13.10.2007 – Redakteur: Sven
Seite: 1 | Fazit
Ich mag nicht nur anspruchsvolle Zombie-Streifen und clevere Politik-Thriller, sondern auch knuddelige, farbenfrohe Animationsfilme. Mit Toy Story, Monster House oder Jagdfieber hatte ich einige vergnügliche Stunden und ich bin mir recht sicher, dass mich auch Ratatouille von Disney / Pixar bestens unterhalten wird. Aber meine Vorfreude auf den Film hält sich mittlerweile in Grenzen, denn ich habe das gleichnamige und offizielle Action-Adventure spielen müssen...
Dank der gewaltigen Marketing-Maschinerie von Disney dürfte wohl jeder die Story von Ratatouille kennen: Die putzige Ratte Remy wühlt nicht so gerne im Dreck, sondern interessiert sich für die feine französische Küche. Sein größter Wunsch ist es, ein angesehener Meisterkoch zu werden – genauso wie sein großes Vorbild Auguste Gusteau, dessen Kochbuch Remy ausgiebig studiert hat. Doch dummerweise ist der Held der Geschichte ein kleiner Nager – keine gute Vorraussetzung für einen Job in einer sauberen Restaurantküche. Aber wie der Zufall es so will, landen er und seine Familie in der Stadt der Liebe. Paris oder besser gesagt die Kanalisation wird das neue Zuhause seiner Verwandten, Remy dagegen stattet der Gaststätte von Gusteau einen Besuch ab. Dort trifft er auf den Küchenjungen Linguini, der alles andere als kochen kann. Nun, den Rest könnt ihr euch sicher denken: Remy und Linguini arbeiten zusammen, allerdings gilt es auch, einige Abenteuer und Gefahren zu überstehen.
Soweit die an sich sympathische Geschichte. Auch das Action-Hüpf-Abenteuer von THQ und Entwickler Heavy Iron Studios orientiert sich grob an der Film-Story, allerdings werden hier Handlungsstränge wild zusammen gestückelt, manches erschließt sich nur schwer und wenn man den Film nicht gesehen hat, sind einige Zwischensequenzen einfach nur unverständlich. Aber vermutlich richtet sich das Spiel ohnehin nur an die Ratatouille-Fans. Die wird es aber vermutlich stören, dass die deutschen Sprecher zwar relativ solide Arbeit leisten, aber zum Teil nicht den Originalen aus dem Film entsprechen. Wenigstens geben sie sich aber Mühe, das Geschehen etwas aufzulockern.
Der Anfang von Ratatouille ist noch ganz nett: Ihr startet auf einem Bauernhof, dem ursprünglichen Wohnort von Remy und seinen Freunden. Während ihr die Fähigkeiten des kleinen Helden kennen lernt, erhaltet ihr praktische Tipps von einem Familienmitglied. Nach und nach erfahrt ihr, wie man läuft, springt, auf Seilen balanciert, einen Doppel-Hüpfer absolviert, an Wänden klettert oder kurzzeitig sprintet. Allerdings ist Remy „nur“ eine Ratte und daher geht ihm schnell die Puste aus – eine kleine Leiste symbolisiert, wie lange er schneller laufen kann. Seltsam mag es hier erscheinen, dass die Renn-Leiste sofort ihr Minimum erreicht, wenn ihr aus Versehen die Sprint-Taste loslässt. Logisch fanden dies wohl nur die Entwickler. Trotzdem ist das erste Szenario des Spiels durchaus angenehm und unterhaltsam, auch die darauffolgende Flucht in die Stadt Paris passt gut zu einem familienfreundlichen Jump&Run. Doch danach folgt die Ernüchterung.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Zuerst fällt die unglaublich triste Optik ins Auge. Wer glaubt, Ratatouille würde farbenfrohe Landschaften und putzige Details bieten, irrt sich gewaltig. Düstere Landstriche, Gegner aus der Klonfabrik, spärlich animierte Figuren, unglaublich hässliche Boden- und Wand- Texturen, sich ständig wiederholende Hindernisse – all das hat das Spiel zu bieten. Und glaubt bitte nicht, dass sich dies in späteren Abschnitten ändert. An allen Ecken und Enden erkennt man, dass die Entwickler überhaupt nicht bemüht waren, etwas mehr „Liebe“ in ihr Projekt zu stecken. Dabei sind einige Aspekte durchaus interessant: So kann Remy mit seiner Nase riechen, wohin er laufen soll. Dargestellt wird dies durch eine blaue Schnüffelspur, die sich über den Bildschirm zieht. Auch darf die knuffige Ratte auf einem Ball durch die Botanik rollen, sich mit einem Schwanzhieb verteidigen, an Wänden umher klettern, über Seile balancieren oder gezielt von A nach B springen. Dumm nur, dass das gesamte Level- bzw. Missionsdesign unterste Kanone ist. Ihr wandert durch recht große Szenarien und gelegentlich findet ihr einen Ort, an dem ihr eine Herausforderung beginnen könnt. Dann heißt es, rumzuspringen und selten dämliche Aufgaben zu bestehen. Das größte Problem ist allerdings, dass ihr Ewigkeiten immer die gleichen Gebiete durchlauft und dank der ungenauen Steuerung bzw. der nervigen Kamera irgendwo herunterfallt oder euch mehr oder weniger verirrt – es sieht ja sowieso alles gleich aus. Ein anfängliches Wettrennen mit Remys Vorbild Guestau ist mir noch gut im Gedächtnis, denn ich habe vermutlich zwei oder drei Stunden benötigt, bis ich dieses endlich hinter mich gebracht hatte. Schuld war hier vorrangig die Kontrolle der Spielfigur.
Apropos Steuerung: Diese ist auf der Playstation 3 etwas präziser als auf der Xbox 360, trotzdem will zum Beispiel das Balancieren nie richtig funktionieren. Ständig purzelt ihr von eine Leine, noch tragischer ist das bei den so genannten „Punktsprüngen“. Hier müsst ihr die Sprungtaste betätigen und im rechten Moment noch die Landetaste – das ist nervig und unnötig verkompliziert worden. Übrigens: Mit unzähligen Objekten könnt ihr interagieren. Mit Chili-Schoten zerstört ihr zum Beispiel Kisten, durch eingesammelte Amulette schaltet man einige Minispiele frei und dank eines Schirms ist ein Gleiten in den Abgrund möglich.
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