07.05.2009 – Redakteur: Matthias
Seite: 1 | Fazit
Hoppla, das hatten wir ja auch noch nie: Ein neuer Actionstreifen bekommt die FSK-Einstufung „ab 16 Jahren“, doch dem dazugehörigen Videospiel wird von der USK die Altersfreigabe teilweise verweigert. Geschafft hat dieses Kuriosum der heroische Haudegen Wolverine, dessen neuestes Videospiel-Abenteuer für Xbox 360, PS3 und PC nicht offiziell im deutschen Handel erscheint. Die Wii-Fassung konnte immerhin noch das rote USK-Siegel („keine Jugendfreigabe“) ergattern, weswegen sie nun plötzlich voll im Mittelpunkt steht. Sicherlich ein Glücksfall für Nintendos bewegungstechnische Wunderkiste, doch gilt dies auch für die erwachsenen Kinogänger, die als brave Konsumenten nun gleich noch zu Hause die Klingen schwingen wollen? Denn oft genug stellt sich die Wii-Umsetzung eines Multiplattform-Spektakels als lieblos produziertes und technisch mittelmäßiges Massenprodukt heraus. Und ob dagegen selbst der populäre X-Man noch was ausrichten kann?
In dem Videospiel wird uns die gleiche Geschichte erzählt wie im Kino, allerdings nicht von Anfang an. Man steigt erst ein, als Wolverine mit seiner Freundin Kayla Silverfox zusammenlebt und mit dem Umhauen von Bäumen sein Geld verdient. Dieses Idyll hält aber nicht einmal einen Ladebildschirm lang vor, denn sofort gehen die ersten Holzfäller-Kollegen auf Wolverine los und der Spieler darf erstmals die Klingen springen lassen. Schon jetzt ist klar, dass es sich bei X-Men Origins: Wolverine um ein typisches Hack&Slay-Abenteuer handelt und dementsprechend nutzt man Wiimote und Nunchuk auch fast ausschließlich wie ein normales Gamepad: Mit dem Analogstick steuert man James Howlett aka Logan aka Woverine in Third-Person-Ansicht durch das Geschehen und mit den Aktions-Buttons führt man diverse Schlag-Combos aus.
Kaum sind die ersten Gegner besiegt, hält sich das Wii-Abenteuer auch weiterhin recht nah an die Vorgaben des Actionstreifens: Wolvi trägt sein erstes Duell gegen seinen Bruder Victor aus, lässt sich einen Adamantium-Einlauf verpassen, flieht aus der Festung vom fiesen Stryker usw. usf.. Dabei bekommt er es mit unzähligen 08/15-Soldaten und -Mutanten aber auch mit diversen Mittel- und Endgegnern zu tun, denen er allen die Wirksamkeit seiner Klauen eindrucksvoll und nachhaltig beweist. Dass dabei aber ein Großteil der Storyline nicht erzählt wird und man den Film kennen muss, um alles zu kapieren, ist zwar nicht schön, aber letztendlich für das eigentliche Gameplay nicht so wichtig.
Dass dieses ständige Häckseln auch den ausgeglichensten Mutanten nicht unberührt lässt, ist klar. Und so folgt bei unserem Helden ein Wutanfall dem nächsten. Angezeigt wird dies durch einen Balken im linken oberen Bildschirmrand, der sich durch die Auseinandersetzungen kontinuierlich füllt. Ist der Balken voll, kann man Logans Wut durch das Rütteln von Wiimote und Nunchuck freien Lauf lassen, wodurch sich seine eh schon immense Schlagkraft kurzfristig nochmals deutlich steigert. Ein weiterer Vorzug seiner mutierten Gene sind außerdem seine ausgeprägten Sinne: Diese werden durch die „+“-Taste aktiviert und ermöglichen es beispielweise, unsichtbare Gegner oder zerstörbare Hindernisse zu entdecken. Und ich weiß zwar nicht, ob die echten Wolverines (nordamerikanische Vielfraße) große Springer sind, doch zumindest gilt dies für den Helden des Games, der an fest vorgegebenen Stellen durch das Rütteln des Wiimote ungeahnte Höhen erreicht bzw. tiefe Abgründe überbrückt.
Jeder besiegte Gegner hinterlässt ein paar Pünktchen, die sich schnell zu einem recht großen Batzen summieren. Damit darf man im Pausenmenü verschiedene Upgrades einkaufen, wodurch Wolverines Gesundheitsbalken größer, seine Schlagkraft heftiger oder seine Sinne schärfer werden. Die Sinne der Spieler werden dagegen in den kleinen Rätseleinlagen gefordert, bei denen man z.B. Kisten verschiebt, um Durchgänge freizumachen, Terminals zerstört, um Türen zu öffnen, oder Logans Klingen mit Strom auflädt, um Sicherheitssysteme zu überlasten. Und schließlich hat das Game als weiteres Feature an bestimmten Stellen noch einige Quick Time Events zu bieten.
Optisch bewegt sich das Wii-Action Adventure leider nur mal wieder auf (immerhin gutem) PS2-Niveau. Der Held selbst macht noch eine gute Figur, die Standardgegner sind dagegen recht detailarm in Szene gesetzt und ähneln sich einmal mehr wie ein Klon dem anderen. Recht karg ist außerdem die gesamte Umgebungsgrafik in X-Men Origins: Wolverine ausgefallen. Die Animationen des Klingenschwingers gefallen mir dagegen recht gut, was vor allem für die abwechslungsreichen Combos gilt, mit denen er sich durch die Gegnerhorden kämpft. Leider kommt es dabei immer wieder einmal zu Unterbrechungen, bei denen die Action für ein, zwei Sekunden komplett einfriert.
Nerviger finde ich dagegen aber eindeutig die ständigen Ladezeiten: Die schlauchartigen, absolut linearen Levels sind in viele kleine Abschnitte aufgeteilt und kaum hat man eine Anzahl von Gegnern erledigt und die Tür zum nächsten Raum geöffnet, darf man erst einmal wieder einige Sekunden lang auf den unspektakulären Ladebildschirm glotzen. Ich halte es nicht für übertrieben, wenn ich behaupte, dass von der gesamten Spielzeit von ca. sechs Stunden annähernd ein Zehntel ausschließlich für Nachladen des nächsten Abschnitts draufgeht.
Das Menü und die gesamte Sprachausgabe wurden für den deutschen Markt lokalisiert, wobei leider nur mittelmäßig talentierte Synchronsprecher zum Einsatz kamen. An den Soundeffekten und der filmtypischen Hintergrundmusik gibt es dagegen kaum etwas auszusetzen.
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