Für euer Abendessen müsst ihr schon was tun!

PC-Review: Zeno Clash

09.05.2009 – Redakteur: Robin


Seite: 1 | Fazit

Mal ehrlich, wie fantasievoll sind Spiele denn heute noch wirklich? Eine schöne Welt, ein paar Orks, Elfen und Gnome dazu und schon hat man die Zutaten für das genreübliche Phantasy-Rollenspiel. Etwas wirklich Neues ist hier absolute Mangelware. Für sein erstes Projekt hat sich Entwickler ACE-Team daher wohl einfach all die links liegen gelassene Innovationen der letzten Jahre geschnappt, sie auf einen Haufen geworfen und anschließend „Zeno Clash“ getauft. Was hierbei rausgekommen ist? Eine der schrägsten und verrücktesten Szenarien aller Zeiten.

Väter und Mütter

Zeno ClashÜber die Geschichte möchte ich dabei gar nicht viel verraten, denn sie macht zu großen Teilen den Reiz des Spiels aus. Soviel sei gesagt: Ihr seid ein Mensch namens Gath und flüchtet zu Beginn von Zeno Clash aus einer Stadt, von einer kleinen Meute verfolgt. Ihr hättet ein Wesen namens Father-Mother getötet und würdet dafür büßen müssen. Eine junge Frau namens Deadra hilft euch zu entkommen und zunächst kennt ihr nur noch ein Ziel: So weit weg wie möglich, so schnell wie möglich. Während eurer Reise erzählt Gath immer wieder etwas über seine Vergangenheit, die ihr dann nachspielen dürft. So erfahrt ihr nach und nach, wer Father-Mother ist, wie ihr mit ihm/ihr in Verbindung steht und wieso er/sie sterben musste. Dies motiviert über das gesamte Spiel hinweg, denn Zeno Clash bietet einen hervorragenden Spannungsbogen, einige großartige Plottwists und nicht zuletzt tolle Charaktere.

Einfach laufen lassen

Zeno ClashViele von diesen werdet ihr schon am Anfang eurer Reise begegnen, wenn Gath über seine Vergangenheit bei den sogenannten Corwids erzählt. Es handelt sich dabei um Wesen, die zusammen irgendwo im Wald leben, vollkommen abgekapselt vom Rest der Welt. Sie haben sich losgesagt von allen Regeln der Gesellschaft und moralischen Grundsätzen. Allgemein werden sie nur noch als Wahnsinnige bezeichnet. Da gibt es etwa Oximeter, der eine Art große, verschlossene Taucherglocke statt eines Kopfes und riesige, sechseckige, gitterförmige Stahlplatten statt Füße besitzt. Ihr merkt, es ist nicht gerade einfach, die Wesen aus Zeno Clash verständlich zu beschreiben. Gath erzählt so, dass Oximeter immer - tagein, tagaus - einfach nur geradeaus lief. Als seine Begleiterin ihn fragt, aus welchem Sinn heraus er das macht, antwortet Gath schlicht, dass es nun mal das ist, was Oximeter tut. Oder er spricht von Gabel, einem großen, dicken sowie schweineähnlichen Wesen mit einer eisernen Fratze anstatt eines Gesichts, dass er ein Kannibale sei. „Wieso?“, fragt Deadra. „Wieso nicht?“, antwortet Gath. Auch hier soll nicht noch mehr verraten werden, denn nicht nur die Corwids sind so unglaublich abgefahren, dass man bei jedem neu vorgestellten Charakter einfach nur ungläubig staunen kann. Klischeehafte Figuren werdet ihr in diesem Titel definitiv nicht finden!

Ego-Fighter

Zeno ClashAuch das Kampfsystem hält sich kaum an Genrekonventionen. Waffen werdet ihr in Zeno Clash nur selten finden. Und wenn dies mal der Fall ist, sind sie viel mehr nettes Hilfsmittel als kampfentscheidendes Kriegsgerät. Man kann die verschiedenen Schusswaffen an einer Hand abzählen, aber wirklich schlimm ist das nicht. Denn ACE-Team hat sich ganz eindeutig auf den Nahkampf konzentriert und eure beste Waffe bleibt über die gesamte Spieldauer eure Faust. Insgesamt erinnert das Spiel hier ein wenig an das Konsolen-exklusive Condemned 2, nur dass die Auseinandersetzungen hier sehr viel flotter erfolgen. Mit der linken Maustaste verteilt ihr schnelle, dafür aber schwächere Schlagkombinationen. Und mit der rechten Maustaste startet ihr einen starken, dafür aber langsameren Schlag. Durch längeres Halten der Tasten bzw. das Laufen in eine bestimmte Richtung während des Schlagens ergeben sich viele verschieden effektive Schlagkombinationen. Treten tut ihr schlicht und einfach, indem ihr zum Boden schaut, während ihr auf die Maus hämmert. Blocken könnt ihr mit der Leertaste. Jedoch bleibt es nicht nur bei dieser simplen Möglichkeit, sondern ihr könnt mit dem richtigen Timing gegnerische Angriffe kontern, ausweichen oder sie parieren.

Durch die wenigen nötigen Tasten bleiben die Kämpfe immer leicht kontrollierbar und lassen sich toll steuern. Ein Gedanke daran, wie man nun noch einmal welche Aktion auslöst, ist nach einer kurzen Eingewöhnungszeit nicht mehr nötig. Etwas schade ist lediglich, dass man gegen die immer gleichen Feinde antritt und diese sich meist kaum voneinander unterscheiden. Da Gath seine Gegner zum Ende einer Schlacht meist nur ausknockt und nicht umbringt und ihr immer wieder auf verschiedenen Zeitebenen spielt, ist das zwar irgendwo verständlich, macht spielerisch aber trotzdem nicht sehr viel Sinn.

Nächste Ampel links

Zeno ClashEin weiteres Problem ist die strenge Linearität der Abschnitte. Es gibt wirklich nur einen einzigen vorgegebenen Pfad, den man keinen Zentimeter weit verlassen darf. Dadurch, dass ihr zudem nicht springen könnt, wird bereits ein hüfthoher Baumstamm zu einem unüberwindbarem Hindernis. Das wirkt einfach zu unglaubhaft und kratzt etwas an der ansonsten tollen Atmosphäre des Spiels. Da die Gebiete zudem meist ziemlich klein sind, gelegentlich bestehen sie nur aus einer Arena, in der ihr ein paar Gegner bekämpfen müsst, kam es mir immer so vor, als ob in meiner Bewegungsfreiheit zu stark eingeschränkt werde. Diese neue Welt macht einfach Lust auf mehr und eine so starke Restriktion hat den kleinen Entdecker in mir schon ziemlich enttäuscht. Weiterhin ist Zeno Clash recht kurz, nach spätestens fünf Stunden solltet ihr den Abspann gesehen haben. Danach habt ihr zwar noch die Möglichkeit, in Herausforderungen einfach möglichst viele Gegner zu verdreschen, ohne annehmbaren, geschichtlichen Rahmen verliert das aber recht schnell an Reiz.
Angesichts des sehr niedrigen Preises von 15 Euro ist das aber völlig okay.

Mehr als in Ordnung geht die Grafik. Zeno Clash verwendet eine sehr stark optimierte Version der Source-Engine, bietet die dafür typisch hervorragenden Charaktermodelle und knackscharfe Texturen. Lediglich die durch die stark begrenzten Levels bedingte, kaum vorhandene Weitsicht trübt hier das Bild.


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