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Xbox 360-Review: Leisure Suit Larry Box Office Bust

12.04.2009 – Redakteur: Andy


Seite: 1 | 2 | Fazit

Vor acht Monaten habe ich folgende Worte geschrieben: „Was „Braid“ schafft, macht mich sprachlos. Absolut sprachlos.“. Heute werde ich diese Phrase wiederholen, allerdings um zwei Stellen entscheidend verändert: Was „Leisure Suit Larry - Box Office Bust“ verbockt, macht mich sprachlos. Absolut sprachlos. Ich war nie der größte Fan von Al Lowes Adventure-Klassikern, denn die Rätsel waren mir oft zu schwer nachvollziehbar. Als im Jahre 2003 ganz überraschend ein neuer Teil in ein Korsett voller billiger, jedoch humorvoller Mini-Spiele verpackt wurde, gab ich einen freundlichen 70er, zu dem ich auch heute noch stehe. Die Ankündigung seitens Codemasters, dass niemand anders als Team 17, die Mannen hinter „Worms“ und der liebevollen „Lemmings“-Umsetzung für PSP, das Franchise ein weiteres Mal aufleben lassen will, ließ mich auf ein erneut unterhaltsames Spiel hoffen.

Das Ergebnis ist unfassbar, unsäglich und unglaublich schlecht.

Eine korrupte Welt

Leisure Suit Larry Box Office BustWieder spielt nicht der „alte“ Larry der 80er Jahre die Hauptrolle, sondern sein Neffe Larry Lovage. Mit ihm sollt ihr die Welt der Filmstudios erkunden: Auf dem Gelände werden gerade drei Blockbuster gedreht, in denen schöne Frauen und dreiste Machos wichtiger sind als schauspielerische Qualitäten. Ein Wild West-Film, ein Horror-Streifen und ein „Titanic“-Revival stehen an, wobei Larry Lovage über kurz oder lang die Gelegenheit erhält, auf seine Weise mitwirken zu können. Das eigentliche Ziel für den jungen Helden ist natürlich, reihenweise Frauen flach zu legen. Die Idee ist nett und für ein “Leisure Suit Larry“-Spiel durchaus passend. Doch bereits beim Spielkonzept jaulen alte Fans der Serie laut auf: Team 17 hat das Adventure-Genre endgültig in die Tonne gekickt und präsentiert uns einen lauen “Grand Theft Auto“-Aufguss mit noch viel laueren Mini-Spielen. Das Gebiet ist relativ klein und überschaubar. Ein Radar zeigt entweder eure nächste Anlaufstelle für die folgende Mission an oder das derzeit relevante Auftragsziel. Später kommen noch Markierungen für die optionalen Autorennen und Verführungsmissionen hinzu, sobald diese verfügbar sind. Ansonsten ist das Spieldesign stocklinear und von lieblos in der Gegend platzierten Larry-Statuen abgesehen, gibt es kaum einen Grund, die Welt frei zu erkunden.

Frei von Spielspaß

Leisure Suit Larry Box Office BustDie von euch abverlangten Aufgaben sind durch die Bank weg tödlich langweilig. In der Regel sollt ihr von A nach B marschieren, um dort etwas abzuholen, etwas zu platzieren oder mit einer Person zu reden. Die Laufwege erscheinen unendlich lange, zudem Larrys Rennkraft nach wenigen Sekunden verbraucht ist und ihr anschließend entweder in normaler Geschwindigkeit weitermachen oder kurz pausieren müsst. Zwar gibt es auf dem Studiogelände Fahrzeuge, mit denen ihr deutlich schneller voran kommt. Jedoch sind diese dermaßen rar, dass ihr oft mit der Suche noch mehr Zeit verplempert, als wenn ihr einfach die Beine in die Hand nehmt.

