20.01.2010 – Redakteur: Sven
Seite: 1 | Fazit
Hach, eigentlich könnte die Welt so schön sein - also die virtuelle. Mit tollen Simulatoren von Rondomedia würde ich mich als Feuerwehrmann, Dixie-Klo-Aufsteller, Diktator, Bauer oder Pornodarsteller versuchen. Doch die Realität sieht leider etwas anders aus, denn die meisten Simulatoren - auch von Astragon oder UIG - scheitern trotz an sich guter Ideen an schlechten Umsetzungen. Glücklicherweise gibt es ein paar Ausnahmen, im aktuellen Fall der „German Truck Simulator“.
Es ist nicht verwunderlich, dass der „German Truck Simulator“ im Großen und Ganzen ein solides Spiel geworden ist. Denn die Entwickler von SCSSoft besitzen eine jahrelange Erfahrung im Fahrsimulations-Bereich, beispielsweise stammt die „18 Wheels of Steel“-Serie von dem Studio. Jetzt widmet man sich dem schönen Deutschland. Ihr sollt mit eurem Laster quer durch die Republik tuckern, um Güter von A nach B zu bringen. Damit das nicht nach drei Sekunden in Langeweile ausartetet, wurde dem Titel eine komplette Karriere spendiert. Zu Beginn sucht ihr euch eine von drei Speditionen aus, erhaltet einen lahmen Truck und eine erste Lieferung. Diese müsst ihr natürlich innerhalb eines Zeitlimits in irgendeine Stadt bringen. Abhängig von der Dringlichkeit des Transportes erhaltet ihr beim erfolgreichen Erfüllen der Aufgabe mehr oder weniger Geld. Doch fahrt ihr wie ein Henker über die Autobahn und beschädigt den Inhalt eures Containers, winken Polizeistrafen und Abzüge beim Gehalt. Nicht unerwähnt sollte die Art der Waren bleiben. Denn manchmal müsst ihr mit Öl, Säuren oder gefährlichen Chemikalien hantieren, hier benötigt man aber genügend Erfahrung, kann sich aber besser für den Job bezahlen lassen.
Was ist nun der Sinn dieser Karriere? Nun, später könnt ihr euch selbständig machen, neue bzw. bessere LKWs erwerben, Wagen aufrüsten und sogar komplett zum Manager aufsteigen. Mit eurem Fuhrpark und Angestellten lässt sich natürlich mehr Mammon verdienen. Bis dahin gibt es tatsächlich einiges zu tun, bis ihr eine eigene Firma gründet, vergehen auch erst einmal etliche Stunden, die ihr alleine auf den Straßen verbringt.
Gut am „German Truck Simulator“ gefällt mir, dass die 18 bekanntesten Städte Deutschlands alle ihren Wiederekennungseffekt besitzen. Bremen, Frankfurt, Berlin und sogar Dresden oder Leipzig dürfen befahren werden, leider wirken alle Metropolen eher wie Provinznester. Die Steuerung selbst ist insgesamt überzeugend, so simpel ist das Navigieren eines dicken Trucks eben doch nicht - vor allem dann nicht, wenn ihr etwas transportiert. Soweit wurden sogar die wichtigsten Straßenverkehrsregeln integriert, bei einer roten Ampel in der Stadt solltet ihr also stoppen, zudem empfiehlt es sich, die vorgegebenen Geschwindigkeiten einzuhalten. Originale MAN-Modelle haben den Weg ins Spiel gefunden, der Rest ist aber mal wieder nicht lizenziert worden. Schade. Ansonsten müsst ihr darauf achten, eure Fracht nicht zu verlieren, Ruhepausen einzulegen und den LKW im schlimmsten Fall zu reparieren. Und die gut verteilten Tankstellen haben ebenso ihren Sinn. Das ist alles nicht schlecht und wäre dem Spielspaß sicher förderlich, gäbe es da nicht etliche Kritikpunkte...
Mir ist es absolut schleierhaft, wieso nicht einmal das Autobahn-Netz von Deutschland originalgetreu in den „German Truck Simulator“ eingefügt wurde. Manche Strecken fehlen gänzlich, die Landstraßen stimmen sowieso nicht mit den echten Vorgaben überein. Insgesamt sind die Straßen nur ganz grob nachempfunden worden, genauso werdet ihr das Gefühl nicht los, als würde unser Land nur aus Bäumen und Feldern bestehen. Das ist schon ziemlich doof, denn Kleinstädte oder Dörfer gibt es quasi nicht. Geschmälert wird die Freude zusätzlich durch eine höchstens als zweckmäßig zu bezeichnende Optik und einen nicht vorhandenen Soundtrack. Dass ihr MP3s in einen bestimmten Ordner auf eurer Festplatte kopieren könnt, um dann doch etwas Musik hören zu können, ist ziemlich suboptimal. Über die fehlende Detailtreue hab ich mich übrigens schon an anderer Stelle ausgelassen.
Nach ein paar Stunden Spielzeit stellt sich eine etwas frustrierende Routine ein, denn von Abwechslungsreichtum kann beim „German Truck Simulator“ nicht die Rede sein. Hier hoffe ich sehr, dass die Modding-Community ein wenig Kreativität beweist und etwas mehr aus dem Spiel macht. Als negativ muss ferner die KI bewertet werden, andere Trucks und Autos verhalten sich nicht gerade authentisch. Und dass die Entwickler Benzinnamen im englischen Original belassen haben, auf glaubwürdige Details grundsätzlich verzichtet wird und manche Aspekte schlichtweg falsch sind (Autobahnauffahrten erinnern an Feldwege, Straßenschilder auf Landstraßen weisen auf Orte hin, die locker 500km entfernt sind etc.), passt nicht zu dem Wort „Simulator“ im Namen des Spiels. Hier fehlt schlichtweg die Liebe zu Feinheiten, die deutschen Spielern durchaus wichtig sind. Da hat Rondomedia völlig gepennt.
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