Rettet dem Dativ!!

Wii-Review: deBlob

09.10.2008 – Redakteur: Daniel


Seite: 1 | Fazit

Ihr denkt, euer Alltag ist grau und trist? Dann schaut euch mal Chroma City an! Die einst bunte Stadt wurde von der INKT Corporation und ihren fiesen Mitarbeitern, die entfernt an niedliche Hasen mit Welteroberungsfantasien erinnern, eingenommen. Sämtliche Farbe wurde entfernt und alle einstmals fröhlichen Leute zu monotonem Knöpfchendrücken als Tätigkeit verdonnert. Das kann doch nicht so weitergehen! Also macht sich ein Held mitsamt einer (noch schwachen) Untergrundbewegung auf, die Stadt neu einzufärben und die Inktis zu besiegen. Sein Name: DeBlob!

Willkommen in der Hardcore-Stadt

deBlobDas Schöne an deBlob in aller Kürze zusammengefasst: Es ist ein unheimlich innovatives und intuitives Spielerlebnis; es überzeugt durch niedliche Grafiken, tollem Sound und bietet einen der coolsten Helden aller Zeiten. Wer kann schon von sich behaupten, durch die Gegend zu kullern, jede Farbe anzunehmen oder wie liebestoll durch Häuserschluchten zu springen? Und es ist ein Titel, der gekonnt Einsteiger als auch selbst ernannte Hardcore-Gamer anspricht. Und wie funktioniert deBlob? Ihr rollt als Farbklecks durch die Botanik, besiegt böse Tinttis, saugt deren Farbe in euch auf, färbt damit Gebäude ein und rettet die Bevölkerung vor dem Untergang. Wie nach der Farblehre (bekannt aus der Grundschule) ist es möglich, aus den drei Grundfarben im Spiel, auf die ihre treffen werdet, weitere zu mischen. Das geht einfach von der Hand und macht Spaß. Getrieben werdet ihr nicht nur von eurem Forscherdrang, euch die weiträumigen Level zu erschließen, sondern auch von einer gnadenlos rückwärts tickenden Uhr. Euer Zeitkontingent erhöht ihr, indem ihr Aufgaben erfüllt. Dazu gehören das Einfärben von Gebäuden, das Erreichen eines bestimmten Punktes im Level unter Zeitdruck oder Besiegen möglichst vieler Gegner. Wer sich gut schlägt, schaltet neben dem umfangreichen Story-Mode und seinen Levels allerlei Minispiele und Extras wie neue Muster für Gebäude frei. Dabei zieht der Schwierigkeitsgrad nach den ersten paar Spielstufen, die als Tutorial dienen, ordentlich an. Wer jeden Winkel der Stadt erkunden will, ist auf Schalter angewiesen, die euch Zutritt zu bestimmten Bereichen verschaffen.

Wie in den ´70ern!

deBlobDeBlob nutzt die intuitiven Möglichkeiten des Wii-Controllerduos voll und ganz aus: Mit dem Nunchuk bewegt ihr euch durch die Abschnitte, visiert mit dem Z-Knopf Feinde, Sprungplattformen oder besondere Gegenstände an, wechselt auf Knopfdruck in die Ego-Perspektive und springt, indem ihr die Fernbedienung kurz in eine Richtung schwingt. Fertig. Das ist simpel, fühlt sich gut an und wirkt nicht überladen. Pointer-Features? Braucht deBlob nicht. Komplizierte Bewegungsabläufe? Wozu, wenn es auch einfach geht. Schließlich hat das sehr einfache Kontrollschema zur Folge, dass ihr euch ganz und gar auf die bevorstehenden Aufgaben konzentrieren könnt. Lässt man sich voll auf diese ein, wird man ein weiteres Mal überrascht: Vermutet man anfangs noch einen netten Plattformer im Stile eines Mario, entwickelt deBlob seinen Charme durch den überaus bunten Farbrausch: Graue Gebäude werden mit Farbe überflutet, Bewohner von Chroma-City tanzen wie wild, wenn ihr sie gerettet habt, Musiklautsprecher umspielen das Ohr mit exotischen Klängen, Farbschnipsel entwickeln ein Eigenleben, Gebäude verändern ihre Form. Nur sehr wenige Elemente lassen sich nicht einfärben, sodass ihr freie Hand bei der Gestaltung von Chroma City habt.

In Sachen Designwitz macht den Machern von Blue Tongue so schnell niemand etwas nach. Hier passt einfach alles zusammen. Nicht nur das: Es sieht für ein Spiel unheimlich gut aus, läuft mit flüssigen 60 Bildern pro Sekunde und bietet Animationen, deren Qualität man auf Nintendos Fuchtelkonsole mit Ausnahme von dicken Klempnern nicht vermuten würde. Was die Grafik beginnt, vollendet die Musikabteilung. Von funkigen Rhythmen über rockige Tunes bis hin zu poppigen Arrangements ist alles vertreten, was in deBlob Daseinsberechtigung verdient. Je nach Situation und Stimmung werden die eingespielt. Umso mehr Gebäude eingefärbt werden, desto lauter tönt die Musik. Die anderen Sounds, wie erregt quietschende Tintis, jubelnde Massen oder der Blob selbst, sind sehr gut eingespielt und offenbaren mitsamt der Grafik-Abteilung, wozu die Wii fähig ist, wenn die Art Direction stimmt.

Langzeitmotivation!

deBlobSchon befindet sich der geneigte Tester in der Situation, Nunchuk und Wii-FB nicht mehr aus der Hand geben zu wollen. Stunde um Stunde verstreichen, ehe man begreift, dass es draußen schon stockduster geworden ist. Zu sehr faszinieren immer neue Spielelemente, zum Schießen komische Zwischensequenzen (ein Paradebeispiel!) und das dermaßen simple Kernspielprinzip. Wo viel Licht ist, ist auch immer Schatten und deBlob leistet sich leider Gottes ein paar grobe Schnitzer. So könnt ihr nur nach Ende einer Mission abspeichern. Mittendrin ist dies nicht möglich. Und da eine Mission gut und gerne mal eineinhalb Stunden an Zeit frisst, ist es mehr als frustrierend, wenn der Spieler immer wieder von vorn beginnen muss. Weiterhin ist der Rätselanteil dezent zu gering – nur dezent. Und der Mehrspielermodus ist keine Erwähnung wert, da die drei Spielmodi höchstens für magere 30 Minuten zu begeistern wissen. Das hätte man getrost wegfallen lassen können.


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