16.11.2009 – Redakteur: Matthias
Man mag es kaum glauben, aber es ist bereits unfassbare sieben Jahre her, dass uns Bioware zuletzt ein reinrassiges Fantasy-Abenteuer beschert hat. Doch es stimmt, denn auf Neverwinter Nights (2002) folgten die Weltraum-Ausflüge Star Wars: Knights of the Old Republic (2003) und Mass Effect (2007), das asiatische angehauchte Jade Empire (2005) sowie die NDS-Igelei Sonic Chronicles: The Dark Brotherhood (2008). Da war es wirklich höchste Zeit für ein Dragon Age: Origins, schließlich brauchen alle Zwergen-Freunde, Elfen-Anbeter und Zauber-Zampanos regelmäßig Nachschub. Aber nur, weil wir nun wieder einmal mit holden Maiden, rüstigen Recken und düsteren Drachen herumtollen dürfen, heißt dies noch lange nicht, dass es sich dabei auch um ein gutes Game handelt. Doch wenn sich Bioware damit beschäftigt, dann kann doch eigentlich gar nichts schief gehen. Oder?
Die Storyline dürfte schon einmal alle Fantasy-Begeisterten erfreuen, denn sie erfüllt die standardmäßigen Klischees eines unbedarften Helden, der durch das Schicksal dazu gezwungen wird, sich einer nahezu unbesiegbaren, bösen Macht entgegenzustellen. Genauer gesagt geht es um die verheerende Dunkle Brut, die alle paar Jahrhunderte aus der Unterwelt ausbricht und durch die Fantasy-Welt Ferelden eine blutige Schneise von Tod, Zerstörung und Chaos zieht. In der Vergangenheit gelang es den vereinten Armeen der Menschen, Elfen und Zwerge immer wieder, den Sieg zu erringen, doch dies nur dank des Ordens der Grauen Wächter, dessen einzige Aufgabe genau darin besteht, den drachenähnlichen Erzdämon und seine fiesen Bande niederzuknüppeln. Endgültig ausgeschaltet wurde die Dunkle Brut dabei allerdings nie, und wie es scheint, ist es jetzt wieder soweit, dass sie sich erneut zu einer sogenannten „Verderbnis“ erhebt.
Wir dürfen in dieses Geschehen mit unserem via Editor zusammengebastelten Helden auf höchst unterschiedliche Weise einsteigen, denn abhängig davon, welches Geschlecht, welche der drei oben benannten Rassen und welche Klasse (Kämpfer, Zauberer, Schurke) Ihr zu Beginn von Dragon Age: Origins wählt, bekommt Ihr eine andere von insgesamt sechs Herkunftsgeschichten erzählt. So müsst Ihr Euch zu Beginn beispielsweise als junger menschlicher Adliger mit dem Verrat eines Verbündeten und dem Tod der eigenen Eltern auseinandersetzen oder Euch als Elfenmädchen ausgerechnet an Eurem Hochzeitstag mit lüsternen menschlichen Rüpeln herumplagen, die Euch auf ihr Schloss entführen. All diese Geschichten haben eines gemeinsam: Es kommt darin jedes Mal der Graue Wächter Duncan vor, der Euch am Ende rekrutiert, damit Ihr mit ihm zur großen Schlacht nach Ostagar zieht, wo Ihr Eure Aufnahmeprüfung für Duncans Orden ablegen sollt.
Bis zu diesem Punkt hat Euch das Spiel in die Steuerung eingewiesen, die an frühere Bioware-Abenteuer erinnert und sich wohltuend von den zuletzt stark in Mode gekommenen Action-RPGs à la Oblivion, Risen oder Fallout 3 unterscheidet. Ihr metzelt Euch in Dragon Age: Origins nämlich nicht mit einem Solo-Helden in Hack&Slay-Manier durch die Gegnerreihen, sondern Ihr befehligt einen Trupp von bis zu vier wackeren Recken. Zwar ist es grundsätzlich möglich, alle vier Charaktere auf einmal zu markieren und sie gemeinsam in eine Richtung zu steuern, im Normalfall schlüpft man aber in die Rüstung eines einzigen Helden und überlässt der K.I. die Kontrolle über das restliche Trio. Damit Eure Kampfgefährten aber nicht wie ein wildgewordener Hühnerhaufen über die Schlachtfelder wetzen, bietet der Titel ein sehr einfaches, aber trotzdem höchst effizientes Taktik-Menü, in dem Ihr deren Verhalten bestimmt. Ist die Magierin nur für effektive Angriffszauber gut oder soll sie auch ein Auge auf die Gesundheit Eurer Ritter werfen? Setze ich den Schurken nur im Fernkampf mit Pfeil und Bogen ein oder soll er sich auch mit gezücktem Schwert ins Getümmel werfen? Und wie soll sich der Ritter verhalten, wenn er von mehreren Gegnern bedrängt wird und fast seine gesamte Gesundheit aufgebraucht ist? All dies und noch viel mehr lässt sich in dem Menu einstellen.
Auch den von Euch gewählten Charakter kontrolliert Ihr in Auseinandersetzungen nicht in vollem Maße. Ihr dürft Euch zwar frei in einem Areal bewegen, Gegenstände einsammeln und den nächsten Kontrahenten anvisieren, doch im Kampf selbst bestimmt man nur die Angriffsvariante bzw. die nächste Aktion und kann dann nur hoffen, dass die Pfeile bzw. Schwerthiebe treffen oder der gerade ausgewählte „Präzise Schlag“ oder „Schnelle Schuss“ auch voll reinhaut.
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