18.08.2008 – Redakteur: Sebastian
Aventurien! Tausenden deutschen Fantasy-Fans dürften bei diesem Namen die Augen glänzen und die Hände zittern. Ist doch Aventurien das Land, in dem sie schon unzählige Male mit Schwert und Magie gegen finstere Gesellen gezogen sind, um für das Gute zu kämpfen. Dank des mittlerweile rund 20 Jahre alten Pen&Paper-Rollenspiels „Das Schwarze Auge“ (DSA) können ganz normale Menschen zu muskelbepackten Kriegern, gerissenen Dieben und bärbeißigen Zwergen werden. Nur mit Papier, Bleistift, und viel Fantasie bewaffnet, lauschen sie den Worten des „Meisters“ (Spielleiter), der sie durch Städte, Ländereien und Höhlen führt, damit sie die liebliche Fürstentöchter aus den Klauen der Entführer retten oder den wildgewordenen Nekromant aufhalten.
Auch Computerspieler konnten bereits im Verlauf der Mitte der 90er-Jahre erschienenen „Nordland-Trilogie“ nach Aventurien reisen. Dabei mussten sie zwar nicht mit mehrseitigen Würfeln hantieren oder unzählige Zahlenwerte im Auge behalten, aber dennoch wussten die von Guido Henkel („Planescape: Torment“) entwickelten Spiele gerade durch ihre regelkonforme Umsetzung die Fan-Gemeinde zu begeistern. Es ist also kein allzu leichtes Erbe, das die Entwickler von Radon Labs mit dem kürzlich erschienenen „Drakensang“ antreten, zumal nicht nur die Fangemeinde zufriedengestellt werden, sondern auch die Konkurrenz vom Schlag eines „Gothic 3“ oder eines „The Witcher“ im Zaum gehalten werden will. Wir haben uns also einmal mehr nach Aventurien aufgemacht, um nicht nur die neueste Bedrohung für dieses Land zu beseitigen, sondern auch das Spiel auf Herz und Nieren zu prüfen!
Unser alter Freund Ardo vom Eberstamm sendet uns einen Brief, in dem er von dunklen Zeiten und Ereignissen berichtet, in die er sich hoffnungslos verstrickt habe. Um unserem Freund zur Hilfe zu eilen, machen wir uns in seine Heimatstadt Ferdok auf, die im Fürstentum Kosch, im Mittelreich von Aventurien, liegt. Gleich zu Beginn tauchen dabei aber Probleme auf, denn man lässt uns nicht nach Ferdok reisen: Dort sind offenbar schreckliche Morde passiert, weswegen man kurzerhand sämtliche Straßen in die Stadt gesperrt hat. Uns hält man daher zunächst mal in der kleinen Siedlung Avestreu, südlich von Ferdok, fest und will uns ohne einen Passierschein nicht weiter lassen. Den stellt uns der örtliche Zollvorsteher aber erst aus, wenn wir zwei Leumundsschreiben von einflussreichen Bürgern vorweisen können. Und ehe wir uns versehen, stecken wir schon mittendrin in der epischen Geschichte von „Drakensang“, indem wir uns in Avestreu nach Leuten umsehen, die Hilfe benötigen und uns im Gegenzug als Bürgen zur Seite stehen. Dass wir damit eine Reise beginnen, die uns kreuz und quer durch den Kosch führt und an deren Ende die Auseinandersetzung mit uralten Drachen und dämonischen Kultisten steht, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.
Bevor wir uns aber in Avestreu nützlich machen, um möglichst schnell nach Ferdok reisen und nach unserem Freund Ardo schauen zu können, müssen wir uns erstmal für einen Helden entscheiden, der sich dieser und zahlreicher anderer Aufgaben annehmen wird. „Drakensang“ bietet dabei eine sehr große Auswahl an Charakteren, die jegliche Vorlieben zufriedenstellen sollten: Die Schwertschwinger-Fraktion freut sich über den Kämpfer oder den Soldaten, Freunde der Magie und Zauberei greifen zu Heil-, Kampf- oder dem totenbeschwörenden Metamagier. Und wer lieber schnell und leise zu Werke geht, hat mit dem Dieb oder dem Scharlatan ein geeignetes Alter Ego. Dabei kommen auch die verschiedenen Völker Aventuriens wie Zwerge und Elfe, aber auch das Wüstenvolk der Tulamiden oder die hünenhaften Thorwaler aus dem Norden zum Zuge. Und auch eher ungewöhnliche Klassen wie die kämpferischen Amazonen und die verwegenen Piraten stehen zur Wahl.
Bei diesem Heldenangebot fällt kaum ins Gewicht, dass auf eine komplett freie Charaktererstellung verzichtet wurde. Neben der Klassenwahl legt man lediglich noch das Geschlecht und den Namen fest. Weitere Einflussmöglichkeiten auf das äußere Erscheinungsbild und die Grundeigenschaften hat man nicht. Allerdings lassen sich auf Wunsch sämtliche Talentwerte im sogenannten „Expertenmodus“ eigenhändig verteilen, was Fans beruhigen sollte und gleichzeitig einen ersten Vorgeschmack auf die komplexe Charakterentwicklung von „Drakensang“ gibt.
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