21.01.2009 – Redakteur: Daniel
Faith ist Bürgerin einer sterilen, kalten Stadt eines Überwachungsstaat, in welchem es nach Meinung der örtlichen Institutionen keine Kriminalität mehr gäbe. Und Faith ist eine Runnerin – eine Art Kurier. In einer Grauzone zwischen dem noch Geduldeten und dem Unrecht stellt sie mit ihren Kollegen Nachrichten und Sendungen zu, die Kunden mit freiem Willen als stillen Protest und letztes Aufbäumen gegen die Staatsautorität versenden. Um ungefährdet zustellen zu können, nehmen sie den einzigen Weg, der vor den Cops sicher ist – den über die Dächer der Wolkenkratzer-Stadt.
Bei soll viel Perversität und Reinlichkeit ist es klar, dass die strahlend weiße Fassade nichts weiter als selbige ist – hinter den Kulissen hat im Zuge einer Bürgermeister-Wahl das dreckige Tauziehen um Macht begonnen und einer der Kandidaten ist dem zum Opfer gefallen – und Faith´ Schwester (eine Polizistin) ist Tatverdächtige. In neun Kapiteln versucht ihr den schmutzigen Verschwörungen auf den Grund zu gehen und eure Schwester von der erdrückenden Beweislast zu befreien.
Mirror´s Edge war vor wenigen Monaten eines DER Top-Spiele für PlayStation 3 und Xbox 360. Das innovative Game überzeugte im Kern als anspruchsvolles Jump´n Run einer neuen Generation, das nicht nur einen eigenwilligen sowie unheimlich sterilen Grafikstil nutzte, sondern durch die Wahl der Ego-Perspektive ganz neue Wege (im wahrsten Sinne des Wortes) beschritt. Durch die Augen von Faith betrachtet ihr die Welt um sie herum, springt, rennt, rutscht, fallt und hangelt euch durch clever designte Levels, die in dieser Form ihresgleichen suchen.
Zweifler übten im Vorfeld Kritik an der Konzept-Entscheidung und stellten in Frage, ob so ein Ansatz generell überhaupt funktionieren könne. Schließlich sieht man nicht alles! Schließlich ist man eingeschränkt in seinem Repertoire und einige Ego-Shooter haben ihre kniffligsten Passagen in Hüpf-Sequenzen, die unmenschlich gestaltet sind! Schließlich kann man sich in einer so großen Stadt schnell verlaufen – und den Weg nie wieder finden! Und sowieso: Wie soll sich so etwas gescheit und schnell steuern lassen, denn Faith ist doch Runnerin – und kann man ein solches Geschwindigkeitsgefühl wie aus den Trailern überhaupt auf das fertige Spiel übertragen? Das waren nicht nur die Gedanken der anderen Spieler, sondern noch während meines GC08-Aufenthalts in Leipzig, wo mich Mirror´s Egde nicht ansatzweise fesseln konnte.
Die Entwickler von DICE, bekannt für die populäre Battlefield-Reihe, haben drei Mechanismen eingearbeitet, die sämtliche soeben aufgeführten Bedenken vom Tisch fegen: Es existiert in den meisten Fällen mehr als ein Weg, um an sein Ziel zu gelangen; es gibt weiter eine dezente Hilfsfunktion, die „Runner´s“-Vision, welche Objekte, die ihr zum Weiterkommen benötigt, rot einfärbt und euch auf Knopfdruck die etwaige mögliche Route anzeigt; und letztendlich noch eine superb funktionierende Steuerung, die nach wenigen Minuten verstanden ist.
Auf die PC-Version trifft letztere Aussage nur bedingt zu: Mit der Tastatur/Maus-Kombination, die vielen Shooter-Fans im Blut liegt, kommt der geneigte Akrobat nicht allzu weit. Mirror´s Edge unterstützt nach der Beschreibung des Herstellers das Xbox360-Joypad und den Logitech Chillstream – auf andere Controller wird nicht verwiesen. Wer diese Game-Controller sein Eigen nennt, wird aber definitiv mehr Spaß am Spiel haben. Jede Taste des Gamepads ist sinnvoll belegt und lässt somit intuitives Spielen zu – Springen, Kriechen, Kehrtwende, Runner´s Vision, ein Kampfbutton – alles herrlich simpel angeordnet, aber in der Kombination ungewöhnlich komplex.
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