21.07.2009 – Redakteur: Jan
Seite: 1 | Fazit
Die Harry Pottermanie neigt sich dem Ende zu. Das letzte Buch rund um den jungen Zauberlehrling ist bereits seit längerem erschienen und auch die nachhängenden Filmumsetzungen gehen zum Endspurt über. Mit „Harry Potter und der Halbblutprinz“ läuft nun der Film zum sechsten und vorletzten Roman in den Kinos an. Der vorletzte Film ist es übrigens noch nicht, denn der letzte Roman wird storymäßig aufgrund des Umfangs auf zwei Filme verteilt werden. Uns gruselt es schon, wenn EA dann auch die offizielle Videospielumsetzung splittet.
Sowohl die Filme als auch die Spiele sind seit den ersten Teilen zuletzt merklich düsterer und erwachsener geworden, was zum ebenfalls älter werdenden Harry sicherlich passt. Vor allem die Spiele haben sich stark gemausert, waren die Umsetzungen von Teil 1 und 2 noch kindliche Jump&Run-Titel, dürfte „Der Orden des Phönix“ sogar ältere Spieler angesprochen haben. Mit seiner freien Spielwelt in Form der Zauberschule von Hogwarts und ansprechenden Rätselaufgaben hatte ich damals tatsächlich Spaß mit dem Spiel und war demzufolge auf das neue Werk gespannt. Grundsätzlich hat EA am Gerüst des Vorgängers wenig geändert. Abermals dürft ihr mit Harry aus der Third-Person-Ansicht das Schloss sowie die nahe Umgebung frei erkunden. Über Geheimtüren kürzt ihr die zum Teil langen Fußwege gelegentlich ab, nebenbei entdeckt ihr versteckte Wappen oder andere Objekte, die kleinere Boni oder Zusatzfertigkeiten für Harry freischalten. Da Hogwarts Hogwarts bleibt und sich auch ein Zauberschloss nicht innerhalb eines Schuljahres grundlegend verändert, dürfte Spielern des Vorgängers die Welt extrem bekannt vorkommen. Es gibt natürlich ein paar neue Räume oder das wieder entdeckte Quidditch-Feld, aber ansonsten hatte ich beim Spielen zu viele Déjà-vus.
Leider mangelt es dem Halbblutprinzen an interessanten Rätseln. Im Prinzip werdet ihr nur wild durch Hogwarts geschickt. Hier ein Botenjob, da ein Freundesdienst und dann wieder einen Unterrichtsraum aufsuchen, der am anderen Ende des Schlosses liegt. Gerade wenn ich hier an Rockstars „Bully“ mit seinen abwechslungsreichen Missionen im Schulalltag denke, seht ihr das verschenkte Potenzial der Harry Potter-Spiele. Stattdessen werdet ihr abermals wild durch die Geschichte der Buch- und Filmvorlage gehetzt. Ohne Kenntnis von Roman oder Film versteht ihr nur Bahnhof, denn die Sprünge in den Zwischensequenzen sind abenteuerlich und nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Wichtige Ereignisse werden übersprungen, bei eurer nächsten Aufgabe aber als bekannt vorausgesetzt, typisch für eine absolut lieblose Filmversoftung.
Spannung kommt daher zu keinem Zeitpunkt auf, immerhin zaubert die gelungene Nachbildung von Hogwarts samt gut modellierter Charaktere durchaus Harry Potter-Atmosphäre auf den Bildschirm, die tolle deutsche Sprachausgabe samt des bekannten Soundtracks tut ihr Übriges. Doch das war schon im Vorgänger nicht anders, technische Verbesserungen konnte ich jedenfalls gegenüber dem Orden des Phönix nicht feststellen. Dabei hätten die Entwickler doch wirklich ausreichend Zeit gehabt. Denn eigentlich sollte der Halbblutprinz bereits letzten Herbst in die Kinos kommen, wurde dann aber aufgrund des guten Einspielergebnisses von The Dark Knight aus Bilanzgründen in das nächste Geschäftsjahr verschoben, was natürlich auch für EAs Spiel galt. Somit hatten die Produzenten im Grunde gut zehn zusätzliche Monate, die aber scheinbar bis auf den Einbau von ein paar Komfortfunktionen kaum genutzt wurde. Immerhin müsst ihr keine Angst mehr haben, euch in Hogwarts zu verlaufen. Auf Wunsch weist euch der kopflose Nick den Weg und an allen Aufgängen oder Türen sind kleine Infotafeln angebracht.
Die größte Neuerung im frischen Harry Potter sind einige Minispiele, die in den Spielablauf eingebaut sind, aber auch separat gestartet werden können. Dazu gehört beispielsweise das Herstellen von Zaubertränken. Aus diversen Zutaten müsst ihr hier unter Zeitdruck einen ordentlichen Trank brauen. Was sich eingangs ganz nett und unterhaltend spielt, verkommt auf Dauer aber leider zu lästiger Routine und Arbeit. Zudem macht die Steuerung einen Strich durch die Rechnung, es ist ungemein schwer, eine Zutat auch wirklich über dem Kochkessel loszulassen. Ein weiteres Minispiel sind die Zauberduelle, die es in ähnlicher Form schon in den Vorgängern gab. Die Zaubersprüche führt ihr hierbei mit dem rechten Analogstick aus, was recht gut funktioniert. In der Praxis benötigt ihr die verschiedenen Zaubersprüche aber nicht, ich konnte fast alle Duelle mit simplen Button-Smashing gewinnen. Noch weniger gehaltvoll sind die zurückgekehrten Quidditchspiele. Die Trainings- und Spielsessions laufen leider weitestgehend automatisch ab. Frei herumfliegen dürft ihr auf dem Besen nicht, euer Aktionsspielraum ist sehr begrenzt. Und ob ihr letztlich durch die Sterntore fliegt oder nicht, ist für den Ausgang des Matches fast egal, am Ende fängt Harry den Schnatz automatisch.
Derart simpel ist leider das gesamte Gameplay, welches nur aus einem Mix aus diesen Minispielen und ödem Herumlaufen in Hogwarts besteht. Irgendwie macht das alles den Anschein, als ob die Wii primäre Entwicklungsplattform gewesen sei, denn mit der Bewegungssteuerung kann man sich die Minispiele noch halbwegs vorstellen. Doch die erwachseneren Spieler von PS3 oder Xbox360 werden so leider vor den Kopf gestoßen und suchen vergeblich etwas anspruchsvollere Kost.
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