26.03.2009 – Redakteur: Matthias
Electronic Arts genießt bei vielen Spielern den wenig schmeichelhaften Ruf, nur auf Mainstream-Games zu setzen und jede Art von Innovation im Keim zu ersticken. Geht man hiervon aus, dann war es keine sehr erfreuliche Sache, dass EA im Jahr 2006 die deutsche Spieleschmiede Phenomic aufgekauft hat, die zuvor mit ihrer Spellforce-Reihe auf gelungene und kreative Weise die beiden Genres Echtzeitstrategie und Rollenspiel vermischte. Und doch: Irgendwie geht Phenomic auch jetzt noch seinen ganz eigenen Weg, denn ihr neustes Machwerk BattleForge stellt alles andere als ein typisches Echtzeitstrategie-Game dar. Oder habt Ihr schon einmal einen Online-RTS-/Sammelkarten-Mix gespielt?
Dies klingt im ersten Moment vielleicht unspektakulär und erinnert eventuell sogar an ein Quartett-Kartenspiel („Ähm… 612 PS!“„Meine hat 614 PS! Stich!“), doch damit hat es zum Glück nichts zu tun. Die Karten in BattleForge symbolisieren nämlich die unterschiedlichen Einheiten, die der Spieler in den Kampf schicken darf. Genauer gesagt gibt es in dem Game insgesamt 200 Karten, von denen aber nicht alle von vornherein zur Verfügung stehen (dazu später mehr). Jede einzelne dieser Karten repräsentiert entweder einen Kampftrupp, einen magischen Spruch oder ein Gebäude. Wer bei dem Begriff „Gebäude“ nun an den typischen Aufbau einer Basis denkt, der irrt. Denn die Bauwerke in BattleForge sind keine produzierenden Werkstätten oder Fabriken, sondern allesamt feststehende Einheiten, die aktiv (z.B. als Kanonenturm) ins Geschehen eingreifen.
In eine Schlacht darf ein Spieler maximal 20 Karten aus seinem Deck mitnehmen. Hat man seine Auswahl getroffen, werden die favorisierten Karten am unteren Bildschirmrand eingeblendet. Möchte man nun eine dieser Einheiten ins Spiel bringen, reicht es, dass man sie anklickt und anschließend an der Stelle auf der Map platziert, an der der Kampftrupp / der Zauber / das Gebäude aktiviert werden soll. Dies funktioniert allerdings nur in der Nähe eigener Einheiten oder Strukturen, so dass man nicht einfach seine gesamte Streitmacht mitten in die gegnerische Armee setzen kann. Eine Ausnahme bilden hier die magischen Sprüche, schließlich ist es ja der Sinn der Sache, dass die Giftwolke, der Flächenfrost oder die Aura des Bösen eine große Kluft in die feindlichen Reihen reißt.
Hört sich ganz einfach an, oder? Ist es aber nicht, denn gerade die Auswahl der richtigen Karten ist fast schon eine Wissenschaft für sich. Es fließen viele unterschiedliche Kriterien in die Entscheidungsfindung ein und schon während der Beta-Phase des Games haben sich die Spieler in Foren die Köpfe über das ultimativ beste Deck heiß geredet.
Es geht schon damit los, dass die Karten in vier unterschiedliche Fraktionen unterteilt sind: Eis, Feuer, Schatten und Natur. Jede Macht bietet grundsätzlich einen anderen Vorteil: Feuer-Einheiten sind beispielsweise sehr aggressiv und angriffsstark, Frost-Einheiten dagegen defensiv und mächtig gepanzert. Der Spieler muss sich bei seinem Deck nicht für eine Fraktion entscheiden, sondern darf alle vier Varianten bunt durcheinander mischen – und seinen Kartenstapel somit auch seiner bevorzugten Spielweise anpassen.
Also einfach die stärksten Karten von allen vier Mächten einstecken und loslegen? Nein, dies dürfte zur garantierten Niederlage führen – womit wir schon beim nächsten entscheidenden Kriterium wären: Um die Einheiten überhaupt in die Schlacht werfen zu können, muss man so genannte Orbs einnehmen, die in eher geringer Zahl an unterschiedlichen Orten auf den Maps verteilt sind. Jeder dieser Bauten lässt sich einer der vier Mächte zuordnen und erst dadurch sind auch die dementsprechenden Einheiten einsetzbar. Wer also Kampftrupps von jeder Macht mitnimmt, braucht schon einmal mindestens vier der Orbs, um überhaupt seine ganze Schlagkraft nutzen zu können. Was außerdem beachtet werden muss: Für die schwächsten Einheiten einer Macht reicht ein Orb, Elite-Kämpfer werden dagegen erst bei vier im eigenen Besitz aktiviert. Hier zählt aber immerhin die gesamte Zahl aller eigenen Orbs – es genügt, wenn eine einzige davon der Fraktion zugeordnet ist, zu der die Power-Karte gehört. Und was lernen wir daraus? Erfolg bringt nur das richtige Mischungsverhältnis, bei dem die schwachen Einheiten die Vorarbeit leisten, um irgendwann die richtigen Kraftpakete von der Leine lassen zu können.
Im Kampf ist es übrigens immer sehr leicht zu erkennen, welche Karten nutzbar sind. Von allen inaktiven Karten wird nur ein kleiner, schwarz eingefärbter Teil angezeigt, die bereits aktivierten Karten sind dagegen in voller Größe und leuchtenden Farben eingeblendet. Außerdem wird auf den Karten angezeigt, wie oft die jeweilige Einheit derzeit zur Verfügung steht.
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