27.04.2009 – Redakteur: Harald
Er ist nicht schön und kann auch nicht viel. Er erzählt keine Geschichten und umschmeichelt auch nicht unsere Ohren. Und dennoch ist er ein Star. Zumindest ein heimlicher und zugleich unheimlicher. Denn allen Regeln des Marktes zum Trotz dominiert Astragons Titel „ Landwirtschafts-Simulator“ bereits im zweiten Jahr die Verkaufshitlisten dieses unseres Landes und zeigt den Spielen aus dem Hause Sega, Microsoft und EA die virtuelle Nase. Da bleibt uns Redakteuren auch nur ein Achselzucken. Was kann eine Mähdrescher- und Traktorensimulation nur haben, was andere Spiele nicht bieten können?
Da stehen wir nun auf unserem Gutshof. Die Sonne ist gerade aufgegangen und die Traktoren scheinen uns geradezu zur Arbeit zu mahnen. Und kaum stehen wir vor dem Riesenbaby, zeigt uns das Programm per Textanweisung an, was von uns erwartet wird. Alles klar, mit der Taste E steigen wir hinter das Steuer und werfen den Motor an. Doch wo beginnen? Das kleine Handbuch hilft uns bei den ersten Schritten und rät, erst einmal das Korn im Silo zu verkaufen, um uns mit besseren Geräten und Fahrzeugen auszustatten. Ein PDA verrät uns dabei, welcher Händler welchen Preis für die verschiedenen Kornsorten bezahlt. Das ist mit gerade einmal vier Getreidearten und drei Händlern zwar sehr überschaubar, vermittelt aber zumindest einen Hauch von Wirtschaftssimulation und schlägt den Vorgänger dabei im Umfang bereits um Längen. So laden wir also unseren Anhänger mit Weizen und machen uns auf den Weg zur Mühle. Und auch hier hilft das PDA mit einer Landkarte, wobei die nur im Abgleich mit der im Handbuch abgedruckten Karte wirklich hilft. Einen Routenplaner suchen wir nämlich vergebens. Allerdings wäre dieser auch nur während der ersten Ausfahrten nötig, da wir uns auf einer überschaubaren Insel befinden. So haben wir die paar Straßen schnell verinnerlicht. Genauso wie das Bargeld, welches uns in der Mühle im Austausch zu unserem Korn zugeflossen ist. Das haben wir allerdings auch bitter nötig. Schließlich brauchen wir dringend neue Traktoren und Landwirtschaftsgeräte. Die helfen uns dann, unsere Arbeit effizienter zu erledigen und mehr Geld zu scheffeln. Und da wollen ja auch noch der Sprit und das Saatgut bezahlt werden! Es gibt also allerhand zu tun, was besonders Kenner des Vorgängers begrüßen dürften. Denn gerade in Sachen Langzeitmotivation hatte der „Landwirtschafts-Simulator 2008“ herzlich wenig zu bieten.
Exklusiv und nur hier auf DemoNews.de findet ihr den ultimativen Vergleich zwischen dem Landwirtschafts-Simulator 2008 und der 2009er-Ausgabe. Auch gehen wir in diesem Video auf die Vor- und Nachteile der Serie aus dem Hause Astragon ein.
Das Video steht in HD-Auflösung an dieser Stelle zur Verfügung (Vollbild erfordert aktuelle Flash-Version). Alternativ könnt ihr euch die Reportage hier downloaden.
Und so pflügen, säen, ernten und bewirtschaften wir, was um uns herum wachsen und gedeihen kann. Zumindest, so lange es Gerste, Mais, Raps oder Weizen heißt. Leider kennt auch der jüngste Spross der Landwirtschafts-Simulatoren weder Kartoffeln oder Karotten, noch Tiere jeglicher Art. Ja selbst eine Möwe am Hafen oder einen übers Feld springenden Karnickel suchen wir vergebens. Das macht unser Leben schnell trostlos und steril. Weitere Inselbewohner bekommen wir nur in den herumfahrenden Autos zu sehen, wobei die wohl ihr Gehirn auf dem Festland zurück gelassen haben. Anders kann man die vielen Aussetzer der KI im Straßenverkehr nicht erklären. Zugegeben, das hat auch eine gewisse Komik, wenn ein Verkehrsteilnehmer mit einer fast bewundernswerten Penetranz versucht, einen Baum umzufahren oder der Verkehr dank zwei ineinander verkeilter PKWs zum Erliegen kommt. Dagegen wirkt zum Beispiel das Dorf wie eine Geisterstadt, woran auch das Glockenläuten der Dorfkirche oder das Nebelhorn eines vorbei fahrenden Frachters nichts ändern. Dadurch wurde das Spiel nicht nur einiger netter Spielelemente wie Konkurrenzbauern beraubt, sondern die Atmosphäre quasi im Keim erstickt.
Apropos Intelligenz: die hat auch der neue Erntehelfer beim Pflügen vergraben, betrachtet man den Guten beim Traktorfahren. Da wird mal locker am Getreide vorbeigefahren oder eine ganze Linie einfach vergessen. So vergessen wir schnell das Helferlein und machen unsere Arbeit eben selbst. Wobei auch hier die Programmierer den ein oder anderen Stein in den Weg gelegt haben. Allein die Fahrphysik der größeren Traktoren ist ein Witz. Schwerkraft ist kein Thema und so schweben wir über jeden größeren Hügel, legen uns wie zu seligen GTA 3-Zeiten in die Kurven und vergessen schnell, was für ein Gewicht so ein Traktor eigentlich auf die Waage bringt. Ebenfalls ärgerlich ist, dass sämtliche Fahrzeuge nicht in der Spur bleiben und ständig nachgelenkt werden muss. Das stört bei der Arbeit gewaltig!
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