere Grundstimmung.
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