Für euer Abendessen müsst ihr schon was tun!

Playstation 3-Review: Call of Juarez: Bound in Blood

07.08.2009 – Redakteur: Robin


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Preisfrage: Was macht man, wenn man ein überraschend erfolgreiches Spiel entwickelt hat, Geld nicht unbedingt abgeneigt ist, sich aber auf Teufel komm raus keine Idee zeigen will, wie man dieses Spiel fortsetzen könnte? Richtig, man macht ein Prequel! In aller Regel sind diese „Vorgänger“ dann eher von minderwertiger Qualität und entpuppen sich lediglich als sinnloses Weitermelken einer erfolgreichen Cash-Cow. Ebenfalls alte Tradition: Die Geschichten in solchen Titeln sind oft langweilig, unnötig und haben kaum Konsequenzen, schließlich steht ja schon fest, wie das Prequel endet. Glücklicherweise pfeift Call of Juarez: Bound in Blood auf all diese Konventionen und zeigt: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Aufgesattelt

Call of Juarez: Bound in BloodWir erinnern uns: Zu Beginn von Call of Juarez wird Priester Ray Zeuge, wie sein Bruder Thomas samt Frau umgebracht wird. Da es zunächst so wirkt, als sei Billy, der Sohn von Thomas, der Täter, beginnt eine Jagd durch halb Amerika. Dabei entwickelte sich eine schöne Geschichte um einen alten Goldschatz, Banditen und den halb wahnsinnigen Ray, der wie von Sinnen seinem Neffen nachhetzte. Vor allem das ansonsten viel zu stiefmütterlich behandelte Western-Szenario gab dem Ganzen eine frische Note. Bound in Blood erzählt nun, wie aus Ray der mit Bibelzitaten um sich werfende und religiöse Fanatiker wurde und es zu den genannten Ereignissen kommt. Im Vorfeld gibt es hier jedoch schon ein nicht unwesentliches Problem. Jeder, der 2006 den ersten Teil gespielt hat, weiß schon, wie diese Geschichte enden wird. In einer kurzen Ladezeit für eines der letzten Level von Call of Juarez beschreibt Ray nämlich exakt das, was man in Bound in Blood nachspielt. Somit ist es tatsächlich angebracht, zuerst den zweiten und erst danach den ersten Teil zu spielen.

Zwar kann die erzählte Geschichte absolut überzeugen, selbst wenn sie bereits bekannt ist, die ein oder andere überraschende Wendung wird durch Spielen der ersten Episode allerdings vorweg genommen. Umso bezeichnender ist es, dass die hier präsentierte Story um die beiden Brüder Ray und Thomas trotzdem zu den bewegendsten und am besten erzählten Abenteuer der letzten Zeit zählt. Dies liegt weniger an dem ganzen Drumherum, wie etwa der namensgebenden Jagd nach Juarez, sondern viel mehr an den beiden Protagonisten. Das Spiel ist eine Charakterstudie, eine perfekte strukturierte Erzählung über das unbewusste aber stetige Ablegen von Prinzipien und Hemmungen. Es ist eine unglaublich schwierige Aufgabe, die im Spiel stattfindende Wandlung der beiden Brüder glaubhaft rüberzubringen, doch Techland meistert sie ohne Probleme.

Abgeknallt

Call of Juarez: Bound in BloodIn englischsprachigen Foren macht unter PClern momentan der Begriff „consolized“ die Runde. Gemeint ist damit zumeist, dass ein ehemals für den PC zugeschnittenes Spiel um einige Elemente erleichtert oder an dessen Komplexität geschraubt wird, damit der Titel anständig auf einer Konsole spielbar ist. Als gern genommenes Beispiel dient hier etwa „F.E.A.R. 2: Project Origin“. Gegenüber dem ersten Teil wurde der Schwierigkeitsgrad ordentlich runtergedreht, die gesamte Steuerung, der Menüaufbau etc. sind auf die Bedienung mit einem Controller ausgelegt. Das wird besonders auffällig, wenn man den für den PC ausgelegten Vorgänger gespielt hat.

Fast genauso lief es nun auch bei Call of Juarez: Bound in Blood ab. Während der erste Teil zunächst ausschließlich für PC entwickelt und erst später auf die Xbox 360 portiert wurde, wurde Bound in Blood für Xbox 360 und PS3 produziert und auf den PC umgesetzt. Wie bei F.E.A.R. 2 ist das am eindeutigsten erkennbar an der Steuerung. Um seine Waffen auszuwählen, benutzt man einfach den Analogstick und zeigt mit ihm im aufloppenden, kreisrunden Menü auf die entsprechende Waffe. Ähnlich gut funktionieren auch die Duelle auf der PS3. Am Ende fast jeden Levels wartet ein Gegner auf euch, der ganz nach alter Tradition in einem Kampf, Mann gegen Mann, erledigt werden will. Ihr steuert nun mit dem linken Stick den Charakter eurer Wahl (dazu später mehr) und mit dem rechten seine Hand. Er hält dabei die Hand knapp über dem Pistolenholster. Wenn ihr mit dem Analogstick nun nach unten zeigt, greift ihr nach der Pistole und könnt mit dem richtigen Timing euren Feind in Zeitlupe reichlich Blei in den Körper pumpen. Die Zielhilfe dagegen ist selbst für Konsolenverhältnisse zu stark ausgefallen. Besonders wenn ihr zwei Revolver gleichzeitig benutzt, fliegen die beiden Fadenkreuze schon mal quer über den Bildschirm, um automatisch den nächstbesten Kopf anzuvisieren. Mit einer eher subtilen Unterstützung wie in Halo 3 oder Killzone 2 hat das absolut gar nichts mehr zu.


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