05.03.2010 – Redakteur: Martin
Wenn Prinzessinnen von großen Ungeheuern entführt werden, ein dunkler General zwei verfeindete Völker gegeneinander ausspielen will und der kleine Gehilfe eines Weinhändlers zu strahlenden Helden heranwachsen, dann sitzt entweder die Oma mit dem Märchenbuch an unserer Bettkante oder wir haben die Joypads in den Händen und spielen ein japanisches RPG-Abenteuer. Da wir lieber jüngere Vertreterinnen der Weiblichkeit an unserer Schlafstätte sitzen haben, entscheiden wir uns für die zweite Möglichkeit und befinden uns auch schon flugs in Level 5 neuester Reise durchs Fantasy-Land. Die Story mutet anfangs auch wirklich wie ein Märchen der Gebrüder Grimm an. Leonard ist der Laufbursche des Weinhändlers der Festungsstadt Balador, in der auch der König residiert. Ein großer Tag bricht an, als Cisna, die einzige Tochter des Regenten, die Volljährigkeit erreicht und in die Gesellschaft eingeführt werden soll.
Am selben Tag soll endlich der Frieden mit einem verfeindeten Reich geschlossen werden, weshalb Leonard auch reichlich vom Rebentrank zu Hofe zu bringen hat. Alles könnte wirklich auf eine schöne Zukunft hindeuten, wäre da nicht der finstere General Dregias – er tötet die beiden Staatsoberhäupter, raubt das holde Königskind und hinterlässt mit seinem riesigen Ungeheuer ein riesiges Loch in der Schlosswand, bevor er sich mit einem Luftschiff aus dem Staub macht. Hier naht die Stunde von Leonard, der Minuten zuvor herausgefunden hat, einer der Auserwählten zu sein, die den mächtigen Kampfanzug des weißen Ritters tragen dürfen. Diese Rüstung ist eine opulente Waffe, die Leonard immer dann zur Verfügung steht, wenn er durch genügend Punkte seine neuen Fähigkeiten aufgeladen hat. Mit einer Handvoll treuer Gefolgsleute macht er sich auf die lange Reise zur Rettung Cisnas und um sein nun in neue Bahnen gelenktes Schicksal zu erfüllen, nämlich Dregias zur Strecke zu bringen, der sich in das Gegenstück des weißen Ritters verwandeln kann.
Hier sollte nun normalerweise eine Standardfloskel vom Schlage eines „der Spieler schlüpft in die Rolle von Leonard…“ folgen, das wäre aber nicht die ganze Wahrheit. Anfangs erstellt man sich nämlich einen eigenen Charakter, der auch tatkräftig zur Hand geht, aber eben nicht mehr als ein Statist in dieser Geschichte darstellt. Möglichkeiten, dem stummen Handlanger ein eigenes Äußeres zu verleihen, sind dabei reichlich vorhanden. Wer sich über diesen Aufwand bei der Gestaltung einer Randfigur wundert, wird nach ein paar Spielstunden aufgeklärt. Ist man reif für das so genannte Georama, wird unsere Spielfigur zur Hauptperson diverser Subquests, die man online mit anderen Mitspielern erleben darf. Im Singleplayermodus können die Helden per Tastendruck durchgewechselt werden.
Mal spielt man die Begleiterin Yulie, mal Leonard, oder eben einen anderen der Gefolgsleute, die man auf seiner Reise aufgelesen hat. Jeder steigt individuell die Erfahrungsleiter hoch, erhält für sich XP und kann natürlich eigene Fähigkeiten erlernen. Sinnvoll ist es natürlich für eine Gruppe, die komplette Skill-Palette auf die einzelnen Figuren aufzuteilen. Der Stärkste wird auf den Nahkampf spezialisiert, wer noch etwas schwach auf der Brust ist, bekommt Pfeil und Bogen in die Pixelhändchen gedrückt, während Heil- und Schadenszauber ebenso auf die weiteren Begleiter verteilt werden. Als Vierpersonengruppe lässt sich auf diese Weise jedes Abenteuer überstehen und eine ausgewogene Kampfstrategie entwerfen.
Große Augen sind ja für japanische Spielcharaktere typisch, hier aber wird der Spieler erst einmal welche machen, wenn er die ersten Bossmonster zu Gesicht bekommt. Schon der erste Gegner ist ein Troll von beachtlicher Größe, bei dem man sich unwillkürlich fragt, wie man den mit seiner lumpig niedrigen Charakterstufe bitteschön erledigen soll. Glücklicherweise ist der Schwierigkeitsgrad nicht unfair und die Ungeheuer sind auch nicht gerade die sprichwörtliche Gewitterwolke, aus denen die Geistesblitze zucken. Meistens beschränken sich die Angreifer darauf, nach vorn zu stürmen und durch Masse Schwierigkeiten zu bereiten. Greift man sich seine Pappenheimer aber alleine ab, sind sie recht schnell Geschichte.
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