Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.

Wii-Review: Baphomets Fluch - Director´s Cut

31.03.2009 – Redakteur: Andy


Seite: 1 | Fazit

Wenn ich (mal wieder) ein modernes Adventure ganz fies in der Luft zerreiße und die schlechteste Wertung innerhalb Deutschlands vergebe, dann heule ich ganz oft herum, wie viel toller die Genre-Kollegen von früher waren. Nur ein Argument konnte mich dabei bremsen: „Früher waren die Spiele nicht besser, das sind einfach nur nostalgische Gefühle“. Ab heute bin ich einen Schritt näher an der „Nö, dem ist nicht so“-Behauptung dran. Denn “Baphomets Fluch Director´s Cut“ hat mir mehr Freude gemacht als die meisten modernen Adventures, obwohl ich das Original damals nur ansatzweise gespielt habe.

Ohne Tod

Baphomets Fluch - Director´s CutO.k., der Vergleich ist nicht wirklich fair, denn Revolution hat ihr klassisches Point´n´Click-Kleinod von 1996 in einigen Punkten sinnvoll verbessert. Allen voran das „Du darfst nicht sterben!“-Prinzip: Sämtliche Todesmöglichkeiten sind weg, so wie es sich die meisten Stress-geplagten Adventurianer auch wünschen. Die wenigen der nicht ganz 100%-ig logischen Rätsel sind dank der vorbildlichen Hilfefunktion entschärft. Diese führt euch Stück für Stück zur Lösung, wobei ihr erst nach ein paar erfolglosen Schritten den nächsten Tipp erfahren dürft. Die Balance ist nahezu perfekt: Einerseits klickt ihr euch nicht blind durch einen Spoiler nach dem anderen, andererseits sind Zwangswartezeiten dazwischen mehr als erträglich, wenn ihr mal wirklich mehr als ein, zwei kleine Ratschläge auf einen Schlag benötigt.

Einfach gut erzählt

Baphomets Fluch - Director´s CutDie Geschichte blieb im Prinzip unangetastet und wurde einzig um ein paar Abschnitte erweitert. In denen steuert ihr Nico durch einen kleinen Nebenplot, der zwar ganz hübsch, aber auch irgendwie abgekapselt gegenüber dem eigentlichen „Baphomets Fluch“-Drama wirkt. George Stobbarts Odyssey, angefangen mit dem Mord im Café und endend in mehreren Reisen durch halb Europa, ist für sich gesehen ein halber Klassiker und wohl der Hauptgrund für die Zeitlosigkeit des Spieles. Zwar tendierten manche Dialoge dezent zur Laberlastigkeit, aber sie sind gleichwohl selten uninteressant. Manche von ihnen stricken den eigentlichen Plot sinnvoll weiter, andere gehören zur witzigen Spaßmacherei. Nahezu alle Charaktere besitzen ein Profil und praktisch keiner wirkt seelen-, farb- oder lieblos designt. Besonders lustig ist auch die Idee, dass ihr den meistern Ansprechpartnern euer gesamtes Inventar zeigen könnt, was nicht selten zu albernen Reaktionen führt.

Der größte Streit wird sicherlich über die Präsentation einbrechen, obwohl Grafik und Musik erfreulich gut gealtert sind. “Baphomets Fluch“ war 1996 ein kleiner Meilenstein, was die aufwändigen Animationen anbelangte. Diese haben erstaunlich wenig Reiz verloren, auch wenn es freilich inzwischen Besseres gibt (z.B. “Runaway 2“). Handgezeichnete Hintergrundsettings sind hingegen heute so selten, dass man für dieses Revival beinahe dankbar sein muss. Noch besser sieht es beim Sound aus, zumindest theoretisch: Die Musik ist toll komponiert und die deutsche Version grandios synchronisiert. Nur leider stimmt die Tonabmischung nicht. Die neuen Szenen hören sich nämlich viel rauschfreier an als die alten. So blöd sich das auch anhören mag, aber es wäre besser gewesen, wenn die Entwickler die neu gesprochenen Parts qualitätstechnisch dem alten Kram angeglichen hätten. Dann würde man den Bruch zwischen neu und alt nicht so stark spüren, was letztlich zu einem heftigen Punktabzug bei der Soundwertung resultiert.

Bonus-Rätsel

Baphomets Fluch - Director´s CutDie spielerischen Erweiterungen beschränken sich nicht auf die Nico-Abschnitte. Zusätzlich müsst ihr ein paar kleine Mini-Spielchen lösen, beispielsweise Steine verschieben, Schachfiguren auf einem Brett anordnen oder Drehschreiben korrekt arretieren. Diese Stellen tun nicht weiter weh und passen erstaunlich gut zum eigentlichen Spielgeschehen. Allerdings ist die Steuerung leicht fummelig, speziell wenn ihr die Wiimote für einen Handgriff drehen müsst. Ansonsten handhabt ihr George bzw. Nico mit einer gewöhnlichen Point´n´Click-Mechanik. Hotspots zum Anzeigen aller wichtigen Objekte gibt es keine, doch die Hilfefunktion ist ausreichend genug, um besonders gut versteckte Dinge ausfindig zu machen. Allenfalls die Anklickfläche könnte hie und da noch etwas größer sein, denn so habe ich manchmal ungewollt daneben gedrückt.


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