29.10.2003 – Redakteur: Sven Wernicke
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Schon Monate vor dem Release bewarb Publisher Eidos den Titel Republic: The Revolution als Highlight im Strategiegenre. Gewiss haben sich unzählige Spieler auf Republic gefreut, denn zumindest inhaltlich verspricht das Spiel eine innovative Idee. Korruption, Beziehungen, Waffengewalt – Mit allen Mitteln an die Macht gelangen? Wollte das nicht jeder einmal? Doch zu einem faszinierenden Spiel gehört weit mehr als eine spannende Hintergrundgeschichte und Innovationen. Schafft es Republic wirklich, passionierte Strategen zu überzeugen?
Schon die Kindheit unseres fiktiven Helden beginnt grausam: Die eigenen Eltern werden von der Geheimpolizei verhaftet und verschwinden spurlos. Seitdem hasst er das totalitäre und brutale Regime der russischen Teilrepublik Novistrana. Einige Jahre vergehen und der damalige Chef der Geheimpolizei ist nun Präsident der Nation. Der Name Karasov wurde in die Erinnerungen des Protagonisten eingebrannt, denn neben Gewalt im Lande ist er schließlich schuld an der Entführung der Eltern. Doch auch Unterdrückung, Armut und Kriminalität, für die Präsident Karasov verantwortlich ist, sollen ein Ende haben. Es wird Zeit für eine Revolution! Zuvor aber muss unser Held Einfluss und Macht gewinnen, um die Diktatur zu beenden. Allerdings schlafen die Geheimpolizei und Karasovs Untertanen nicht...
Einsteigern wird zudem die Möglichkeit geboten, ein kleines Häkchen vor Beginn des Spiels zu aktivieren. Dies schaltet sozusagen das Tutorial ein, doch hinterlässt diese Funktion eher den Eindruck, als sei diese nachträglich noch nebenbei eingefügt worden. So werden von Zeit zu Zeit Texttafeln eingeblendet, die sowohl optisch unscharf wirken als auch keine große Hilfe für unerfahrene Spieler darstellen. Das hat zur Folge, dass der Spieler anfänglich vor Republic sitzt und nicht so recht weiß, was überhaupt gemacht werden kann bzw. soll. Der Einstieg wird deutlich erschwert und auch das umfangreiche Handbuch gibt nicht darüber Auskunft, welches Spielziel in Republic: The Revolution überhaupt verfolgt wird.
Da man ganz alleine nicht die Möglichkeit besitzt, effektiv Propaganda für die eigene politische Gesinnung zu betreiben, beginnt man am ersten Tag damit, neue Mitarbeiter anzuwerben. Anfänglich gilt es, zwei weitere Politiker zu überzeugen, gemeinsam aktiv zu werden, um das einfache Volk zu überzeugen. Ist dieses Ziel erreicht, stehen inkl. dem eigenen Charakter drei Personen zur Verfügung, die jeweils ihre eigenen Fähigkeiten besitzen. Sie bilden gemeinsam die Basis der Partei und können durch ihre Talente andere Menschen politisch überzeugen. Interessanter Aspekt in Republic: The Revolution ist die Tatsache, dass offenbar Elemente verwendet wurden, die z.B. auch in Rollenspielen zu finden sind. So besitzt jedes Mitglied die besagten Eigenschaften Macht, Kontrolle oder Charisma sowie eine Art Charakter-Level-Anzeige. Umso häufiger ein Politiker Aktionen durchführt, umso schneller steigt der Level und man erhält durch diese Erfahrungen im späteren Spiel eine Beförderung, bei der neue Eigenschaften-Punkte vergeben werden können. Dank diese Vergabe erlernt die Person weitere Fähigkeiten, die sofort genutzt werden können.