Manchmal kommt ihr nicht herum, eine Leiter nach oben zu klettern oder euch diversen Sprungparcours zu widmen. Spätestens hier sollte bei 99% aller Spieler die Ernüchterung eintreten, dass “Box Office Bust“ einfach nur schlecht ist. Das Klettern ist noch zäher als das Laufen und die Sprungsteuerung dürfte in die Annalen als eine der schlecht spielbarsten aller Zeiten eingehen. Dafür existieren zwei Gründe: Zum einen ist die Kamera ein Debakel im Quadrat. Manchmal dürft ihr sie frei verstellen und ihr seid halbwegs glücklich. Manchmal ist sie stocksteif und fängt dabei oftmals Perspektiven ein, mit denen ihr aber auch rein gar nichts anfangen könnt. Und abschließend erwartet euch die Mischung aus beiden Seiten: Die Kamera lässt sich frei bewegen, nur sobald ihr einen Schritt vorwärts geht, schwenkt sie wieder zurück in eine unsinnige Position.

Der zweite Grund betrifft das Wandsprung-Feature. Ähnlich wie in den neueren “Tomb Raider“ oder “Prince of Persia“-Episoden könnt ihr gegen eine Wand springen und euch von dieser abstoßen. Gleichzeitig ist es möglich, sich an eine Plattformkante zu hängen und nach oben zu stemmen. Hier liegt das Problem: Es passiert außergewöhnlich oft, dass ihr letzteres wollt und ersteres passiert. Das heißt, obwohl ihr gegen eine Kante springt, interpretiert das Programm dies als möglichen Wandsprung. Wenn ihr nun im Affekt die Taste zum Hochstemmen drückt, die leider identisch mit jener zum Abstoßen ist, dann hüpft der arme Larry ins Leere.

Stolpersteine als Massenanfertigung

Leisure Suit Larry Box Office BustEs bleibt nicht bei diesen grundlegenden Problemen, denn hinzu kommen lauter Kleinigkeiten, die stellenweise für schwere Wutanfälle sorgen. An einem Punkt müsst ihr auf einem Seil balancierend an eine Art Netz springen und dieses nach oben klettern. In dieser Szene habe ich etliche Fehlversuche ertragen müssen, weil sich Larry aus nicht weiter erklärbaren Gründen nicht am Netz festhielt, obwohl ich ganz eindeutig dagegen gesprungen bin. Ich weiß auch nicht, warum es dann auf einmal gekappt hat, weil ich nichts anders gemacht habe. Auch lustig: An anderer Stelle stand mein Larry im Gebäude, während die Kamera verzweifelt von außerhalb versuchte, ihn einzufangen. Oder wie wäre es mit jenem Bug, dank dem ich das Spielgeschehen plötzlich aus der Ego-Sicht betrachten konnte, ohne dabei den Drehwinkel verstellen zu können?

Für das nächste Beispiel des Grauens muss ich ein weiteres „Schnarch“-Element des Spielkonzeptes erläutern: die von jedem gehasste Kistenschieberei. Auch in „Box Office Bust“ müsst ihr irgendwelche klobigen Objekte zurechtrücken, meist um höher gelegene Plattformen oder Häuserdächer zu erreichen. Diese Schieberei ist ebenso von einer kaum auszuhaltenden Zähigkeit geplagt, die euch speziell beim Drehen halb wahnsinnig macht. Das I-Tüpfelchen: Letzteres ist bei manchen Objekten gar nicht erst möglich, warum auch immer. Dann müsst ihr wie in den alten “Tomb Raider“-Spielen umständlich sowie ständig die Position wechseln, von wo aus ihr die Kiste schieben oder ziehen wollt.

Die nächsten beiden Konzeptelemente könnten kaum ausgelutschter sein: QTE-Szenen und Railgun-Shooterlevels. Erstere sind abartig anspruchslos, letztere sind auch nicht gerade ein Motivationsgarant, aber auf der Xbox 360 wenigstens ohne große Schwierigkeiten spielbar. Gleiches gilt für die Steuerung von Kränen, gleichwohl dies ebenfalls nur zu weiteren Aufgaben der langweiligsten Art dient: zum Kisten-Transportieren von A nach B.


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