01.04.2004 – Redakteur: Andy
Das Adventure-Genre mag noch nicht rehabilitiert sein, aber es ist auf dem besten Wege dorthin: Nach ´Baphomets Fluch 3´, ´Tony Tough´, ´Runaway´ & Co. kommt nun ein weiteres, klassisches Point´n´Click Adventure auf den Markt, diesmal aus spanischen Landen. ´The Westerner´ ist die Fortsetzung des recht unbekannten Spieles ´3 Skulls of the Toltecs´, welches netterweise auf einer Extra CD beiliegt. Während der damalige Versuch, LucasArts-Adventures Paroli zu bieten, nicht ganz gelang, macht der Nachfolger deutlich mehr Spaß.
Unser Held heißt Fenimore Fillmore und ist, der Spiele-Titel lässt es schon erahnen, ein echter Cowboy. Wir befinden uns mitten im Wilden Westen, während Fenimore auf der Suche nach neuen Abenteuern Zeuge eines klassischen Konfliktes wird. William Starek, vermögend wie korrupt, hat die Macht über seiner Stadt, treffend Starek-City genannt. Nach und nach eignet er sich sämtlichen Grundbesitz aller ansässigen Farmer an, egal ob mit Geld oder mit Gewalt. Nur noch zwei Farmen sind übrig: Jene von Joe Banister und die von Alvin Jones. Fenimore erklärt sich bereit, auf der Seite der Unterdrückten zu kämpfen und Starek die Stirn zu bieten. Und so nebenbei macht er Bekanntschaft mit dessen Nichte Rhiannon Starek, deren Anblick den guten Fenimore gleich doppelt animiert, ein echter Held zu werden...
Eure Aufgabe besteht aus mehreren Teilen, deren Lösung ihr recht beliebig angehen könnt. Ihr reitet ständig zwischen den Farmen, einer Schule, der Stadt und Stareks Ranch hin und her. Hier kommt gleich einer der nervigsten Aspekte des ganzen Spieles ans Tagelicht: Um von einem Ort zum anderen zu gelangen, müsst ihr mit eurem Pferd reiten. Dieses soll regelmäßig gefüttert werden, genau genommen braucht ihr ständig Karottennachschub. Zwar könnt ihr in der Stadt selbiges Gemüse kaufen, aber anfangs habt ihr nur die Möglichkeit, die Felder der beiden Farmen zu bewässern und die innerhalb weniger Sekunden aus dem Boden sprießenden Karotten zu pflücken. Diese Prozedur ist schon beim ersten Anlauf nicht sehr spannend und wird zum Nerv-Faktor Numero 1 des gesamten Spieles.
Dafür ist das restliche Spiel-Design außergewöhnlich gut gelungen: Fast alle Rätsel sind logisch nachvollziehbar und auch das Suchen von Gegenständen ist nicht so nervig wie bei vielen anderen Vertretern des Genres. Letzteres wird auch dadurch abgemildert, dass ein paar Gegenstände doppelt vorhanden sind, z.B. könnt ihr sie entweder in der näheren Umgebung finden oder bei einem Krämerladen einkaufen. Allgemein ist das Design vielleicht ein wenig zu klassisch, echte Innovationen sind Mangelware. Was mir nicht so gut gefallen hat, ist der Umfang: Zwar habt ihr das Spiel nicht an einem Nachmittag durchgespielt, aber die Welt des Wilden Westen ist arg klein geraten, so könnt ihr fast schon von Begin an sämtliche zu erreichenden Ortschaften besuchen. Dies wird durch Story, Dialoge und Charaktere locker wett gemacht: ´The Westerner´ ist eines der ganz seltenen Exemplare der Adventure-Geschichte, die wirklich witzig sind. Die Anzahl der müden Gags ist erstaunlich gering, dafür regieren feine Dialoge, Slapstick und vor allem abgedrehte Persönlichkeiten. Allein Sheriff Slocums Ermittlungsmethoden sind subtil wie brillant zugleich.
Lob gibt es auch für die Hilfestellungen, welche dem Spieler gegeben werden: Personen geben sinnvolle, aber vorsichtige Hinweise. Beim Krämer könnt ihr drei verschiedene Zeitungen kaufen, deren jeweiliges Leitthema euch bei einem bestimmten Part des Spieles weiter hilft. Wenn mir etwas beim Rätsel-Design nicht gefällt, dann dass der Schluss etwas holprig wirkt. Hier scheint den Programmieren schlichtweg die Zeit ausgegangen zu sein. Und manche Charaktere, allen voran William Starek selber, kommen ein wenig zu kurz, d.h. sie werden viel zu selten gezeigt und es baut sich kein richtiges Feindbild auf. Auch Rhiannon hätte man ruhig öfters auftreten lassen sollen, von ihrem in der Anleitung groß angekündigten Pseudo-Verlobten mal ganz abgesehen. Und ein Rätsel hat mir ganz und gar nicht gefallen: Ohne zu viel zu verraten, haben sich die Designer die berühmt-berüchtigten Beleidigungskämpfe aus Monkey Island als Vorbild genommen und eine etwas verunglückte ´Trinker´-Variante eingebaut, bei deren Verlauf ich ziemlich geflucht habe. Aber das sind im Ganzen gesehen Kleinigkeiten, größere Genre-Vertreter wie ´Baphomets Fluch 3´ haben in meinen Augen noch mehr Probleme, als ´The Westerner´.
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