13.10.2009 – Redakteur: Andy
Wisst ihr eigentlich, warum ich Previews hasse? Egal, ob ich sie lese oder selber schreiben muss? Lest meinen Test zu “Scribblenauts“ und ihr kennt die Antwort.
Ein Spiel wie “Scribblenauts“ gibt es nur alle Jubeljahre. Wahrscheinlich dank eines einzigen Videos mauserte sich ein zu Jahresbeginn noch völlig unbekannter Nintendo DS Titel zum Hoffnungsträger 2009. Beim Kampf Cthulu gegen Gott mit Schrotflinte verschlug es jedem die Sprache. Und hinter “Scribblenauts“ steckt noch so viel mehr: Die Entwickler wälzten monatelang Wörterbücher und integrierten über 10.000 Objekte, um das wahrscheinlich umfangreichste Denkspiel aller Zeiten zu schaffen. Löse jedes Rätsel, wie du es magst und eine Vorführung auf der gamescom ließ keinen Zweifel an der Brillanz des Spieles festmachen.
Es existiert keine Story. Wozu auch? “Tetris“ brauchte auch keine. Vom Tutorial abgesehen gibt es satte 220 Levels, die in die Kategorien „Action“ und „Puzzle“ eingeteilt sind. Lasst euch von dieser Trennung nicht verwirren: Die Unterschiede halten sich in Grenzen. In beiden Fällen müsst ihr den Starite einsammeln, nur das ihr diesen bei einem „Action“-Rätsel im Vorfeld seht und bei einem „Puzzle“-Level eben nicht. Dafür gilt es eine kleine Aufgabe zu lösen. Diese reicht vom Verköstigen eines Kindes, über das Retten eines Schiffbrüchigen bis hin zum Beerdigen einer Leiche. Habt ihr den Job korrekt ausgeführt, so taucht der Starite meist in eurer direkten Nähe auf. Euer Alter Ego heißt Maxwell und ist die wohl mächtigste Spielfigur auf Erden. Öffnet die Ingame-Tastatur und tippt ein beliebiges Wort ein. Daraufhin taucht der entsprechende Gegenstand in der Spielwelt auf und kann auf verschiedene Arten eingesetzt werden. Praktisch jedes Objekt lässt sich verschieben und eingeschränkt drehen. Kleine Dinge, wie z.B. Löffel, Schwert oder Schläger, könnt ihr Maxwell in die Hand drücken. Klickt etwas an, für das mehrere Aktionsmöglichkeiten bestehen, und ein kleines Menü ploppt auf: Wollt ihr die Kiste leeren oder mit der Blume in eurer Hand füllen? Möchtet ihr die Vase aufnehmen oder mit eurem Schwert kaputt schlagen? Werft ihr den Ball gegen das Haus oder legt ihr ihn hinein?
Ein Seil oder etwas Klebstoff lassen sich an bestimmte Ankerpunkte eines bereits vorhandenen Objektes befestigen, so dass ihr mehrere miteinander verketten könnt. Maxwell ist zudem in der Lage, in einige größere Dinge, beispielsweise ein Auto, ein Boot oder ein Fahrstuhl, einzusteigen, um sie von innen zu benutzen. Natürlich fehlt es nicht an Personen und Tieren, wobei im Falle der Menschen sogar diverse Berufszeichnungen vom Polizist bis zum Koch funktionieren.
Jedes Objekt besitzt einige Regeln, mit denen ihr umgehen müsst. Am auffälligsten ist die Größe, die nämlich nirgends variabel ist. Ein Flugzeug mag nützlich sein, um schnell an einen anderen Ort zu gelangen. Nur ist das Teil so riesig, dass es nicht durch enge Gänge passt. Andersherum entpuppt sich eine Standardtreppe als recht klein, weshalb sie für höhere Hürden nur bedingt brauchbar ist. Lebewesen sind freundlich oder feindlich gesinnt: Ein Ritter dient zum Schutz, ein Raufbold hingegen verprügelt sogar Maxwell, sollte kein anderes Opfer in der Nähe stehen. Tiere haben Angst vor Feuer und laufen entsprechend weg. Während Kuh und Schwein treu zum Bauern traben, läuft die Katze eigensinnig durch die Gegend. Benutzt einen Teleporter und ihr landet per Zufallsgenerator in einem anderen Level. Zwei Konzeptelemente schränken eure Freiheiten absichtlich ein: Zum einen dürft ihr nicht unendlich viele Dinge herbei zaubern. Auf dem oberen Bildschirm seht ihr eine Energieleiste, die sich bei jedem Objekt mehr oder weniger füllt. Ist die Leiste voll, so müsst ihr euch von mindestens einem Gegenstand trennen, bevor ihr weitere erschafft. Zum anderen existiert für jeden Level eine PAR-Grenze. Wenn ihr ein Rätsel mit weniger Gegenständen gelöst habt, als es das PAR vorschreibt, dann erhaltet ihr einen Punktebonus. Habt ihr hingegen mehr benötigt, so gibt es einen Punktemalus. Genauer gesagt handelt es sich nicht um Punkte, sondern um Ollars: Mit denen schaltet ihr eine der zehn Spielwelten, eine alternative Spielfigur oder ein Musikstück für das Soundmenü frei. Zudem verdient ihr mehr Ollars, je schneller ihr ein Rätsel übersteh und je kreativer ihr seid. Sind alle 220 Levels geschafft, dann ist nicht zwingend Schluss: Startet ein bereits gelöstes Rätsel erneut und die Regeln verschärfen sich dramatisch. Nun müsst ihr nämlich zeigen, dass ihr ein Problem auf drei verschiedene Arten bewältigen könnt. Sprich: Findet drei Lösungswege mit jeweils unterschiedlichen Objekten. Last but not least könnt ihr jeden vorgegebenen Level neu editieren beziehungsweise darin eine eigens ausgedachte Aufgabe basteln.
Bis hierhin hört sich “Scribblenauts“ traumhaft an und mein Lob macht auch vor dem Leveldesign nicht halt. Obwohl ihr unbeschreiblich viele Möglichkeiten habt, sind einige Rätsel wirklich biestig. Natürlich gibt es diverse Hürden, die ihr immer auf die gleiche Weise lösen könntet: Wollt ihr fliegen, so zaubert ihr Flügel herbei. Möchtet ihr eine höhere Ebene erreichen, dann genügt auch eine Leiter. Gilt es einen Abgrund zu überbrücken, so kommen zwei Türme mit einem Seil dazwischen gespannt in Frage. Doch gleichzeitig steigt mit jedem weiteren Level das Bestreben, eine andere, neue, innovativere Lösung auszutüfteln. Schließlich ist die Neugier groß, weitere lustige Details der Spielwelt zu erleben.
Nach all der Euphorie steigt gleich von Wolke sieben herunter: Jetzt kommt die Kritik und die wird böse. Richtig böse.
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