Konsequenz ist der Kobold kleiner Geister.

Wii-Review: Ferrari Challenge

12.09.2008 – Redakteur: Daniel


Seite: 1 | Fazit

„Einmal Ferrari fahren“ - der Wunsch vieler Menschen. Unglücklicherweise ist die Brieftasche der meisten von uns zu klein, um einmal die Faszination aus Italien live erleben zu dürfen. Entsprechend haben Videospiele mit dem aufbäumenden Pferd Hochkonjunktur. Hervorragende Verkaufszahlen konnte die betagte F355 Challenge von Sega Anfang dieses Millenniums verzeichnen, das aus dem selben Hause stammende Outrun 2006 zog sein Spirit aus den Pferdchen und auch GT 5 Prologue machte von sich reden, als man die Edelflitzer im Spiel vorstellte. Ist eine Ferrari-Lizenz also die Garantie für schnelles Geld und muss die Qualität dann nicht unbedingt stimmen?

Ferrari mit Startproblemen

Ferrari ChallengeVom „schnellen Geld“ kann bei der Wii-Version von Ferrari Challenge keine Rede sein, denn die wurde zig mal verschoben und ist nun auch offiziell in deutschen Landen erhältlich. Was die Qualität anbelangt, lässt sich allein schon darüber streiten, ob eine Arcade-Racer mit den Boliden überhaupt Sinn macht. Meine Antwort nach ausgedehnten Sessions: ja. Es ist nicht für jeden möglich, eine Simulation zu spielen, ergo wird die Faszination nicht jedem zugänglich gemacht. Was Ferrari Challenge von Games á la GTR unterscheidet, sind das Geschwindigkeitsgefühl, das dezent vereinfachte Handling und die Spielmodi-Auswahl.

Ferrari Challenge bietet (fast) alles, was man von einem Rennspiel erwarten darf: 50 knackige Boliden, darunter Legenden wie den 355, F40, aber auch neuere Karossen wie der Enzo oder FXX. Freigeschaltet werden die Vehikel durch erfolgreiches Abschneiden in den Wettbewerben.

Schwächere Präsentation

Ferrari ChallengeEin Arcade-, Karriere- und ein umfangreicher Herausforderungsmodus laden zum stundenlangen Spielen ein. Hinzu kommt ein unterhaltsames Sammelkartenspiel. Mehrspielermodus? Fehlanzeige. Das sollte eigentlich dem Entwickler zufolge gute Gründe haben, denn die Grafik der Wii-Version präsentierte sich auf vorab veröffentlichten Screenshots bunt sowie detailreich und benötigt demzufolge viel Rechenpower. In der finalen Version ist sie zumindest noch bunt. Mit den Details der PlayStation 3-Variante kann sie nicht ansatzweise aufwarten: Die Fahrzeuge sind kantiger (aber noch zu erkennen), die Pisten ärmer an Streckenbauten und Elementen, die Texturen verwaschener als vorab gezeigt und am Horizont lässt sich der Grafikaufbau wie zu seligen PlayStation 1-Zeiten beobachten. Tut das dem Spielspaß einen Abbruch?

Nein.

Mit Vollgas durch die Haarnadelkurve?

Ferrari ChallengeDas Handling ist den Entwicklern super gelungen und auf die Fähigkeiten der Wii-Fernbedienung zugeschnitten. Nach wenigen Proberundern manövriert man seinen Boliden gekonnt durch Kurven, über Curbes und an Gegner vorbei, dosiert Gas und Bremse akkurat und schaltet Gänge wie ein Weltmeister. Die KI ist recht zickig, versperrt euch ein ums andere Mal den Weg und macht furchtbar akkurat die Türen zu, bevor ihr durchschreiten könnt, während die zahlreichen Motorengeräusche und der nette Soundtrack genügend Atmosphäre beisteuern. Toll! PS-Enthusiasten freuen sich über zahlreiche Streckenklassiker wie Monza, Silverstone oder den Infineon Raceway. Schon die ersten paar Sekunden, in denen ihr die Start-Ziel-Gerade entlang prescht, kommt Freude auf und spätestens in der ersten Schikane bemerkt man, dass die Fahrphysik für einen Arcade Racer extrem komplex ist. Im Gegensatz zur Konkurrenz von Need for Speed ist es nicht möglich, den Wagen in einer Kurve auf die richtige Geschwindigkeit zu drosseln, sondern stets davor. Probiert man es trotzdem, grüßt das freudig ausbrechende Heck und die nachfolgenden Sekundenbruchteile ist man damit beschäftigt, es wieder einzufangen. Das kostet Zeit und unter Umständen Plätze.

Ebenso sind wilde Drifts nur mit viel Übung möglich – spielerelevante Manöver habe ich damit nicht erlebt. Relevant hingegen ist die Perspektive. Neben Arcade-üblichen Außen- und Stoßstangenperspektiven überzeugt die Cockpit-Ansicht am meisten. Trotz des eingeschränkten Sichtfeldes erlebt ihr den gesamten Speed und wisst, wo sich euer Gegner befindet. Eine optional einblendbare Ideallinie mit Bremspunkten und zuschaltbare Elektronik-Hilfen erleichtern den Einstieg ungemein. Wer mit zu rüden Manövern gegen die Konkurrenz vorgeht, wird nicht mit physischen Schäden konfrontiert, vom Spiel aber zumindest für einige Sekunden abgebremst.

All das macht Ferrari Challenge zu einem soliden, wenngleich nicht sonderlich hübschen, Racer für PS-Freunde mit guter Steuerung und ordentlichem Umfang. Wo sind also die Schwächen? Tja, eine ist schnell gefunden: Die Ladezeit. Das mag skurril klingen, aber wieso muss ich eine halbe Minute warten, wenn ich eine neue Lackierung für meinen 430 anschauen will? Wozu benötigt das Spiel eineinhalb Minuten, nur um eine Strecke darzustellen? Das stößt bei mir auf Unverständnis und kostet wertvolle Punkte, denn in einem Rennspiel muss es schnell zugehen. Selbst im Menü. Das nimmt das Tempo heraus und geht auf den Zeiger. Das und die nicht optimierte Grafik verhindern eine Top-Wertung.


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