13.03.2009 – Redakteur: Andy
Seite: 1 | Fazit
Es ging nicht vergessen, doch ständig kam etwas dazwischen und ich wollte mir extra viel Zeit für mein Urteil lassen: der Multiplayer-Test zu “Killzone 2“ steht endlich an. All ihr Sony-Fans, ihr dürft euer Messer gleich einstecken: Es wird eine Lobeshymne. Das hat nix mit Angst vor Verlust des Jobs oder Anklagedrohungen seitens der Hersteller zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit der Tatsache, dass der Mehrspielermodus exzellent designt ist. Rein umfangstechnisch sieht es dabei gar nicht mal so rosig aus: Acht Karten und fünf Spielmodi hören sich eher nach Minimum für heutige Standards an. Doch umso mehr haben sich die Entwickler darum gekümmert, dieses “wenige Etwas“ liebevoll auszuarbeiten.
Die fünf Missionsarten sind allesamt bekannt und konzentrieren sich rein auf Teamspiele der Form “ISA gegen Helghast“. Entweder geht es um das reine Abschießen der Gegenpartei, das Besetzen dreier Bereiche, das Suchen sowie Abliefern eines Propagandalautsprechers (quasi Capture the Flag, jedoch nur mit einer Flagge für beide Teams), die Jagd auf einen zufällig ausgesuchten Spieler oder das Sprengen einer bestimmten Einrichtung. Bei den letzten beiden Fällen übernimmt logischerweise das eine Team die Rolle des Aggressors, während das andere Team die Person beziehungsweise Einrichtung schützen muss. All dies wird unter dem Namen “Kriegszone“ zusammengefasst, was auch einen ganz bestimmten Sinn macht: Ihr spielt mitunter unterschiedliche Missionen am Stück und ohne Pause. Dies hängt freilich vom Ersteller der Partie ab, der alternativ auch ein Spiel mit weniger oder gar nur einer Art initiieren kann.
Durch diesen Kniff fühlen sich die Schlachten enorm intensiv und schnell an. Kaum habt ihr die eine Mission gewonnen oder verloren, schon steht wenige Sekunden die nächste an. Solch ein interessantes Konzept funktioniert jedoch nur dann, wenn auch das Level-Design stimmt: Die Maps müssen schließlich so gut es geht für jede Missionsart geeignet sein. Und bei Gott, hier hat Guerrilla Games wahre Wunder geleistet. Es fällt mir immer etwas schwer, die Qualität von Multiplayer-Maps zu beurteilen, aber jene in “Killzone 2“ scheinen in akribischster Kleinarbeit ausgetüftelt zu sein. Ähnlich wie die einzelnen Knuddelgegner in einem “Super Mario“-Spiel möchte man meinen, dass jeder Weg, jeder Bereich und jede Ecke einen Sinn hat. Das Kartendesign ist richtig dreidimensional, bei jedem Knotenpunkt wimmelt es nur vor verschiedenen Wegpunkten und trotzdem ist die Gefahr des Verlaufen selbst für Neulinge relativ gering, dank abwechslungsreichem Setting. Dadurch gibt es unzählige Deckungsmöglichkeiten, an denen ihr trotzdem nie völlig geschützt steht. Die Größe der Karten variiert beträchtlich, weshalb sowohl Freunde epischer Schlachten als auch kleiner Gemetzel zufrieden gestellt werden. Unterm Strich fiel mir nur die Pyrrhus-Anhöhe negativ auf, weil sie selbst für die maximal 32 möglichen Spieler zu breitflächig angelegt erscheint.
In einem Punkt möchte “Killzone 2“ dann doch Umfangsrekorde sprengen: bei den Klassen und Abzeichen. Von ersteren gibt es sechs an der Zahl, beispielsweise den Taktiker, den Sanitäter oder den Kundschafter. Entscheidet ihr euch für eine Klasse, dann seid ihr zwar bei der Waffenwahl eingeschränkt, besitzt dafür aber ein paar schicke Fähigkeiten. Dazu gehören beispielsweise das Retten schwer verletzter Soldaten, das Installieren von kleinen Kanonen oder das Festlegen neuer Checkpoints, die gefallene Kollegen als neuen Startpunkt nach ihrer Wiederbelebung wählen dürfen. Den Zugriff zu diesen Klassen und auch zu fescheren Waffen, von der Shotgun bis zum Raketenwerfer, erlangt ihr durch das Sammeln von Erfahrungspunkten, wozu selbstredend ein gutes Abschneiden innerhalb einer Partie notwendig ist, egal ob es sich auf das Erfüllen der Missionsziele oder schnöden Abschüssen bezieht. Parallel dazu könnt ihr euch Belohnungen für besondere Taten verdienen, z.B. indem ihr euch für 10% aller gefallener Gegner verantwortlich zeichnet, fünf Teammitglieder rettet oder das bei der “Überfallmission“ ausgewählte Opfer persönlich eliminiert. Schafft eine dieser Taten acht mal, ergattert ihr ein Abzeichen, womit euch neue Möglichkeiten, darunter sekundäre Fähigkeiten der Klassen, zur Verfügung stehen. Das System geht sogar soweit, dass ihr eingeschränkt zwei Klassen vermixen dürft.
Allein bis ihr all diese Dinge zusammengerafft habt, werdet ihr ewig viele Stunden benötigen. Dies ist auch gleich eine kleine Schwäche, denn nicht jeder möchte für die volle Multiplayer-Packung soviel Zeit zum Freizocken von irgendwelchen Goodies investieren. Aber auf der anderen Seite wäre “Killzone 2“ speziell für Einsteiger viel zu unübersichtlich, wenn alle oder zumindest die meisten Features von Spielbeginn an zugänglich wären. So entsteht ein zaghafter Lernprozess, der eure Fortschritte gleich doppelt belohnt. Entsprechend solltet ihr nur gegen Gegner antreten, die sich auf eurem Erfahrungsniveau befinden. Dauerspieler, die mehr auf Erfolg als auf reinen Spielspaß setzen, freuen sich über die Möglichkeiten zum Gründen von Truppen und Clans. Schließlich findet ihr so am besten feste Mitspieler, mit denen ihr eure Klassen und Fähigkeiten gegeneinander abstimmen sowie optimieren könnt.
Ebenfalls ein großes Plus des Multiplayer-Modus ist der technische Aspekt. Vom ersten Testlauf abgesehen hatte ich nicht einmal Lags oder sonstige Server-Probleme. Die grafische Qualität hat gefühlsmäßig keinen Kompromiss im Vergleich zur sensationellen Singleplayer-Optik erleiden müssen. Die Steuerung fühlt sich gar flotter und geschmeidiger an, nur das Auswählen von Waffen und Fähigkeiten per Digipad sowie Dreiecks-Taste (in der Voreinstellung) wirkt fummelig, obwohl ihr aufgrund der Klassentrennung gar nicht mal so viele davon zur gleichen Zeit parat haben dürft.
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