Sorgen ertrinken nicht in Alkohol. Sie können schwimmen.

PC-Review: X3: Terran Conflict

03.11.2008 – Redakteur: Andreas


Seite: 1 | Fazit

Willkommen in der guten alten Zeit. Damals, als intuitive Steuerung ein Fremdwort war und die Lektüre eines 100seitigen Handbuchs immer noch viele Fragen offen ließ, war die Welt noch in Ordnung. Zumindest für enthusiastische Hardcoregamer. „X3: Terran Conflict“ vom deutschen Entwickler Egosoft ist ein typisches Beispiel für ein Spiel, das sich kaum weiterentwickelt hat und auf moderne Spielerbedürfnisse pfeift. Das muss Egosoft auch gar nicht, denn das Spielprinzip funktioniert auch – Achtung, selbstreflexiver Wortwitz – im xten Anlauf.

Deutsche Wertarbeit

X3: Terran ConflictMittlerweile fliege ich schon Wochen durch das All. An einem Ende des Alls versorgen meine Fabriken eine Galaxis mit Rohstoffen und am anderen Ende transportieren meine Frachter Fleischblöcke, gut bewacht von einer Jäger-Eskorte. Gut, dass ich vieles davon automatisieren kann, denn für Mikromanagement habe ich jetzt keine Zeit. Mit meinem Raumschiff jage ich nämlich einen Piraten, auf den ein hohes Kopfgeld ausgesetzt ist. Mit anderen Worten: Alltag im X-Universum. Das Spiel hält, was der Werbetext verspricht. Im X-Universum wird gehandelt, gekämpft, gebaut und ziemlich viel nachgedacht. Am Anfang verdient ihr euer erstes Geld mit kleinen Aufträgen, die ihr in den Weltraumstationen bekommt und danach kauft ihr euch einen ersten Frachter und legt den Grundstein für euer Wirtschaftsimperium. Später baut ihr nämlich eigene Fabriken und stellt eure eigenen Rohstoffe her. Das klingt nicht nur kompliziert, sondern das ist es auch. Entweder klickt ihr euch durch umständliche Menus oder lernt die Tastaturkürzel auswendig. Was ihr auch macht – Neueinsteiger brauchen Tage, um den Überblick zu behalten.

Langweilige Story

X3: Terran ConflictTradition ist neben dem guten Spielprinzip aber auch die langweilige Story. Ziemlich unspektakulär und schleppend geht es in „Terran Conflict“ um eine Bedrohung aus dem All. Das Besondere an der Dramaturgie ist gleichzeitig auch ihr Schwachpunkt: Ihr müsst die Geschichte nicht sofort weiter verfolgen, sondern sie „wartet“ auf euch. Also könnt ihr zunächst erst eure Finanzen aufstocken, bevor es weitergeht. Das war und wird im Fall von X3 zum dramaturgischen Super-GAU, denn wo andere Spiele euch von der ersten bis zur letzten Minute packen, wird die Story zu uninteressanten Beigabe.

Ich frage mich, wieso brauche ich unbedingt eine Geschichte? Das tolle Universum mit zahlreichen unterschiedlichen Völkern und Möglichkeiten bietet genug Platz zum Experimentieren. Glücklicherweise müsst ihr die Story nicht spielen, sondern könnt als Anfangsszenario gleich ein freies Spiel wählen. Dann dürft ihr das Sandkasten-Szenario genießen und im Stil von „Freelancer“ Piraten jagen, ideale Handelsrouten suchen und ein eigenes kleines Universum mit Solarwerken, Erzminen oder Waffenproduktionen aufbauen. Ab und an kauft ihr neue Jäger, Frachter oder Transportschiffe und rüstet sie mit Waffen, Sprungantrieben und Software aus.

X3 wird dann zu einer schönen komplexen Mischung aus Wirtschaftssimulation und Rollenspiel. Durch erfolgreiche Kopfgeldjagden und lukrativen Handel steigt euer Ansehen im Universum, mit dem neue Upgrades frei geschaltet werden. Das dauert nicht nur ein paar Stunden, sondern Wochen, denn wo andere Spiele aufhören, fängt X3 erst richtig an.

Kontrolle ist alles

X3: Terran ConflictSelbst für Profis wird die Kontrolle über euer Imperium zur Schwerstarbeit. Die Menüsteuerung ist umständlich und ein Alptraum für Neulinge. Tastatur, Maus oder Joystick stehen euch dabei zur Verfügung. Glücklicherweise hat Egosoft ein paar Komfortfunktionen eingebaut: So könnt ihr durch Softwareupgrades euren Handel automatisieren, Patrouillenflüge kontrollieren oder mit dem Autopiloten bequem an Raumstationen andocken. Außerdem erreicht ihr mit einem Sprungantrieb schnell weit entfernte Orte. Das Wichtigste ist aber der Singularitäts-Zeitverzerrungsantrieb, kurz S.I.N.Z.A. Ein Zeitraffer, der das gemächliche Spieltempo beschleunigt.

Natürlich gibt es im Vergleich zum Vorgänger „Reunion“ ein paar Verbesserungen, die aber vor allem nur Fans auffallen werden. Es gibt neue Schiffe, Waffen und „mehr Aufträge als je zuvor“ (Pressetext). Das Interface wurde weiterhin verbessert, auch wenn es an der umständlichen Handhabe wenig ändert. Dank des komplexen Spielprinzips ist X3 kein Spiel, das man mit einer umgebauten Fernbedienung und Bewegungssensor spielen kann.


Seite: 1 | Fazit

X3: Terran Conflict DemoNews.de 70 100

Zusatzinfos

Login

Du bist nicht angemeldet.



Suche


Kolumne
GamesCom 2010 - Gedanken vor der Messe


Umfrage

Spielt ihr Browser-Games?









Neue Spiele auf SpieleRadar.de