15.10.2007 – Redakteur: Andy
Seite: 1 | Fazit
Nach der enorm langen Entwicklungszeit und dem großen Interesse bezüglich ´Episode Two´ sowie ´Portal´ fiel der Multiplayer-Shooter ´Team Fortress 2´ beinahe in Vergessenheit. Nur der krasse Umschwung von einem realistischen Grafikambiente hin zur Comicgrafik sorgte zwischenzeitlich für Aufregung. Doch die niedriger liegende Erwartungshaltung kommt dem Spiel jetzt zugute, weil es für sich alleine betrachtet das Highlight der drei Neulinge in der ´The Orange Box´-Sammlung ist. Wie gesagt: Aus bierernsten Söldnern wurden Comicfigürchen, deren Charme definitiv für frischen Wind im Multiplayer-Genre sorgt. Zwar kommen die verspielten Mimiken bei der ganzen Hektik gar nicht so recht zur Geltung und die Umgebungsgrafik wirkt stellenweise sehr leer. Aber das ist mir persönlich immer noch lieber, als zum x-ten Male einen Shooter in einem ´Counterstrike´-ähnlichen Szenario zocken zu müssen.
Der eigentliche Star des Spieles ist sowieso nicht die Grafik, sondern die neun Charakterklassen. Diese sind so gut durchdacht und vor allem auch dermaßen unterschiedlich designt, dass sie für die nächste Zeit den Referenzthron für sich beanspruchen dürften. Ich fange mit den drei offensiven Klassen an: Der ´Scout´ ist schnell, kann als doppelt springen und muss dafür mit einem mickrigen Waffenaufgebot auskommen. Der ´Soldier´ ist deutlich langsamer, beeindruckt aber jeden Gegner dank seines Raketenwerfers. Und der ´Pyro´ sticht als Nahkämpfer besonders hervor, weil er mit seinem Flammenwerfer für besonders unangenehme Überraschungen sorgt. In der Defensivabteilung steht der ´Demoman´ als Meister des Granatwurfes. Der ´Heavy´ wiederum ist mit Abstand die langsamste Einheit, hat dafür aber auch entsprechend viel Lebensenergie und eine beinahe unerschöpfliche Minigun im Gepäck. Etwas technischer und taktischer wird es dank des ´Engineers´, der stationäre Geschütze, Nachladestationen und Teleporter installieren kann, wenn er vorher genügend Schrott eingesammelt hat.
Abschließend fehlen noch die drei Support-Klassen: Die Funktion des ´Snipers´ dürfte selbsterklärend sein, hingegen der ´Spy´ die vielleicht interessanteste Einheit im ganzen Spiel ist. Ihr könnt euch für kurze Zeit unsichtbar machen oder euch in einen Gegner verwandeln, der sich in das feindliche Gebiet unbemerkt integriert sowie im rechten Moment den Feind per Messer erdolcht. Bleibt noch der ´Medic´, der unter anderem eine Schusswaffe zum Heilen (!) bei sich trägt. Von weitem sieht der Prozess ein wenig wie eine Szene aus Ghostbusters aus, nur dass der statt Geister zu fangen seine Mitgefährten verarztet. Gleichzeitig sammelt er so Energie und kann voll aufgeladen seine Kollegen für kurze Zeit unverwundbar machen.
Fast jede Waffe ist speziell für eine bestimmte Klasse geeignet und kann auch nur von dieser getragen werden. Nur die Schrotflinte muss für mehrere Charaktertypen als Zweitgerät herhalten. Der Comicstil ist bis zum optischen Design der Waffen gewitzt ausgearbeitet, so ballert der Medic mit einer Mischung aus Schnellfeuerwumme und kleinen Spritzen als Munition um sich. Die Spielziele hingegen sind deutlich konventioneller und hängen streng von der Art der Karte ab: Entweder ihr müsst die meisten Kontrollpunkte sicherstellen, jene des Gegners kapern bzw. die eigenen verteidigen, auf einem auf mehrere Runden basierenden Match Stück für Stück um einzelne Gebiete kämpfen oder den Koffer des gegnerischen Teams klauen.
Leider gibt es bislang nur magere sechs Karten, auch wenn Updates mit frischem Material geplant sind. Dafür funktioniert das Miteinanderspielen hier wie bei kaum einem anderen Multiplayer-Shooter: Die Rolle der einzelnen Einheiten sind sehr unterschiedlich und im Vorfeld klar definiert. Für jede Klasse, egal wie übermächtig sie auf den ersten Blick ausschaut, gibt es ein klares Gegenmittel in Form einer anderen Klasse. Wer in ein schon laufendes Spiel einsteigen möchte, der sieht sofort, an welchen Klassen es fehlt und welche es im Überfluss gibt. Kaum eine Klasse macht mehr oder weniger Spaß, als eine andere. Kurz: ´Team Fortress 2´ funktioniert.
Im Prinzip gibt es nur drei Meckerpunkte, die sich allesamt auf den Umfang auswirken. Die Anzahl der geringen Karten habe ich schon erwähnt, hinzu kommt der Mangel an Spielmodi, was aber Natur der Sache ist. Die Klassen sind wirklich dermaßen unterschiedlich und voneinander abhängig, dass beispielsweise ein einfaches Deathmatch keinen Sinn machen würde. Was mich aber wirklich aufregt, ist die relative Einsteigerunfreundlichkeit. Relativ deshalb, weil ´Team Fortress 2´ zugegebenermaßen selbsterklärend ist. Aber wieso gibt es keine Anleitung? Zu den einzelnen Karten könnt ihr euch ein Video anschauen, aber was ist mit den Klassen? Nirgends wird mir erklärt, wie beispielsweise die Heilwaffe des ´Medic´ funktioniert. Die Bauten, welche ich mit dem ´Engineer´ aufstellen kann, musste ich alle in einem laufenden Spiel ausprobieren. Es gibt auch keine Bots zum Probespielen für Einzelgänger, zugegebenermaßen stelle ich mir eine entsprechend gesund programmierte K.I. sehr schwierig vor.
Was vernachlässigbar ist, ist der Sound. Die paar Sprachfetzen haben mich auch in der englischen Version wenig interessiert, an Effekten oder gar Musik gibt es so gut wie gar nichts zu hören. Die Steuerung wiederum schafft es exzellent, die vielen Möglichkeiten unter einen Hut zu bringen. ´Team Fortress 2´ ist konzepttechnisch viel komplexer als die meiste Konkurrenz, aber spielt sich genauso leicht und simpel wie ein 08/15-Shooter.
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