Wer in ein Bienennest sticht, muss mit den Konsequenzen leben.

PC-Review: Gothic III: Götterdämmerung

02.01.2009 – Redakteur: Andy


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Weltuntergang

Gothic III: GötterdämmerungVor zwei Jahren habe ich Gothic 3 mit 84 Punkten bewertet. Wenn ihr jetzt denkt, dass ich mich für diese Wertung entschuldigen oder sie zurücknehmen möchte, dann liegt ihr falsch. Gothic 3 war zwar schwer verbuggt und das Kampfsystem eher mäßig, aber nach dem holprigen Einstieg gefielen mir Atmosphäre, Nebenquests und Spielwelt mehr als gut. Die technischen Probleme und die vielen Fehler beiseite geschoben, hatte man einfach das Gefühl, etwas „Neues“ zu spielen. Es ist schwer zu beschreiben, aber vielleicht kennt ihr es trotzdem: Das Spiel macht allein aufgrund der neuen Engine Spaß, obwohl diese alles andere als fehlerfrei programmiert ist.

Nun kommt Jowood mit einem Addon angekrochen, das um fast alle Joker von damals beraubt ist und dafür kaum einen schwarzen Peter verloren hat... im Gegenteil, es sind noch ein paar neue dazugekommen. Es ist nicht nett darüber zu witzeln, dass die Entwicklung dieses Addons auf ein indisches, hierzulande völlig unbekanntes Team namens Trine Games verlegt wurde. Doch sollte Götterdämmerung ein Paradebeispiel für deren Können sein, dann bleibt nur ein Urteil: Lernt noch ein paar Jahre dazu oder lasst es bitte gleich bleiben.

Mieses Lehrbeispiel

Gothic III: Götterdämmerung„Vereine Myrtana“ heißt die allumfassende Aufgabe, die der immer noch namenlose Held gleich zu Beginn bekommt. Orks und Menschen sind sich mal wieder fleißig am Bekriegen, doch damit soll jetzt endlich Schluss sein. Erster dicker Dämpfer: Die Spielwelt beschränkt sich auf den Wald- und Ackerteil des „Gothic 3“-Originals. Zwar marschiert ihr nun etwas flotter von Ort zu Ort und das gesamte Gebiet wirkt entsprechend ausgefüllter. Aber zum einen leidet die Durst nach Abwechslung und zum anderen empfand ich persönlich die Wüsten- und schneebedeckten Abschnitte deutlich schicker, als die 08/15-Bäumchenriege. Obendrauf liegt ein heftiger Wiedererkennungseffekt, denn trotz mangelndem Direktvergleich kamen mir Städte und Häuseranordnungen extrem bekannt vor. „Götterdämmerung“ mag nur ein „Addon“ sein, doch selbst bei einem solchen erwarte ich frische Szenarios oder neue Grafiken. Sollten diese hier in der Tat vorhanden sein, dann gehen sie klang- und sanglos unter.

Die GC-Vorführung im August pries die vielschichtigen Quests an, jene unterschiedliche Lösungen ermöglichen würden. Dieses Vorhaben ist in der Tat im Ansatz geglückt, nur leider am Ende völlig belanglos, weil keine der Alternativen wirklich Spaß macht. Die Entwicklung von Story und Spielwelt ist gelinde gesagt schrecklich. Ihr lauft mit der „Vereine Myrtana“-Anordnung von einem Ort zum nächsten sowie von einer Person zur anderen und bekommt mehr oder weniger automatisch kleine Aufträge zugesteckt. Allein die Dialoge zwischen dem Helden und wirklich allen anderen Charakteren ist ein Debakel im Quadrat. Sämtliche Parteien fallen sofort mit der Tür ins Haus und stellen Fragen wie Phrasen in den Raum, deren Hintergründe mir als Spieler verwehrt bleiben. Woher weiß mein Held dies und jenes? Wieso verlangen die anderen jenes oder dieses? Götterdämmerung ist nichts für Leute, die schon im realen Leben nach dem Sinn forschen, denn hiernach werden sie völlig verschreckt etliche Therapiestunden benötigen. Frei nach dem Motto: Nicht mal auf virtuelle Welten kann man sich mehr verlassen...

Der eigentliche Inhalt der Quests reduziert sich auf schlichtes „Besorge dies“, „Rede mit dem“ oder „Töte ihn“-Gehabe. In Gothic 3 war das im Grunde nicht viel anders, aber aufgrund der deutlich besser durchdachten Spielwelt kein großes Drama. Im Falle der Götterdämmerung versagen jedoch sowohl Story als auch die Glaubwürdigkeit der Welt, weshalb die Motivation über das Spielen der 08/15-Aufträge mit in den Abgrund gerissen wird. Anders ausgedrückt: Anstatt freudig einen Job nach dem anderen zu erledigen, reist ihr bereits nach einer halben Spielstunde eher ermüdend und genervt durch Myrtana.


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