Um nun an Macht zu gewinnen, besitzt jedes der eigenen Parteimitglieder ausgewählte Fähigkeiten, die gezielt genutzt werden müssen. Hauptaufgaben sind das Schwächen anderer Parteien oder Personen und das Gewinnen von weiteren Anhängern. Beispielsweise ist man in der Lage, einen eigenen Mitarbeiter zu beauftragen, in einem Stadtgebiet Wände zu plakatieren oder an Haustüren zu klingeln und Überzeugungsarbeit zu leisten. Diese Tätigkeiten können allerdings nicht beliebig durchgeführt werden, denn drei wichtige Attribute beeinflussen die Möglichkeit, dies überhaupt zu tun. Die eigene Partei besitzt einen gewissen Grad an Macht, Einfluss und Wohlstand, welche in Form von Punkten stets dargestellt werden. Jede Tätigkeit der eigenen Person oder der Mitarbeitet kostet eine bestimmte Menge von Attributen. So muss immer geplant werden, welche Aktion man als nächstes startet, denn sind z.B. die Macht-Punkte aufgebraucht, so muss man mindestens bis zur nächsten Spielrunde (also bis zum nächsten Tag) warten, bis diese gestartet werden können.
Obwohl Republic: The Revolution eine komplette 3D-Engine besitzt, wird man bei längeren Spielen kaum etwas davon mitbekommen. Erst in dem besagten 3D-Stadt-Modus darf man die Kamera frei durch die recht detaillierten Stadtteile bewegen. Dennoch überzeugt diese Engine nicht unbedingt. Obwohl man für einen vernünftigen Spielablauf einen PC mit mindestens 1,2GHZ besitzen sollte (laut Verpackung: 800MHZ), erhält man Grafiken, die für heutige Verhältnisse wenig spektakulär sind. Zwar wirken die Charaktere relativ realistisch und die Landschaften sehr abwechslungsreich, doch auch auf niedrigeren Details ruckelt es unangenehm stark (Testrechner: Athlon XP 2000+, ATI Radeon8500/64MB, 512MB RAM). Dabei sehen die Grafiken ungefähr wie bei dem bereits betagten Mafia aus, welches allerdings schon auf 800MHZ-Rechnern absolut flüssig lief. Da ohnehin ein Großteil der Zeit auf dem 2D-Spielfeld verbracht wird, wird man die ruckelige und somit nicht gerade spielspaßfördernde 3D-Ansicht schnell vergessen und sich auf das Planen konzentrieren. Die Karte selbst ist sehr übersichtlich, grafisch aber insgesamt einfach gestaltet. Unzählige Icons und Beschriftungen versperren gelegentlich die Sicht über die Dinge, doch stellt dies kein großes Problem dar. Was allerdings Einsteigern missfallen dürfte, sind die Hilfe-Fenster, die in einer teils unscharfen Schrift wichtige Informationen verwehren. Unzählige Buttons und Einstellmöglichkeiten verwirren leider auch, erst nach dem Lesen des Handbuchs oder etwas Übung hat man das optische Durcheinander gut im Griff.
Republic: The Revolution ist ein äußerst komplexes Spiel, welches unerfahrene Spieler definitiv abschrecken wird. Action, Abenteuer oder Gewalt sind ein Fremdwort für diesen Strategietitel, der anspruchsvolle Spieler jedoch außerordentlich herausfordert. Das sehr durchdachte politische System, die computergesteuerten, intelligenten Parteien und die allgemein großartige Spielidee faszinieren spätestens dann, wenn man sich an die umständlichen Menüs und die technischen Makel gewöhnt hat. Absolut tadelhaft ist das so gut wie nicht vorhandene Tutorial, welches den Einstieg ungemein erschwert und somit unnötig potentielle Käufer abhält, sich Republic: The Revolution einmal genauer anzuschauen. Wer jedoch etwas Zeit investiert, erhält eine tiefgründige und umfangreiche Politik-Strategie-Simulation, die sogar langen Spielspaß garantiert. Da sieht der Spieler gerne darüber hinweg, dass die 3D-Engine eher nutzlos ist und verschiedene, kleinere Fehler bzw. Unsauberkeiten vorhanden sind. Freunde einfacher Spielideen, die keinen großen Wert auf Tiefgründigkeit legen, sind hier vollkommen falsch, intelligente Menschen mit Mut zur virtuellen Machtergreifung können fast schon bedenkenlos auf die Reise nach Novistrana gehen. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich überhaupt mit einem wenig einsteigerfreundlichen Titel beschäftigen möchte. | Grafik: | 72 % | |
| Sound: | 76 % | |
| Steuerung: | 74 % |
| Spielspaß: | 78 % |
Achte auf einen guten Umgangston und bezieh Dich auf das Thema!
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