Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.

PC-Review: Race Driver Grid

11.06.2008 – Redakteur: Jan


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In der Formel 1 gab es zuletzt einen Auffahrunfall in der Boxengasse vor einer roten Ampel zwischen Ferrari und Mercedes, der für beide Autos das Rennaus bedeutete. Aus gleich zwei Gründen wird euch so etwas im neuen Codemasters Flitzer nicht passieren, der eine ist erfreulich, der andere nicht. Fangen wir mit dem nicht so schönen Punkt an: In Race Driver: Grid gibt es keine Boxengasse. Na gut, es gibt sie schon, aber nur optisch, der Eingang der Box ist auf jeder Strecke versperrt. Taktische Rennen mit Reifenwechsel oder Nachtanken gibt es somit nicht, was schon eine herbe Enttäuschung in einem halbwegs auf Realismus getrimmten Racer ist. Zudem gab es Boxenstopps ja auch im quasi-Vorgänger DTM Race Driver, so dass wir uns schon fragen, warum Codemasters hier den Rotstift angesetzt hat. Zumindest im nächsten Jahr für das erste Formel 1-Spiel von Codemasters muss die Boxenstraße aber wieder geöffnet werden. Da wir schon gerade bei den Streichungen sind: Qualifikationsrunden existieren auch nicht, ebenso wenig dürft ihr euer Auto in der Werkstatt tunen, weder optische Verschönerungen noch Leistungstuning ist erlaubt. Den fehlenden Tuningaspekt fanden wir persönlich aber nicht ganz so schlimm, schließlich ist dieser Bereich durch die ganzen Need for Speed ziemlich abgeleiert, doch erwähnenswert ist es auf jeden Fall.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Race Driver GridBis hierhin hört sich ja alles nicht so dolle an, aber keine Angst, das waren auch schon die gröbsten Mängel von Race Driver: Grid komprimiert in einem Absatz. Denn wie eingangs erwähnt gibt es zwei Gründe, warum der oben genannte Crash in Grid nicht mit diesen Folgen passieren wird. Codemasters hat nämlich eine ziemlich innovative Funktion eingebaut: das Replay. Dabei handelt es sich im Grunde um eine normale Wiederholung der letzten gut 10 Sekunden des Renngeschehens, doch ihr dürft diese Zeitlupe jederzeit anhalten und auf Knopfdruck an genau diese Stelle des Rennens zurückspringen. Kracht ihr also mit voller Wucht in einen Reifenstapel und zerlegt so euer Auto zwar effektvoll, aber auch mit einem Totalschaden behaftet, dreht ihr einfach in bester "Rosaroter Panter-Manier" an der Uhr und macht den Unfall ungeschehen. Beinharte Rennspielprofis werden über dieses Feature sicherlich die Nase rümpfen, schließlich ist das alles andere als realistisch, doch wer sonst immer über zu schwere Rennen gemeckert hat und keine Lust hatte, einen Event nach einem kleinen Fahrfehler von vorne zu beginnen, wird die Rückspulmöglichkeit zu schätzen wissen. Je nach Schwierigkeitsgrad steht euch die Option übrigens nur begrenzt zur Verfügung und außerdem wird euch für jede Benutzung am Ende des Rennens ein klein wenig Geld vom Gewinn abgezogen.

Mit Ausnahme der Rückspulfunktion erinnert Grid sehr an DTM Race Driver, muss aber ohne die zugträchtige DTM-Lizenz auskommen. Auch sonst mangelt es ein wenig an lizenzierten Rennklassen (war da die neue Formel 1-Lizenz zu teuer?). Doch ein wirkliches Problem ist das im Grunde nicht, ihr dürft euch in zahlreichen Rennserien vergnügen, angefangen von Formel 3-Flitzer über Tourenwagen und amerikanische Musclecars bis hin zu japanischen Driftautos. Das Fahrverhalten fast aller Wagen ist dabei herausragend, jeder Typ steuert sich merklich anders, aber dennoch nahezu perfekt um die Kurse. Einzig die Driftautos haben uns nicht ganz so überzeugt, die Wagen reagieren sehr direkt und sind kaum richtig zu fahren. Ohnehin machen die Driftwettbewerbe aber nur wenig Spaß, der Schwierigkeitsgrad erschien uns deutlich schwerer zu sein als beim Rest und irgendwie wirken die Events lieblos von Need for Speed abgekupfert.

Mein Team

Race Driver GridZum Glück dürft ihr im Rahmen der Karriere meist frei entscheiden, welche Veranstaltung ihr als nächstes fahrt. Zu Beginn stehen euch drei Events zur Auswahl, in denen ihr für fremde Teams fahrt und euch so erste Preisgelder verdient. Dabei wird keinesfalls immer eine Topplatzierung von euch verlangt, den Sponsoren und dem Team reicht es schon oft, wenn ihr einen bestimmten Fahrer hinter euch lasst oder die schnellste Rennrunde dreht. Später gründet ihr mit etwas Startkapital euer eigenes Team. Ihr könnt zwar weiterhin an den Einladungen der anderen Teams teilnehmen, verdient dort aber nur eine Bruchteil des Geldes und Ruhmes, den es für Siege mit eurem Team gibt. Mit den Geldern kauft ihr neue Autos für jede Rennklasse, wahlweise ersteht ihr die Wagen beim Händler oder auf dem Gebrauchtmarkt gegen Festgebot. An den virtuellen Marktplatz eines Forza Motorsport 2 reicht das Ganze aber nicht heran. In der Werkstatt dürft ihr weiterhin Sponsorenverträge abschließen und die Farben eures Teams sowie den Namen bestimmen, ansonsten gibt es abseits der Strecke wie eingangs erwähnt recht wenig zu tun, da es eben auch kein Tuning gibt. Den in den einzeln anwählbaren Meisterschaften erreichten Ruhm benötigt ihr, um später höhere Lizenzen zu erreichen.

Die einzelnen Meisterschaften bestehen meist aus 2-3 Rennen in einer Klasse, echtes Meisterschaftsgefühl kommt da leider kaum auf. Sobald ihr euch an einen Wagen gewöhnt habt, müsst ihr in Grid schon wieder in einem anderen Cockpit Platz nehmen. Das sorgt zwar für viel Abwechslung, enttäuscht Rennspielprofis aber schon. Gerne hätten wir mit den Tourenwagen eine richtige Meisterschaft gefahren, was in früheren DTM Race Driver-Spielen auch möglich war. Am Ende einer Saison steht dann noch das bekannte 24-Stunden-Rennen von Le Mans an. Leider ist die Umsetzung vollkommen langweilig geraten. Auf dem öden Rundkurs mit ellenlangen Geraden schlaft ihr fast ein, was auch daran liegt, dass es keine taktischen Überlegungen wie Reifenwahl oder Nachtanken gibt, ein Unding bei einem solchen Rennmarathon. Wirklich lang dauert das virtuelle Le Mans aber auch nicht, Grid komprimiert das Rennen auf etwa 12 Minuten Echtzeit. Immerhin wechselt in dieser Zeit dynamisch die Tageszeit, was es sonst auf den anderen Kursen leider nicht gibt. Allerdings ist das Fahren bei Dunkelheit reichlich unspektakulär, nach der ersten Saison haben wir auf das 24-Stunden-Rennen komplett verzichtet.


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