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PC-Review: Runaway: A Twist of Fate

11.12.2009 – Redakteur: Andy


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Einer meiner ganz speziellen Freunde ist zurück, “Runaway“ geht in die dritte und angeblich letzte Runde. Egal, welche Schwächen der erste Teil auch hatte: Pendulo Studios reanimierte 2001/2002 ein bereits tot geglaubtes Genre, indem es Dutzende europäische Teams zur Nachahmung und zum Erbantritt der LucasArts-Ära forcierte. Der zweite Teil steht dafür auf meiner „Love-Hate“-Liste ganz weit oben: Die ersten drei Kapitel wischten mit der Konkurrenz den Boden auf, in den letzten drei demontierte sich das Spiel selbst. Anstatt einer wohl durchdachten Geschichte mit den besten Adventure-Bösewichtern der letzten zehn Jahre ein formvollendetes Finale zu gönnen, blieben wir mit einer unsinnigen “Monkey Island“-Hommage und einem katastrophalen Amnesie-Nebenplot zurück. Am Ende hat Brian die anfangs gesuchte und angeblich von Außerirdischen entführte (!) Gina nicht wieder gefunden. Stattdessen gab es einen lächerlichen, um nicht zu sagen unspannenden Cliffhanger.

Guinnesbuch der Rekorde-Eintrag für „schnellste Storywendung in einem Spiel“

Runaway: A Twist of FateDer Start von “A Twist of Fate“ setzt noch einen oben drauf: Brian ist tot. Angeblich habe er Colonel Kordsmeier, einen der “Runaway 2“-Schurken, umgebracht, wurde wegen Unzurechnungsfähigkeit in eine Psychiatrie verfrachtet und kam bei einem Fluchtversion ums Leben. Gina trauert noch in schwarzer Montur vor seinem Grab, als sie alleine gelassen einen Anruf entgegen nimmt. Demnach ist Brian gar nicht tot und die ganze Beerdigung eine von ihm sowie ihr eingefädelte Inszenierung. Die Geschichte dreht sich primär um den Mordfall, das Entlarven des wahren Schuldigen und der Flucht vor dessen Handlangern. Zudem spielen einige Kapitel in der Vergangenheit und zeigen, was bei Brians Flucht aus der Anstalt wirklich geschehen ist.

Brian ist nicht tot. Das wusste ich bereits beim gamescom-Vorführtermin, weil ich aufgrund der harten Prämisse gleich nachgefragt hatte: „Ist er wirklich tot?“. Bevor jemand motzt: Ich durfte es damals natürlich nicht verraten, was ich zugunsten des Überraschungsfaktors auch einsah. Nun ging ich davon aus, dass der Spieler diesen Kniff erst ab der Hälfte des Adventures oder noch später erfahren würde. Wahrscheinlich hätte ich einen solchen Story-Zwist als abgedroschen bezeichnet, aber dass man ihn nach nicht einmal fünf Minuten um die Ohren geknallt bekommt - das ist seltsam. Warum wurde dieser „Schocker“ im Vorfeld dermaßen plakativ beworben, wenn er im Spiel nicht mal das Intro standhält? Selbst der Text der Verpackungsrückseite behauptet stur, dass ihr in diesem Spiel „das Geheimnis um Brians Tod“ lösen müsstet.

Davon abgesehen: Wie passt überhaupt der Anfang von “A Twist of Fate“ mit dem Ende von “Runaway 2“ zusammen? Die Antwort erhaltet ihr erst im letzten Drittel des Spiels und sie ist abenteuerlich bescheuert. Und das meine ich im positiven Sinne: Anscheinend hat Pendulo Studios selbst eingesehen, was sie da für einen Mist verzapft haben, und ziehen es nun komplett ins Absurde. Weh tut mir allerdings das Verheizen der Bösewichte Kordsmeier und Tarantula, die zwar einen kurzen Auftritt haben (teilweise in Rückblenden, teilweise in der Gegenwart), jedoch deren Potenzial man bei weitem nicht ausschöpft. Da hat Pendulo einen Royal Flush versenkt, denn gerade Colonel Kordsmeier hätte der König unter den Adventure-Fieslingen werden können.

Alternativtitel gefunden: „Runaway – Diesmal ohne Stolperstein“

Runaway: A Twist of FateWird es wieder eine Schimpftirade, wofür mich meine lieben Fans hassen werden? Nein, diesmal nicht. Dafür sorgen allein der Humor, die Dialogqualität und die Detailverliebtheit, vor der sich die Konkurrenten fürchten sollten. Die Charaktere haben Charme, die Inszenierung der meisten Sequenzen ist gelungen und das Szenario ist herrlich abwechslungsreich. Besonders gut gefallen mir Brians Kameraden in der Anstalt: Jeder von ihnen hat einen wahrlich sonderbaren „Tick“, der meist komisch und manchmal sogar traurig-dramatisch aufgearbeitet wird. Marcel ist mit seinen Pantomimen-Nummern ganz klar das Highlight unter den Highlights. Von ihm erhaltet ihr sogar imaginäre Gegenstände (!), die wunderbar zum Rätseldesign passen.


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