29.10.2008 – Redakteur: Daniel
Seite: 1 | Fazit
Die Rechnung für das schlechtmöglichste Spiel auf einer Wii dürfte wohl lauten: Portierung + Zweiter Weltkrieg = Doof. Schließlich kann man die mittlerweile unzähligen Weltkriegs-Shooter nicht einmal mehr mit Händen und Zehen abzählen und Portierungen haben seit Erscheinen der Wii einen schweren Stand. Neueste Mitglieder im Club der Ballerspiel-Orgien im Europa zwischen 1939 und 1945 sind zwei Brothers in Arms-Teile auf den Next-Gen-Konsolen. Neben Hell´s Highway für Xbox 360, PS3 und PC beglückt Publisher Ubisoft die Wii-Spieler mit dem Paket Double Time.
Ihr habt noch nie etwas von Brothers in Arms – Double Time gehört? Nicht schlimm, denn Ubi hatte bis wenige Wochen vor dem Release überhaupt keine Infos zur Wii-Version verkündet. Hierbei handelt es sich um die ersten beiden Teile des Medal of Honor-Konkurrenten, namentlich Road to Hill 30 und Earned in Blood. Die beiden Games von 2004 und 2005 waren gute, aber keineswegs brillante Shooter, die sich vor allem durch ihre eher taktische Ausrichtung und das Teamwork aus der Masse hervorhoben.
Im ersten Teil des Paketes schlüpft ihr in die Rolle von Matt Baker, der (so betont er alle naselang) niemals Gruppenführer werden wollte. Wie Historiker wissen, hat aber der D-Day im Juni 1944 so einige Pläne der Alliierten umgeworfen. War die Landung an der Nordatlantik-Küste ein voller, wenn auch verlustreicher, Erfolg, sah es in der parallel laufenden Operation der Landung von Fallschirmjägern in der Normandie anders aus. Zig Transportmaschinen wurden von deutschen Flaks abgeknallt, die Truppen durch panische Absprungbefehle weit über das Gebiet verstreut, auseinander gerissen und die Ausrüstung ging vielen Soldaten verloren. Kurz: Ein Desaster! Dass ein glimpflicher Ausgang der Operation doch noch gelang, lag nicht zuletzt an den Improvisationskünsten der Alliierten, sondern auch der Selbstfindung einiger Truppenteile. Wer das (vergleichsweise) authentische „Band of Brothers“ auf DVD gesehen hat, weiß, was gemeint ist. Road to Hill 30 versetzt euch in eine dieser Situationen und spielt die ersten acht Tage nach der missglückten Landung durch. Ihr kämpft euch mit eurem Trupp durch französische Gehöfte, Dörfer und erlebt hautnah den Häuserkampf mit. In knapp 17 Missionen erledigt ihr nebenbei auch allerhand „Krauts“, die sich je nach Situation strunzdoof oder reichlich clever anstellen.
Dabei sollte man bedenken, dass auch ein reichlich blöder Soldat schießt und gegebenenfalls eine Kugel zwischen euren Augen parkt. Um das zu vermeiden, gilt es, die Stellungen der Gegner gekonnt auszuhebeln. Fast immer läuft dies nach Schema A: Zu Beginn ruft ihr eine Taktikansicht auf, analysiert die Umgebung, lasst eure Kameraden hinter einer Deckmöglichkeit wie beispielsweise einem Zaun oder einer Mauer auf den Feind ballern, schleicht euch derweil auf einer alternativen Route um das Nest und knallt dann alles ab, was graue Uniformen trägt. Fertig. Je nach Lage ist dies kompliziert oder schnell zu durchschauen. Was positiv auffällt, ist die gelungene Wii-Steuerung. Wer je einen Shooter auf Nintendos Fuchtelmaschine gespielt hat, wird sich sofort zurecht finden. Mit dem Nunchuk bewegt ihr euch durchs Gelände, mit der Fernbedienung zielt ihr und dreht euch. Ein Druck auf den A-Knopf und ihr könnt eure Kameraden anweisen, Stellungen anzugreifen, das MG zu besetzen oder Deckung zu suchen. Mit einem weiteren Knopfdruck landet ihr im Strategie-Menü, mit dem Steuerkreuz wählt ihr eure Waffen. Alles leicht zu erlernen, nach fünf Minuten werdet ihr eins mit eurem Alter Ego und selbst das sonst furchtbar unkomfortable Granatenwerfen geht locker flockig von der Hand.
Ansonsten sind beide Spiele auf dem Stand ihrer Erscheinungsjahre. Superb aufgelöste Texturen, Blureffekte oder gar zig hundert Lichtquellen sollte man nicht erwarten. Auch die Gesichtsanimationen der Soldaten sind alles andere als toll, aber zu gebrauchen. Wett macht dies die benutzte Unreal 2-Engine mit einer gelungenen Art Direction, bei der wirklich alles wie aus einem Guss wirkt und einer äußerst stabilen Framerate, die nicht zu solchen Einbrüchen neigt wie Medal of Honor oder gar Far Cry auf der Wii. Erwähnenswert sind meines Erachtens nach auch die wundervollen Hintergründe, die ein unglaubliches Flair auf den Schirm zaubern. Wer im Morgenrot durch ein französisches Dorf marschiert und Gefahr jenseits der Gebäude auf den grün-nassen Wiesen wittert, erlebt ein sehr intensives Mittendrin-Gefühl, das selbst Hell´s Highway kaum besser hinbekommt.
Der Sound und insbesondere die deutsche Sprachausgabe stellen eines der Highlights von Brothers in Arms dar, selbst wenn es Momente gibt, in denen der Titel in der Audiokulisse aufgrund seines Alters kleinere Schwächen offenbart. Mehr Umgebungsgeräusche und feinere Geräuschpegelabstufungen wären wünschenswert gewesen.
Was Road to Hill 30 vorgibt, komplettiert dessen Sequel. Ihr steuert in ihm Sergeant Hartsock, den ihr im Vorgänger noch durch die Normandie lotsen durftet, und erobert im Verlauf der Kampagne mehrere Städte wie Carentan oder St. Sauveur. Earned in Blood vergrößert die Schlachtfelder dezent, bietet leicht aufgehübschte Effekte und mehr Abwechslung im Kampf. Der Skirmish-Modus und Multiplayer des Originals wurden leider entfernt, davon abgesehen gleichen die Spiele ihren Ursprungsversionen wie ein Ei dem anderen.
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